Als "Eisenbahner mit Herz" nominiert: Henrik Feldmann ist der Held der Pendler

NRW-Zugbegleiter als "Eisenbahner mit Herz" nominiert: Der Held der Pendler

Bahnreisende haben Zugbegleiter Henrik Feldmann für die Auszeichnung "Eisenbahner mit Herz 2017" nominiert. Seine witzigen Ansagen machten ihn zu einer Berühmtheit bei den Fahrgästen der Regionalbahn 48. Dabei half der Verkehrsfachmann nur aus.

Henrik Feldmann ist den Leuten in Erinnerung geblieben, weil er seinen Job anders machte als so viele vor ihm. Wenn er einen Fahrgast begrüßte, lächelte er, als könne er sein Glück nicht für sich behalten. Es kam gerne vor, dass er den Pendlern schon am Donnerstagmorgen ein schönes Wochenende wünschte. "Ich verabschiede mich schon heute von ihnen", sagte er. "Denn morgen habe ich frei." Feldmann machte den Job als Zugbegleiter wunderbar anders — humorvoll, witzig, charmant. Die Pendler kamen aus dem Dauergrinsen nicht mehr heraus.

Anfang 2016, als das private Bahnunternehmen National Express im Rheinland einen Stotterstart hinlegte, war Feldmann, der damals neu im Unternehmen war, einige Monate als Zugbegleiter in der Regionalbahn 48 von Wuppertal nach Bonn unterwegs. An der Basis sollte Feldmann, der in anderer Funktion angestellt worden war, das Unternehmen kennenlernen. Ein Jahr später wurde er nun von Bahnreisenden zum "Eisenbahner des Jahres" nominiert. "Ich habe heute ein Plakat von National Express im Zug gesehen, und da musste ich doch direkt an den besten Zugbegleiter denken, den es gibt", heißt es in einem Anschreiben, das unserer Redaktion vorliegt. Eine schönere Liebeserklärung haben vor Feldmann wohl nur wenige Zugbegleiter bekommen.

Preisverleihung in Berlin

Der Preis "Eisenbahner mit Herz" wird vom Verein "Allianz pro Schiene", einem Verkehrsbündnis, in dem 23 Non-Profit-Verbände und mehr als 135 Unternehmen zusammenarbeiten, zum siebten Mal in den Kategorien Bronze, Silber und Gold bei einer Gala in Berlin verliehen. Im vergangenen Jahr gewann eine Zugbegleiterin, die eine Flüchtlingsfamilie auf dem Weg von Siegen nach Essen vor rassistischen Anfeindungen in Schutz nahm.

Mit der Nominierung feiern die Pendler Feldmann als einen Helden des Alltags, weil er vor allem sich selbst, aber auch andere nicht so ernst nahm. Seine Ansagen sang er durch die Anlage: "Nächster Halt Leich-lin-gen". Einmal wünschte er einer jungen Dame "Gu-ten Ap-pe-titt", die mit noch geschwollenen Augen gerade in ihre Käsestulle gebissen hatte.

Stotterstart von National Express

Dabei war Feldmann als sicherer Sündenbock auf die Schienen gegangen. National Express war mit dem Anspruch gestartet, es auf den Linien der Regionalbahn 7 (Krefeld - Rheine) und der Regionalbahn 48, die aus Wuppertal durch das Bergische und Leverkusen nach Köln fährt, besser zu machen als zuvor die Deutsche Bahn. Das klappte nicht. Statt der modernen Regionalbahn war monatelang ein klappernder Ersatzzug auf den Schienen unterwegs: Feldmann sollte dem mangelnden Komfort und der üblen Laune der Pendler entgegenwirken. Es gibt undankbare Aufgaben — und es gibt diese.

Mitte des Jahres sagte Feldmann den Fahrgästen ein letztes Mal "Tschüss, ciao und bye, bye". Einige versuchten noch, den damals 34-Jährigen zu überreden, einige Monate dranzuhängen. "Das wichtigste war, dass er mir als Fahrgast das Gefühl gegeben hat, wertgeschätzt zu werden", schreibt eine Pendlerin. "Wer kann schon von sich sagen, dass er sich ein halbes Jahr aufs Pendeln gefreut hat."

"Ich freue mich sehr, fühle mich geehrt und bin auch ein Stück verwundert, denn ich habe ja nur meinen Dienst erledigt. Ich weiß die Fahrgäste bei meinen Kollegen in besten Händen. Bei den Einsendern möchte ich mich bedanken. Das hatte ich nicht erwartet, auf diese Weise etwas zurück zu bekommen", lässt Henrik Feldmann über National Express ausrichten. Feldmann macht derzeit Urlaub im Ausland.

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