Abriss der Ausbesserungshallen in Opladen läuft

Bahnstadt Opladen : „Hier ist ein richtiger Kiez entstanden“

Abriss der Ausbesserungshallen in der Bahnstadt läuft. Manche Fassade bleibt. Neubau ab Sommer. 88 Mio. Invest.

Das „Werk Opladen“ liegt im Keller. Und da bleibt es noch ein Weilchen. „Wir haben den Schriftzug dort eingelagert, bis er wieder an der Fassade angebracht wird“, sagt Thore Marenbach, Geschäftsführer des Projetkentwicklers Cube Real Estate. „Ich war heute Morgen erst unten und hab’ nachgesehen. Es ist alles in Ordnung.“ Im Büro der Bahnstadt hatte kurz zuvor ein Leverkusener nachgehakt, was denn mit dem Zeichen – schwarze Schrift auf weißem Grund –, das Jahrzehnte über einer der Ausbesserungswerk-Hallen hing, passiert sei. Die Mauern unterm Schild sind weg. Im ehemaligen Inneren der ersten Halle (vom Kesselhaus aus gesehen) arbeiten sich Bagger durch große Haufen von Backsteinen und Schutt. Die Sicht ist frei bis zu den alten Reihenmarkierungen aus Ausbesserungswerkzeiten in der zweiten Halle. Eine Fassade am Gebäudekopf ragt wie ein Denkmal gen Himmel. Und sie bleibt stehen. „Im städtebaulichen Vertrag ist geregelt, was von den Fassadenteilen erhalten bleibt“, sagt Marenbach, Das zwischengelagerte „Werk Opladen“ gehört dazu. Auch die alte blau umrandete Uhr am Bürokopfbau der nun abgerissenen Halle wird bleiben. Und sie hängt noch. Auch wenn die Zeit, die sie anzeigt, längst nicht der Realität entspricht.

In dem würfelartigen Bau und in einem Bereich, der dahinter freiliegt, werden auf 7000 Quadratmetern Flächen für Büros entstehen. Dazu 300 Mirkoappartements. „Nicht nur für Studierende in Leverkusen und Deutz, sondern etwa auch für Projektarbeiter, die in der Stadt sind“, fasst Marenbach zusammen. Außerdem werden in dem neuen Mini-Quartier der einstigen Ausbesserungswerkhallen 27 Eigentumswohnungen gebaut (für doppelt so viele gebe es Interessenten), ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen, e-Ladestationen, Car-Sharing-Angebot. „Das Gute an diesem, unserem bisher größten Projekt ist, dass wir hier keine Baulücke schließen müssen.“ Das gibt den Entwicklern eines: Entwicklungsfreiheit.

Blick durch die zweite Ausbesserungshalle. Hier soll vieles erhalten bleiben. Fitness-Studio und Gastronomie sind unter anderem für den Bereich geplant. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Und weil es ein Mini-Quartier im Quartier ist, geht es auf den rund 20.000 Quadratmetern nicht nur um Wohnen und Arbeiten, sondern auch um Freizeit. Im Bereich der zweiten Halle sollen sich unter anderem eine Gastronomie und ein Fitnessstudio etablieren. „Es gibt wohl kaum einen Fitnesstudio-Betreiber der nicht bei uns angerufen hat, um sich hier niederzulassen“, berichtet der Projektentwickler lachend. „Aber es muss ein Studio im Industrie-Charme der alten Fassaden sein, das gleichermaßen für Studenten wie für Senioren und alle anderen etwas anbietet, damit eine große Zielgruppe bedient werden kann.“ Nämlich auch die, die in der Bahnstadt mittlerweile zu Hause ist. „Das ist ein richtiger Kiez geworden“, sagt Marenbach. Als er vor drei Jahren auf der Campusbrücke gestanden habe, „da war hier noch nix. Jetzt sind Kinder da, es wird Fuppes gespielt. Es wächst zusammen.“ Und Cube Real Estate will Teil davon sein, zog aus Köln in das ehemalige Werks-Verwaltungsgebäude. Die Mitarbeiter fühlten sich wohl, hätten es aus Düsseldorf, Siegburg oder anderswoher meist sogar näher als bis nach Köln. Viele kämen mit der Bahn, merkt Thore Marenbach an. Das durchsanierte Verwaltungsgebäude sei die Visitenkarte für das Unternehmen. „Das schafft Vertrauen, für das, was wir jetzt auf dem Hallengelände vorhaben. Gut 88 Millionen Euro steckt Cube in das Mini-Quartier, acht Mal so viel wie ins Verwaltungsgebäude.

Aber Marenbach macht beim Ortstermin klar den Eindruck, dass er die Bahnstadt nicht nur deshalb toll findet, weil seine Firma hier Geld lässt. „Man muss sich in der Umgebung lange umschauen, um so einen schönen Standort auch für Büros zu finden“, sagt er. „Ich freu’ mich jeden Tag.“

Thore Marenbach (Cube Real Estate) lobt die Bahnstadt. Foto: Ludmilla Hauser

Noch mehr wird er sich freuen, wenn zwei Etagen unter seinem Büro in ein bis zwei Monaten eine neue Gastronomie aufmacht. Ursprünglich sollte es eine Art Café/Bistro werden, nun werde es ein Restaurant mit Vollküche, Außengastronomie und Reminiszenzen an die alte Nutzung des Geländes. Andere Gastronomen haben laut Marenbach die Bahnstadt als bisher unterversorgt entdeckt. Ins Kesselhaus soll gastronomisches Angebot einziehen, in die alten Zeichenwerkstatt offenbar auch. „In der Hochschule wird es eine Mensa geben. Wir werden schauen, was noch hierher passt“, sagt er im Blick auf ein Angebot in der alten Halle.

Dass so viel Altes bestehen bleibe, sei auch Verdienst der Bahnstadtgesellschaft, betont er. „Was hier überhaupt in 15 Jahren nach der Schließung schon entstanden ist, das ist die hohe Schule der Quartiersentwicklung. Das ist Champions League. Das ist Städtebau. Punkt.“

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