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A1 bei Leverkusen: Bau der Rheinbrücke über die Autobahn verzögert sich

Stahlbauteile beanstandet : Materialärger bei Bau der Rheinbrücke

Wegen mangelhafter Stahlbauteile könnte sich der Neubau verzögern. Baufirma beugt Vermutungen über Zeitverzögerung vor: Keine Neuanfertigungen, sondern nur Nachbesserung nötig. Stadtchef sauer auf Straßen NRW.

Für Leverkusen reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Nach der für die Stadt unglücklichen Entscheidung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zum Bau der nicht bewirtschafteten A 1-Raststätte in Lützenkirchen/Steinbüchel folgen nun Probleme beim Bau der A 1-Brücke, die die Fertigstellung um Jahre verzögern könnten. Erste Stützpfeiler stehen im Rhein, bisher kam der Bau gut voran. Medienberichten zufolge droht der Baustelle nun mitunter ein Stillstand. Der Grund sind offenbar mangelhaft verarbeitete Stahlteile einer österreichischen Baufirma, die zunächst nach Köln-Niehl verschifft wurden. Die Stahlteile sind vom Tüv beanstandet worden. Auch der Bauträger, die Autobahnbehörde  Straßen NRW, hat wohl Mängel festgestellt.

Die Stahlteile wurden aus China eingeführt. Das Bauunternehmen Porr teilte am Wochenende mit: „Der Tüv Rheinland hat die Überwachung der Produktion der Stahlteile in China im Auftrag von der Porr durchgeführt. Die festgestellten Mängel wurden noch im Werk beseitigt, so dass die Teile zum Transport nach Deutschland freigegeben wurden.“  Bei einer Untersuchung des Materials in Rotterdam seien weitere Fehler aufgetaucht. „Dabei handelt es sich um einzelne Poren in Schweißnähten und Schleifspuren an den Oberflächen, die bei Stahlarbeiten dieser Größenordnung zu erwarten sind und die routinemäßig behoben werden können“, meldet Unternehmenssprecherin Milena Ioveva. Porr wolle diese Arbeiten in Deutschland auf der Baustelle durchführen.

Die Stahlteile, an denen nun weitere Mängel festgestellt wurden, sind aus Rotterdam nach Köln-Niehl gebracht worden. Foto: Uwe Miserius

Richtig sei, dass Straßen NRW bisher die Neuherstellung der Stahlteile fordere und die Kündigung des Bauvertrags angedroht habe. Nicht nur nach Ansicht von Porr, sondern auch der vorliegenden Gutachten „renommierter Stahlbau-Experten“ sei eine Neuherstellung aber nicht notwendig. Die Sprecherin bemüht sich um Beruhigung der Lage: Porr sei zuversichtlich, „den aufgezeigten Zeitplan einhalten zu können und die erste Brücke Richtung Köln wie geplant fertigstellen zu können“, betont Ioveva. Und: „Für die aufwändigen Schadstoffsanierungen beim Abriss der alten Brücke hofft die Porr auf Zustimmung von Straßen NRW zu dem verbesserten Abbruchkonzept, das mindestens 18 Monate Zeit beim Abbruch einsparen wird.“

 Medienberichten zufolge hätte eine Kündigung des Vertrags mit Porr heftige Konsequenzen: Die Stahlbauteile müssten neu gefertigt werden. Dadurch könnte der Zeitplan des Brückenbaus erheblich durcheinander geraten, am Wochenende war die Rede von Jahren und Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe.

Das kann Straßen NRW-Sprecher Bernd Löchter nicht bestätigen: „Es gibt erhebliche Mängel bei den Stahlbauteilen“, sagt er. „Wir sind in intensiven Gesprächen mit der Stahlbaufirma Porr.“ Der zeitliche Umfang der Verzögerungen und die möglichen Mehrkosten seien derzeit aber noch nicht abzuschätzen. Der Tüv Rheinland informierte am Wochenende in einer Twitter-Meldung, dass er Mängel festgestellt habe, aber auch, „dass die Nachbesserung der Mängel möglich ist“. Andere Interpretationen der Tüv-Aussagen seien „nicht richtig“.

Harsche Kritik kommt von Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath, der sich übergangen fühlt. Er habe von den Problemen am Freitagabend aus Pressekreisen erfahren. „Es gab keine Kommunikation von Straßen NRW, die auf eine Problemlage dieser Größenordnung hingewiesen hat“, sagt Uwe Richrath unserer Redaktion. Erst nachdem die Nachricht bereits öffentlich geworden sei, sei er vom Baubetrieb telefonisch informiert worden.

„Ich erwarte, dass man solche Probleme offen anspricht, dafür gibt es einen Projektbeirat.“ Gerade unter den Vorzeichen großer wirtschaftlicher Folgen der Pandemie brauche Leverkusen eine verlässliche Infrastruktur. Richrath: „Wir müssen doch wissen, wann die Brücke fertig wird.“