Leverkusen: A 1: Ministerium bestätigt Stelzen-Ausbau

Leverkusen : A 1: Ministerium bestätigt Stelzen-Ausbau

Das NRW-Verkehrsministerium hat Überlegungen für den Bau einer größeren "Stelzenautobahn" zwischen dem Kreuz Leverkusen und der maroden A 1-Brücke eingeräumt. Konkretes gebe es aber noch nicht. Auch ein Tunnel ist möglich.

Für die Leverkusener CDU ist SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Ippolito eine Art Brandstifter. Was der führende Genosse da am vergangenen Freitag per Pressemitteilung losgetreten habe, sei nichts anderes als "Panikmache" kritisierte Thomas Eimermacher, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Leverkusener Stadtrat, gestern empört.

Ippolito hatte unter Berufung auf Düsseldorfer Ministeriumskreise von "einer bislang ungeahnt großen Brückenanlage" gesprochen, die auf die Anlieger in Küppersteg/Wiesdorf zukomme. Die neue Stelzenautobahn für die A 1 müsse 18 Meter breiter werden. In der "Ministerialbürokratie" werde daher "bereits über den Kauf von Flächen nachgedacht". Mit diesem Horrorszenario, kritisierte Eimermacher, versetze der Sozialdemokrat die Anwohner "völlig grundlos in Unruhe".

Zumindest in Teilen durfte sich Ippolito allerdings gestern bestätigt fühlen. Denn ein Sprecher von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) sagte auf Anfrage, es gebe in der Tat Überlegungen für den Bau einer größeren "Stelzenautobahn" zwischen dem Kreuz Leverkusen und der maroden A 1-Rheinbrücke. Mit acht Fahrspuren solle das Bauwerk ausgestattet werden. Damit würde die neue "Stelze" um einiges breiter als die bestehende unweit der BayArena.

Die ebenfalls von der SPD angeführten Befürchtungen, im Zuge der Baumaßnahme könne es zu Enteignungen kommen, wies der Ministeriumssprecher aber zurück, ebenso wie die Behauptung, die neue "Stelze" müsse 18 Meter breiter werden und in Düsseldorf denke man daher bereits über Kauf von Bauflächen nach.

"Ich weiß nicht, wo Herr Ippolito das erfahren haben will, bei uns jedenfalls nicht", versicherte der Sprecher. Details zu dem Vorhaben werde man in diesem Jahr voraussichtlich überhaupt nicht nennen können. Dazu seien die Planungen noch nicht weit genug fortgeschritten. Auch wenn es eine Rheinunterquerung aus Kostengründen nicht geben werde — "die Variante eines Tunnelbaus schließen wir keineswegs aus".

Der SPD-Fraktionschef ruderte dennoch nicht zurück: "Wo bitteschön soll der Platz für eine Stelzen-Erweiterung plus Einrichtung der Baustelle denn herkommen?", fragte er rhetorisch. Da bleibe doch nur Flächenerwerb. "Ich glaube nicht, dass die Bewohner der Marienburger Straße widerstandslos ihre Häuser räumen", sagte Ippolito. "Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass Bayer 04 Interesse haben wird, das Stadion abreißen zu lassen." Das aber bedeute Enteignungsverfahren, "deren Ende irgendwo kurz vorm Sankt Nimmerleinstag liegen" dürften. Bei den Anwohnern löste Ippolitos Szenario Entsetzen aus (Artikel unten). Bayer 04-Pressechef Meinolf Sprink blieb dagegen gelassen und wies die Vorstellung, die Abrissbirne stehe quasi schon vor dem Stadion, von sich: "Wir werden uns in dem Moment äußern, in dem konkrete Pläne auf dem Tisch liegen", sagte Sprink. An Kaffeesatzlesereien welcher Art auch immer beteilige man sich nicht.

Eines haben die Genossen mit ihrer umstrittenen Aktion immerhin erreicht — maximale Aufmerksamkeit. War das vielleicht von Anfang an das Ziel? Ippolito antwortet spontan: Dass er derart viel Resonanz bekommen würde, hätte er nicht erwartet — "aber immerhin wissen wir jetzt auch, dass eine Tunnellösung, die ja auch die CDU will, noch nicht vom Tisch ist." Für die könne sich Thomas Eimermacher dann ja "gemeinsam mit uns stark machen".

(RP/anch)