Serie Amerika auf dem Motorrad: "Alaskas gefährlichstes Tier ist kein Bär"

Serie Amerika auf dem Motorrad : "Alaskas gefährlichstes Tier ist kein Bär"

Julia Becker und Hans-Dieter Husfeldt, der Leiter der Leverkusener Polizeiinspektion, wollen auf dem Motorrad mehrere Monate durch die USA und Südamerika reisen. Während Husfeldt erst am 1. September in Las Vegas hinzustößt, hat seine Partnerin die Reise bereits begonnen. Von Alaska aus schickte sie jetzt ihre ersten Eindrücke:

"Die erste Hürde ist genommen: Mein Motorrad ist angekommen, und ich bekomme Papiere, mit denen ich zum Zoll soll. Ich habe Angst und Bedenken, dass man mir die Freigabe des Motorrades nicht geben könnte. Aber es geht ganz schnell: EPA-Papiere, den original Fahrzeugschein, und dann erhalte ich ein paar Papiere mit großen, bunten Stempeln und ein Lächeln der Zöllnerin, die sagt, dass ich das Motorrad nun haben könne. Ich bin froh und überrascht zugleich, denn ich hatte so einige Gruselgeschichten über den US-amerikanischen Zoll gehört: Ein deutsches Pärchen, das ebenfalls seine Motorräder im Cargobereich hätte, warte bereits zehn Tage auf die Freigabe, wird mir berichtet. Sie hatten keinen Antrag bei der EPA-Behörde gestellt. Das Glück bevorzugt den, der vorbereitet ist.

Ich nutze den Abend und überlege mir, wo es denn nun am nächsten Tag hin soll - wo beginne ich mein Abenteuer? Eine Route habe ich nicht ausgearbeitet - ich möchte spontan und wetterabhängig entscheiden können, was ich als nächstes mache.

Direkt südlich von Anchorage liegt die Kenai-Halbinsel. Hier sollen mich meine ersten Kilometer hinführen. Ich fahre über beeindruckende Küstenstraßen in Richtung Süden. Auf der einen Seite liegt das Meer, auf der anderen die Berge der Kenai Mountains. Der Himmel ist blau, und Alaska begrüßt mich mit strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Ich erkunde die Halbinsel in drei Tagen und sehe Gletscher, die ins Meer abfallen, Seeadler und einen atemberaubenden Seward- und Sterling Highway. Kurzfristig entscheide ich mich, von Whittier mit einer Fähre durch den Prinz-William-Sund nach Valdez zu fahren. Während der Überfahrt sehe ich Fischotter, Seehunde und Eisberge. Die Fjorde des Sunds sind einsam und malerisch und ich bekomme nicht genug davon, das Ufer nach Bären abzusuchen. Vor denen hat man mich gewarnt. Sie seien unberechenbar, und es gäbe gerade dieses Jahr sehr viele. Momentan haben die Muttertiere mit der Aufzucht der Jungen zu tun, und sie verstünden keinen Spaß, wenn sie auch nur ansatzweise vermuteten, dass der Nachwuchs gefährdet sei. Ich habe mir ein Bären-Pfefferspray zugelegt. Die Amerikaner lächeln darüber nur müde, hier hat jeder eine Schusswaffe. Trotz der angeblichen Bärendichte, sehe ich nicht einen.

Ich befahre gerade den Glenn Highway in Richtung Palmer, da eröffnet sich mir einer der Momente, in denen ich mich ganz klein fühle: Der riesige Mount Logan ist mittig im Rückspiegel zu sehen, und der Highway scheint flimmernd in der Mittagshitze direkt auf ihn zu zuführen.

Von Palmer aus, geht es in Richtung Denali Nationalpark. Kurz hinter Willow kann man ihn bereits sehen. Der Mount McKinnley liegt vor mir, und ich fahre auf den wolkenfreien großen Berg direkt zu. Die Einheimischen betonen immer wiede, wie selten das ist, den Gipfel sehen zu können. Alaska ist gut zu mir!

Ich verbringe drei Tage im Denali und erkunde die Gegend zu Fuß und mit einem der Parkbusse. Endlich sehe ich in weiter Ferne einen (trotz der Entfernung) groß aussehenden Grizzly. Auch Karibu, Dallschafe und Elche sind zu sehen.

Nachdem man den "Arctic Circle" passiert hat, liegt in einer der Tiefebenen Coldfoot. Hier ist die einzige Möglichkeit, aufzutanken. Als ich vom Motorrad absteige, werde ich vom tatsächlich gefährlichsten Tier Alaskas angegriffen. Millionen Moskitos kommen auf mich zu und attackieren mich! Sie sind überall. Ich stelle mein Zelt nur schnell hin, schlecht gespannt ist es, das ist mir egal, Hauptsache Schutz vor diesen blutrünstigen Plagegeistern! Mein Mückenspray scheint wirkungslos."

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