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A1-Brücke: NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst soll im Rat berichten

Straßen NRW kündigt Bauunternehmen : Bau der Leverkusener Brücke verzögert sich um zwei Jahre

Zum Brückenbau vorgesehene schadhafte Stahlbauteile aus China lassen den Landesbaubetrieb die Reißleine ziehen. Der Bau wird nun neu ausgeschrieben. Die Summe der Mehrkosten sind noch nicht absehbar.

Der Bau der Leverkusener Rheinbrücke wird sich voraussichtlich um anderthalb bis zwei Jahre verzögern. Diesen Zeitrahmen setzt der Baubetrieb Straßen NRW, nachdem er den Vertrag mit dem österreichischen  Bauunternehmen PORR am Freitag gekündigt hat. Hintergrund sind „gravierende Mängel bei der Verarbeitung der Stahlbauteile, die weder die deutschen Normen noch die vertraglichen Vereinbarungen erfüllen“, heißt es in einer Mitteilung des Baubetriebs. Die Stahlbauteile für die Rheinbrücke waren in China hergestellt worden und wurden bereits in Leverkusen angeliefert.

Der gemeinsame Anspruch von Bund, Land und Straßen NRW sei es, eine qualitativ hochwertige und langlebige Brücke zu bauen, die Jahrzehnte halte. „Bei Qualität und Sicherheit der neuen Brücke dürfen keine Abstriche gemacht werden“, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst.

 „In den letzten Monaten sind viele intensive Gespräche geführt worden. Es konnte aber keine Einigkeit über den Umgang mit der Vielzahl der Mängel erzielt werden. Das zwingt uns dazu, einen neuen Partner zur Fertigstellung der Brücke zu finden“, erklärte Sascha Kaiser, Direktor beim Landesbetrieb Straßen NRW.

Nur die erneute Ausschreibung mit Neuherstellung der Bauteile schaffe „einen verlässlichen Zeitrahmen und eine normenkonforme sowie vertragsgerechte Qualität“. Eine Reparatur der Vielzahl der Mängel könne das nicht gewährleisten. Abstriche bei der Langlebigkeit und damit verbundene Kompensationsmaßnahmen, wie zum Beispiel verkürzte Prüfintervalle und permanente Überwachung - wie schon bei der alten Brücke - wären die Folgen. Zudem wäre völlig offen, zu welchen weiteren zusätzlichen Verzögerungen die Reparaturen, ihre Überprüfungen und Abnahmen führen würden. Mit der Kündigung werde ein langjähriger den Bauablauf störender Gutachterstreit vermieden.

Um schnellstmöglich den Weiterbau der Brücke zu gewährleisten, wird die Neuausschreibung nächste Woche bekannt gemacht. Mit Bonuszahlungen, Zwischenfristen und Vertragsstrafen soll ein zügiger Bauablauf gewährleistet werden. Straßen.NRW gibt die Fertigstellung der ersten neuen Brücke für September 2023 vor.

Die weiteren Arbeiten links- und rechtsrheinisch am Neubau der Leverkusener Brücke laufen nach Angaben des Baubetriebs wie geplant weiter. „Daneben werden auch die Brückenarbeiten im Autobahnkreuz Leverkusen-West und in der Anschlussstelle Köln-Niehl/Industriestraße unverändert fortgesetzt.“

„Die Sperrung für schwere LKW, das umfassende Monitoring und die laufenden Instandhaltungen stellen die weitere Nutzbarkeit der bestehenden Brücke sicher“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Die Maßnahmen werden aufrechterhalten und dafür sorgen, dass die Brücke den aktuellen Verkehr bis zu ihrem Abbruch tragen kann.“

Der Auftrag für die neue Rheinbrücke war 2017 vergeben worden. Der Auftragswert hatte ein Volumen von 363 Millionen Euro. Es werde sicher Mehrkosten geben, sagte Bernd Löchter. Sprecher von Straßen NRW, auf eine konkretere Summe will er sich aber nicht festlegen.

Das Unternehmen PORR weist die Vorwürfe des Landes entschieden zurück. „Gutachten renommierter Stahlbau-Experten und der Tüv Rheinland bestätigen, dass eine Beseitigung der festgestellten Fehlstellen unproblematisch vorgenommen werden kann.“ Eine Neuproduktion aller Stahlteile sei entsprechend der Gutachten nicht notwendig.