Leverkusen A1-Rheinbrücke: 1,1 Millionen Temposünder erwartet

Leverkusen · Am Sonntag werden die Radaranlagen auf der Leverkusener Rheinbrücke justiert. Drei Tage später sollen die Blitzer scharf geschaltet werden. Die Städte Köln und Leverkusen rechnen mit Gesamteinnahmen von 22,5 Mio Euro pro Jahr.

 Aufgestellt zum Blitzen: eine der Kamera- und Blitzanlagen auf der Mittelspur der A1-Rheinbrücke. Ab kommenden Mittwoch werden die Anlagen scharf gestellt.

Aufgestellt zum Blitzen: eine der Kamera- und Blitzanlagen auf der Mittelspur der A1-Rheinbrücke. Ab kommenden Mittwoch werden die Anlagen scharf gestellt.

Foto: Uwe Miserius

Durch die marode Leverkusener A1-Rheinbrücke mit den aufsehenerregenden Lkw-Sperrungen hat Leverkusen bundesweit ein einmaliges Negativimage aufgedrückt bekommen (obwohl es auch eine Kölner Brücke ist). Da können selbst die Erfolge vom Pharma- und Chemieriesen Bayer und der obere Bundesliga-Tabellenplatz der Bayer 04-Werkself das ramponierte Image nicht aufpolieren.

Ab kommendem Mittwoch rückt Leverkusen ein weiteres Mal ins Schlaglicht: mit der neuen "Blitzer-Anlage" beidseits der Autobahnbrücke. Die Stadt Köln erwartet 650.000 Temposünder pro Jahr, die Leverkusener Kollegen gehen von 500.000 "Rasern" aus. Dies produziert einen prognostizierten Gesamtumsatz von 22,5 Millionen Euro in beiden Stadtkasse. Leverkusen rechnet mit sechs Millionen Euro reiner Einnahme, die Kosten sind da schon abgezogen.

Derzeit gilt auf der vielbefahrenen Rheinquerung das autobahnuntypische Tempo 60 km/h. Rund 120.000 Fahrzeuge rollen täglich über die Brücke, erinnerte gestern die Stadt Köln in einer Mitteilung. Der Stahlkoloss über dem Rhein zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen, die trotz zahlreicher Schweißverstärkungen nicht komplett beseitigt werden können. 2020 soll deshalb der erste Teil eines Brückenneubaus stehen.

Bis dahin sollen die durch Fahrzeuge, speziell durch Lkw, erzeugten Erschütterungen minimiert werden. Genau deshalb wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h reduziert. Gelingt die Stabilisierung auf eine akzeptable, sprich sichere Brückenbelastung nicht, droht die Autobahnbehörde mit weiteren Brückensperrungen — auch mit einer Komplettsperrung. In den ersten Monaten des Tempolimits ignorierten Pkw- wie Lkw-Fahrer fröhlich die Grenzwerte. Im Juni 2013 bilanzierte die Autobahnpolizei Köln nach verschiedenen Messreihen: ca. 78 Prozent der Fahrer lagen über 60/h. Die Kölner Regierungspräsidentin Regina Walsken zog als Aufsichtsbehörde die Notbremse: Köln und Leverkusen wurden angewiesen, stationäre Tempomessanlagen zu installieren.

Während die Polizei immer nur ein paar Stündchen Temposünder porträtiert, sind die Blitzen 24 Stunden im Dienst. Durchschnittlich werden ab Mittwoch pro Stunde rund 130 Raser geblitzt. Dies ist zumindest die Prognose der Städte unter Hinweis auf die Polizeistatistik.

Diese Berechnungsgrundlage könnte längst überholt sein: Seit die Temposchilder den Zusatz "Radar" tragen, ist die Zahl der Raser vermutlich deutlich zurückgegangen. Problematisch erscheinen die Aufstellorte der Radargeräte: Sie sind von den Geh- und Fußwegen der Brücke leicht erreichbar. Zerstörungsattacken auf die Geräte durch kundige Autofahrer könnte es bald geben. Erwischten Rasern wird dies nichts nutzen: Die Messanlagen schicken die Blitzer-Fotos sofort an die Bearbeitungsstellen der Städte. Filme oder Chips wie in älteren Radaranlagen sind durch die neue Technik überflüssig geworden.

(RP)
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