Party in Leverkusen Brezeln, Beine, Bützen - die Schwadbud

Leverkusen · Das 14. RP-Altweiber-Open-Air lockte gestern rund 1000 Zuschauer und zahlreiche Karnevalsgesellschaften zum Stelldichein in die Opladener Fußgängerzone. Es gab jet zo lache, zo schunkele, zo danze und ziemlich jet zo bütze...

Das scheidende Altstadtfunken-Mariechen Svenja versprach im Interview mit Redaktionsleiter Ulrich Schütz, den Altstadtfunken treu verbunden zu bleiben.

Das scheidende Altstadtfunken-Mariechen Svenja versprach im Interview mit Redaktionsleiter Ulrich Schütz, den Altstadtfunken treu verbunden zu bleiben.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Drumrumreden hilft nix, deswegen frei heraus: Es lag ein Hauch Erotik in der Weiberfastnachtsluft über der RP-Fastnachtssause "Schwadbud" in der Opladener Fußgängerzone. Hitdorfer Jungfrauen-Wangen erröteten, Neustadtfunken-Kavaliere halfen ihren "sexy girls" von der Tanzgarde in wärmere Leibchen, die Lippen von Prinz Heinz VII. rundeten sich zum Vierfach-Bützen...

Und RP-Redaktionschef Ulrich Schütz ließ sich zu einem Liebesbekenntnis an KG-Klinikum-Ex-Präsidentin Käthe Steinke hinreißen: "In meinem Herzen bleibst Du immer Präsidentin", flötete er. Steinke zwitscherte ernüchternd zurück: "Du bist nicht der Einzige, der mir das sagt." Aber vielleicht der Einzige, dem Steinke einen dicken Brezelorden umhängte, um dann beim Extrem-Bützen festzustellen: "Durch die Brezeln vor der Brust, bin ich aber extrem weit von Dir weg, Ulli."

Apropos. Kulinarik kann ja auch sehr leidenschaftlich sein — deswegen überreichte RP-Fotograf und Neu-Altstadtfunke Uwe "Schnurres" Miserius manchem Mitglied eines jecken "Schmölzchens" auf der RP-Bühne einen Schnautzbart-Orden — aus Schokolade. Der RP-Koch schenkte Erbsensuppe an viele der rund 1000 Schwadbud-Gäste aus, und die Prinzengarde Opladen hat nicht umsonst den Spitznamen Zitronenfunken — jeder Funke trägt ein (Kunst-)Zitrönchen am Ornat. Mitgebracht hatten sie aber etwas Süßes: Vicky Schmitz verkörperte akrobatisches Tanzmariechen (vollführte einen Radüberschlag in der Luft) und stimmsicheres Gesangsmariechen in Personalunion. "Das ist ihre Feuertaufe", flüsterte ein Zitronenfunke. "Sie ist heute zum ersten Mal im Einsatz."

Die Altstadtfunken hatten laut Kommandant Udo Kreye "seit 7 Uhr" für ihren Stippeföttchen-Auftritt geübt, die Stadtgarde-Tanztruppe hatte Vorzeigetänzer Patrik Rektenwald dabei, die "sexy girls" der Neustadtfunken kamen ohne Kerle aus — bis nach dem Tanz, als die Jungs den Mädchen in die Jacken halfen. Nur ein Mariechen brauchte keine: der Ohrstecker von Neustadt-Präsident Stefan Hebbel. Es war ein kleines Tanzmariechen.

Womit wir wieder beim Thema Erotik wären: Das Hitdorfer Dreigestirn ließ die Fährgarde auftanzen. Dreigestirn-Prinz Nico I. schmetterte ein "Leed für Disch", Prinz Gunnar I. aus Holzhausen sang lieber über "Kölsche Tapas", und Prinz Heinz VII. sang gar nicht, sondern referierte über den Karneval, bevor er sich sportlich ans Vierfachbützen begab. Zum Dank spendierte RP-Oberjeck Ulrich Schütz seiner Tollität einen besonderen Orden: "den schärfsten und in Europa, ach, auf der ganzen Welt größten Orden", pries er eine der zehn Druckplatten an, die die RP gestern vergeben hat.

Vergeben hat Schütz übrigens erstmals in der 14-jährigen Schwadbudgeschichte seinen geliebten Schwadbudhut. Aber nur leihweise. Erst an Käthe Steinke, dann an KOK-Chef Uwe Krautmacher. Zwecks Spendensammlung für die Karnevalszüge in Leverkusen. Krautmacher holte 54,11 Euro ein, Steinke schaffte mehr als 30. "Davon kann schon ein Mann in einem Zug mitgehen", scherzte Krautmacher.

Vielleicht gaben auch diese Gäste etwas in den Hut: Als treues Stammpublikum erwiesen sich die Damen von FKK (Frauenkulturkreis). Seit 30 Jahren treffen sie sich zur Weiberfastnacht in Opladen — und schunkeln und tanzen mit. Gestern zur Musik der RP-Hausband MGV "Halbe Lunge". Siegrid Franke freute sich besonders, dass FKK-Mitglied Isolde Heinrich wieder extra aus Heidelberg angereist war. "Das Rheinland ist einfach das Rheinland", sagte diese schmunzelnd und erzählte von der wenig mitreißenden Fastnacht in Heidelberg. Sie schätze die Stimmung in Opladen, "und dass Alt und Jung hier zusammenfeiern". Für die Frauen gilt: "Wir zählen nicht die Jahre, sondern die Augenblicke." Und der Standort: Sie hatten den Spitzenplatz besetzt.

Direkt vor ihrem Stehtisch unterm RP-Zelt traten die Tanzgruppen auf. Etwa die "Pänz vom Rosenhügel" der KG Neustadtfunken: Erst waren die kleinen Mädels dran, dann die größeren — alle bezopft mit echter oder falscher Haarpracht. Das Kinderprinzenpaar Michael I. und Lisa I. wurde von Ulrich Schütz mit der RP-Zeitungsente am Bande geehrt. Das jüngste, vier Wochen alte Mitglied der Neustadtfunken beäugte das Getummel aus dem Kinderwagen.

Für einen krönenden Abschluss sorgten die Roten Funken aus Wiesdorf. Getreu dem Liedmotto "ein kleiner Teufel steckt doch in jedem drin" schmückten Teufelshörner die Häupter der Mitglieder des Kinder- und Jugendcorps. Die älteren Tänzerinnen führten akrobatisch Hebefiguren, Spagat und Drehungen vor. Präsident Lothar Höveler verlieh Ulrich Schütz den Orden der Roten Funken, den eine kleine Bahnstadt ziert.

Da war Käthe Steinke längst verschwunden — wohl, um über ein neues Konzept für die dieses Mal entfallene Klinikum-Sitzung zu grübeln. "Das hat mir echt gefehlt", gestand Käthe. Das lässt hoffen.

(RP)