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69-Jähriger wegen Besitz von Kinderpornographie vor dem Amtsgericht Leverkusen.

Amtsgericht : Kinderpornographische Bilder vom Rechner gelöscht

Auf dem Computer eines Mannes finden Beamte der Polizei bei einer Durchsuchung seiner Wohnung zwei Bilddateien mit kinder- und zwölf Dateien mit jugendpornografischem Inhalt. Der 69-Jährige bestreitet, die Bilder besessen zu haben.

Das sagte der Rentner jetzt vor dem Amtsgericht aus.

Die Dateien hatte die Polizei am 19. April des vergangenen Jahres auf einem alten Rechner des Angeklagten gefunden. Bei einem Großteil der darauf abgelichteten Personen soll es sich laut Anklageschrift um 14- bis 17-jährige junge Frauen handeln. Gegen Ende der Verlesung durch die Staatsanwaltschaft schüttelte der Beschuldigte den Kopf.

Die Verteidigung führte daraufhin aus, bei den Dateien habe es sich um bereits gelöschte Daten gehandelt. Das ergebe sich aus der Akte. Dort ist niedergeschrieben, dass die Bilder auf der Festplatte in allen Fällen nicht existent und der Dateipfad nicht aufzufinden war. Ein phorensisches Computerprogramm war in der Lage, die gelöschten Daten wiederherzustellen.

Für die Verteidigung des angeklagten Mannes ein klarer Fall. Habe der Bundesgerichtshof doch vor gar nicht allzu langer Zeit ein wegweisendes Urteil in einer solchen Angelegenheit gesprochen. Dieses besage, in derartigen Fällen fehle „der Wille zum Besitz“. Minuten verbrachte der Rechtsbeistand damit, gegenüber dem Gericht zu betonen, es habe sich um gelöschtes Material gehandelt.

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Zudem sei der PC, auf dem sich die Bilder befanden, ein sehr altes Modell. „Das wirft die Frage auf: Wann sind die Bilder gelöscht worden?“, warf er in den Saal. Diese Frage traf dann auch den Nerv von Staatsanwaltschaft und Gericht. In der Tat sollte sich diese Frage als der Knackpunkt in dem Verfahren am Montag herausstellen.

Das Gericht erwägte sodann, einen Sachverständigen zu beauftragen, der feststellen könne, wann genau die Daten gelöscht worden waren. Die Verteidigung sah den Aufwand als zu hoch an. Denn schließlich handele es sich bei dem gefunden Material „nur“ um 14 Bilddateien „von anno dazumal“. Diese Einschätzung teilten wiederum Gericht und Staatsanwaltschaft nicht. Eine Einstellung und das Abstreiten der Tat gingen rechtlich ohnehin nicht zusammen.

Für eine Verurteilung reiche der derzeitige Kenntnisstand allerdings nicht aus, argumentierte die Gegenseite. „Für eine Einstellung ist die Sache aber nicht ausermittelt genug“, bekundete die zuständige Richterin – und verkündete, der Fall müsse weiter untersucht werden. Die Verhandlung wird in einigen Monaten fortgesetzt.