Leverkusen: 60.000 Stolpersteine sind das Mahnmal

Leverkusen: 60.000 Stolpersteine sind das Mahnmal

Für ihn sei es immer noch eine große Erschütterung, jedes Mal, wenn er Buchstabe für Buchstabe einzeln einschlage, sagt der Künstler Günter Demnig. Körperlich sowieso, weil er dabei ordentlich mit dem Hammer ausholt, aber es schwingt genauso die seelische Erschütterung mit über ein Menschenschicksal. Seit er Anfang der 90er Jahre die Idee der "Stolpersteine" entwickelte, ist sein Name für die Öffentlichkeit ein Begriff. Das Projekt ist mit mehr als 60.000 verlegten Steinen in rund 1100 deutschen Städten und Orten in 20 Ländern zum größten dezentralen Mahnmal gewachsen. Auch in Leverkusen hat Demnig 32 Stolpersteine in Fußwege eingelassen.

Sie erinnern an Menschen, die von den Nazis verfolgt, deportiert und ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Die Steine liegen vor dem Haus, in dem die Opfer zuletzt gewohnt haben. Am Freitag, dem Holocaust-Gedenktag, 72 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wurde im Forum Seitenfoyer eine Ausstellung über die "Stolpersteine" eröffnet. Wie jedes Jahr zu diesem Anlass hat die Volkshochschule eine Dokumentation ins Haus geholt und die Eröffnung mit einer kleinen Feierstunde begangen. Für den passenden musikalischen Rahmen sorgte Musikschulleiter Jürgen Ohrem mit seiner Klezmer-Gruppe.

Oberbürgermeister Uwe Richrath betonte: "Ich finde es wichtig, dass sich ganz junge Leute mit diesem Thema immer wieder beschäftigen." Und genau das ist auch Demnigs Ansatz. Man kann bei ihm nicht einfach Gedenksteine für Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Erbkranke oder Kommunisten bestellen, die von den Nazis ermordet wurden. Er erwartet, dass man sich zunächst mit deren Biografie beschäftigt hat, die Finanzierung sicherstellt und beim Akt des Verlegens anpackt. Das haben beispielsweise Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums vor sechs Jahren in der Kölner Straße getan. Schüler des Landrat-Lucas-Gymnasiums haben inzwischen die Patenschaft über diese Stolpersteine übernommen. Am Freitagvormittag waren sie in die Knie gegangen und reinigten die Messingplatten.

In Leverkusen liegen die meisten Stolpersteine in Opladen und Wiesdorf, außerdem in Quettingen und Hitdorf, einzelne in Schlebusch und Bergisch Neukirchen. Zu fünf dieser Einzelpersonen und Familien ist im Forum eine kleine Biografie zu lesen. Gabriele John, Leiterin des Stadtarchivs, hat der Wanderausstellung des NS-Dokumentationszentrums einige Tafeln hinzugefügt und damit die lokale Verortung geschaffen. Die eigentliche Schau ist vor zehn Jahren zum 60. Geburtstag von Günter Demnig entstanden, erklärte Dr. Karola Fings (EL-DE-Haus Köln) in ihrer kleinen Einführung. Die Ausstellung informiert über die Opfer der Nazi-Herrschaft und über die Geschichte der Stolpersteine, von denen ständig neue in Arbeit sind. Bis Mitte des Jahres ist der Künstler bereits ausgebucht.

  • Oberkassel : Schüler putzen Stolpersteine

Ergänzt wird die Schau durch eine Filmreihe im Kommunalen Kino der VHS im Forum. Am 8. Februar läuft "Das Tagebuch der Anne Frank" und am 15. Februar "Son of Saul". Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt fünf Euro.

Öffnungszeiten der Ausstellung (bis 20. Februar) Galerie im Forum: Mo bis Fr von 9 bis 20 Uhr.

(mkl)
Mehr von RP ONLINE