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Alkoholkranke Angeklagte aus Leverkusen bedankte sich für Strafe 

Amtsgericht : Alkoholkranke Angeklagte bedankte sich für Strafe

Vorwurf des Medikamentenhandels vor Gericht fallengelassen, als Auflage gab es Sozialstunden für die 53-Jährige. Die nahm das Urteil dankbar an und freute sich über Beschäftigung.

Eine Frau aus Leverkusen musste sich jetzt vor dem Amtsgericht  verantworten. Sie habe mit verschreibungspflichtigen Medikamenten Handel betrieben, so lautet der Vorwurf. Die alkoholkranke Frau jedoch legte glaubhaft dar, sie habe die Tat so nicht begangen. Ganz ohne Strafe kam sie aber nicht davon – anders als gewöhnliche  Angeklagte zeigte sie sich dafür sogar dankbar.

Laut Anklage hatten Beamte der Polizei die 53-Jährige am 26. März des vergangenen Jahres in der Opladener Bahnhofsstraße dabei beobachtet, wie sie Medikamente an eine Person weitergab und dafür 20 Euro erhielt. Bei den Pillen soll es sich unter anderem um ein verschreibungspflichtiges, krampflösendes Medikament gehandelt haben.

Die Beschuldigte wehrte sich gegen den Vorwurf und berichtete, sie habe sich jene Kapseln, die ihr zu diesem Zeitpunkt bereits verschrieben waren, zuvor von einem Freund geliehen. Der Mann wird gesondert strafrechtlich verfolgt. An jenem Tag habe sie ihm die Pillen wiedergegeben. Bei den 20 Euro habe es sich um ein Pfand gehandelt, das sie dem Mann zuvor ausgehändigt hatte – und nun zurückbekam.

Dass bei ihr fast 100 Pillen des Krampflösers gefunden wurden, sei völlig normal. „Das Mittel hilft mir. Ich bin krampfgefährdet wegen des Alkohols“, erklärte die Angeklagte dem Gericht. Die Sucht habe die 53-Jährige bereits lange im Griff. Zwar habe sie es öfter geschafft, „längere Zeit trocken zu bleiben“. Doch falle ihr die Abstinenz sehr schwer und häufig gebe es Rückfälle.

Die Polizisten hatten am 26. März 2019, dem Tattag, ein Geständnis der Angeklagten aufgenommen, die gleich zugegeben hatte, die Pillen verkauft zu haben. Vor Gericht schüttelte sie nun aber den Kopf. „Ich war da sehr durch den Wind“, rechtfertigte sie sich und zog das Geständnis zurück.

Das Gericht stellte mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Verfahren schließlich unter einer Auflage ein. Die sieht vor, dass die Leverkusenerin insgesamt 15 Sozialstunden leistet. Den Richterspruch nahm die Angeklagte dankbar an. Sie freute sich über die ihr von der Justiz zugewiesene Beschäftigung und betonte: „Dann sitze ich nicht den ganzen Tag zu Hause und trinke.“