Leverkusen: "Alte Garten": Sperrung sorgt für Unmut

Leverkusen : "Alte Garten": Sperrung sorgt für Unmut

Anwohner sind empört, dass die Stadt sie über die Änderung der Verkehrsführung nicht informiert hat. Anlieferer sind über die Umwege irritiert.

Peter Odenthal ist fassungslos: Ohne Ankündigung wurde am Dienstag die Straße zu seinem Haus ("Alte Garten") für Kfz-Verkehr gesperrt. Handwerker montierten Einfahrt-Verbotsschilder an der Einmündung "Alte Garten"/Bürriger Weg. "Ich habe mich in der Nachbarschaft umgehört, wir wussten alle von nichts", sagt der Rentner.

Seit 66 Jahren wohnt Ehepaar Odenthal schräg gegenüber der Reuschenberger Mühle. "Unser Haus ist das letzte in der Straße. Wir fahren immer über den Bürriger Weg, um die Engpässe im Dorf und entlang der Straße Entenpfuhl zu umgehen", erzählt Odenthal. Das sei nun nicht mehr möglich.

Am meisten ärgere ihn jedoch die Tatsache, dass die Anwohner nicht in die Entscheidungsfindung mit einbezogen wurden. Auch Anwohnerin Christiane Ziesmer ist empört: "Ich wohne in der Nebenstraße ,Auf der Weide'. Für mich ist der Weg durchs Dorf ein Umweg."

Hintergrund für die neue Verkehrsregelung waren Beschwerden aus der Nachbarschaft. Angemerkt wurden "gefährliche Situationen im Begegnungsverkehr" durch Pferdetransporter vom nahe gelegenen Reiterhof Gut Reuschenberg. Aufgrund dieses "Gefahrenpotenzials" habe die Verwaltung Handlungsbedarf gesehen, heißt es von Seiten der Stadt. Odenthal kann dieser Argumentation nicht folgen: "Ich kann aus Erfahrung sagen, dass ich mich als Anwohner in keiner Weise gestört fühle. Wenn es hochkommt, fährt einmal die Woche ein Pferdetransporter durch unsere Straße. Der Hauptverkehr entsteht durch Postfahrzeuge und Paketzusteller."

Auch Reiterhof-Betreiberin Jeanette Eigen, die als Einzige von der Verwaltung vorab über die neue Verkehrsregelung informiert wurde, ist unzufrieden. Die neue Regelung sieht vor, dass alle Fahrzeuge, die vom Reiterhof kommen, den Bürriger Weg passieren müssen, um auf den Hauptverkehrsweg zu gelangen. Ihrer Meinung nach würde dadurch das Problem des Gegenverkehrs nicht gelöst: "Alle Anwohner dürfen die Straße ja weiterhin in beide Richtungen befahren." Zudem sei der Weg für ihre Kunden über den Bürriger Weg problematisch: "Kurz vor der Einmündung Bürriger Weg/von-Ketteler-Straße (S-Bahnhof Küppersteg) kommt eine 90-Grad-Kurve. Mit Pferdeanhänger ist die nicht zu schaffen. So müssen alle Fahrzeuge durch das Wohngebiet rund um die Stephanusstraße fahren."

Verdutzt reagierten die Firmen auf dem Gelände Reuschenberger Mühle. Ernestina Milia, Mitarbeiterin bei Campagnolo, bestätigt: "Wir sind nicht informiert worden." Zuliefer- und Postfahrzeuge, teils Lkw, fahren täglich die Mühle an. Rund 50 Meter vor der Einfahrt ist für die Fahrer nun Endstation. "Wir bekommen täglich zwischen fünf bis acht Lieferungen — normalerweise über den Bürriger Weg. Die müssen jetzt über die engen Straßen Entenpfuhl und ,Alte Garten' fahren."

Auch die zuständige Bezirksvertreterin Irmgard von Styp-Rekowski (CDU) wurde überrascht. "Ich habe die Schilder am Mittwoch zufällig gesehen", sagt sie. Mit der Sache als solches sei sie jedoch einverstanden. "Die Verkehrssituation in dem Gebiet ist sehr schlecht, es ist gut, dass jetzt etwas passiert. Ob diese Lösung der richtige Weg ist, wird sich zeigen."

Am Donnerstag nun wurden die etwa 80 Anwohner per Stadt-Schreiben über die "Pilotphase", die sechs Monate dauern soll, informiert. Ziel sei eine Entlastung der Straße "Alte Garten". Die Verwaltung werde die Verkehrsentwicklung beobachten. Nach den sechs Monaten soll die Wirksamkeit überprüft werden. Zudem entschuldige man sich dafür, die Anwohner nicht rechtzeitig informiert zu haben.

(RP/ac)
Mehr von RP ONLINE