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Abrechner-Pleite betrifft Leverkusener Apotheken nicht

Ein Fall in Leichlingen : Abrechner-Pleite betrifft Leverkusener Apotheken nicht

Die Insolvenz des privaten Rezeptabrechners AvP bringt Apotheker deutschlandweit in erhebliche Schwierigkeiten. Leverkusener Apotheken sind nicht betroffen, eine in Leichlingen schon.

Tausende Apotheken in Deutschland stehen nach der Insolvenz des Dienstleisters AvP – einem unabhängigen Unternehmen zur finanziellen Abrechnung von Rezepten und nach eigenen Angaben der größte deutsche private Rezeptabrechner – vor dem Aus. Somit bleiben die Betroffenen voraussichtlich auf Forderungen in Millionen-Höhe sitzen. Eine Anfrage beim Apothekerverband Nordrhein ergab, dass die Branche in Leverkusen nicht vor diesem Problem steht, wohl aber in Leichlingen. Der betroffene Apotheker will sich öffentlich nicht äußern.

Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein, kommentiert das Geschehen so: „Die AvP-Insolvenz ist ein großes Desaster für die betroffenen Apotheken. Sie sind bei den Krankenkassen in Vorleistung gegangen und bleiben jetzt auf ihren Forderungen sitzen.“ Für viele Betroffene seien die Verluste kaum zu stemmen, so dass sie nun vor einem finanziellen und persönlichen Scherbenhaufen ständen. Eine Befragung unter den Mitgliedern habe ergeben, dass pro Betrieb ein durchschnittlicher Schaden in Höhe von 175.000 Euro entstanden sei, sagte Preis. Der Verband gehe deshalb davon aus, ergänzte der Vorsitzende, dass in der Region jede dritte Apotheke – insgesamt rund 350 Betriebe – betroffen seien und etwa zehn Prozent von ihnen Konkurs anmelden müssten. In nächsten zwölf Monaten könnte sich die Zahl sogar verdoppeln, mutmaßte er und forderte: „Weil die Apotheken vollkommen unverschuldet in diese Situation geraten sind, erwarten wir von der Politik einen finanziellen Rettungsschirm.“

Er kenne die Fakten nur aus der Presse, sagte Uwe Beenen, Leiter der Hubertus-Apotheke Düsseldorfer Straße in Opladen. Allerdings gebe es jemanden im Freundes- und Bekanntenkreis, der gleich mit vier Geschäften überrascht wurde. „Jetzt hat er große Sorgen und sucht mit seinen gesamten Vertragspartnern nach Lösungen zur Überbrückung, braucht aber mindestens zehn Jahre, um den Verlust wieder reinzuholen“, beschrieb Beenen die Situation des Mannes und betonte: „Ich möchte nicht in dessen Haut stecken.“

Stellung bezog auch Apotheker Peter Siefen von der Birken-Apotheke an der Birkenbergstraße. „Wir sind zum Glück nicht betroffen, sondern haben einem Abrechner vertraut, der sich bis heute als solide und seriös erwiesen hat“, kommentierte der Inhaber, dessen Geschäft im nächsten Jahr 30 Jahre besteht. Neben AvP gibt es bundesweit 18 hochmoderne Abrechnungszentren, die für Apotheken tätig sind und dafür sorgen, dass Rezepte bei über 100 Krankenkassen abgerechnet werden, so dass Apotheker an ihr Geld kommen.