Leverkusen: 600 Jahre Schützen Schlebusch

Leverkusen : 600 Jahre Schützen Schlebusch

Schlebusch anno domini 1418 - etliche Männer schließen sich zusammenzum Schutz ihrer Heimat vor Wegelagerern, üben sich im Umgang mitWaffen und treffen sich zu Geselligkeiten. Die Geburtsstunde der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft liegt im tiefen Mittelalter. Das älteste erhaltene Zeugnis ist eine Plakette aus dem Jahr 1518.

Eine unglaubliche Vorstellung: Als sich 1418 die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Schlebusch gründete, hatte weder Johannes Gutenberg den Buchdruck noch Christoph Kolumbus Amerika entdeckt. Kein Wunder also, dass ganz Schlebusch Kopf steht, wenn der älteste Verein der Stadt vom 31. Mai bis 4. Juni sein 600. Jubiläum feiert.

Schützenkönig 1928 war Ludwig Lorenz, hier mit der Bruderschaft vor St. Andreas. Foto: Uwe Miserius, Foto: Freeimages

Die eigentlichen Wurzeln der Schützengilden und Bruderschaften reichen zurück bis ins Mittelalter, schreibt Ehrenbrudermeister Kurt Saal in seinem Beitrag zum Festheft. "In unserer Region kann man davon ausgehen, dass die bergischen Bauern und Handwerker im Jahr 1288, als sie von ihrem Landesherrn Graf Adolf zur Schlacht bei Worringen aufgeboten wurden, zu den ersten Schützen zählten", notiert Saal, der mit Bruder Willi und Karl-Heinz Wolf zu den ersten Männern gehörte, die 1953 die Jungschützen-Abteilung gründeten. Später war er Schützenkönig 1964 und 1985 und Kaiser des Jahres 2000. Für den Bericht recherchierte der 77-Jährige unter anderem in seinem 100 Aktenordner umfassenden Privatarchiv. Es enthält auch das Festheft zum 510-jährigen Bestehen, nachdem die 500-Jahr-Feier wegen des Ersten Weltkrieges ausfallen musste. Im Zweiten Weltkrieg war der Verein gar komplett verboten, nachdem sich Mitglieder weigerten, dem Regime zu unterstehen. Peter Arenz, Schützenkönig 1939, rettete seine Kette nur vor den Nazis, weil er sie in einer mit Zinkblech ausgelegten Kiste im Garten vergrub.

Im Garten von Haus Gezelin feierten die Schützen Feste und nutzten das Areal auch fürs Königsschießen. Foto: Miserius Uwe

Die Vereinigungen, die sich ursprünglich zum Schutz ihrer Heimat vor Wegelagerern zusammenschlossen, bildeten nicht nur im Umgang mit Waffen aus, sondern trafen sich auch zu Geselligkeiten. Als sie sich später mit den schon bestehenden Bruderschaften verbündeten, übernahmen sie soziale und kirchliche Aufgaben und stellten sich unter den Schutz eines Heiligen. Der heilige Sebastian wurde gewählt, weil sich die Pest, Schwarzer Tod genannt, im 14. und 15. Jahrhundert im Rheinland verbreitete. Auch Schlebusch blieb nicht verschont.

Foto: Miserius Uwe

Aber Schützen kümmerten sich um kranke Menschen und errichteten ein sogenanntes Pestkreuz, an dem sie für die Kranken beteten. Bis heute steht dieses Kreuz an der Opladener Straße am Eingang zum Kühnsbusch. Und noch immer werden kirchliche Aufgaben groß geschrieben. So richtet der Verein alljährlich die Gezelinfestwoche - diesmal vom 3. bis 10. Juni - zu Ehren des "Seligen Gezelinus" aus. Der Schrein mit den Gebeinen wird in feierlicher Prozession von der Pfarrkirche zum Waldaltar getragen und den Gläubigen zum Gebet aufgestellt. Als Zeichen der Verbundenheit mit Gezelinus ist die Kapelle übrigens auf der Fahne abgebildet und jedes Mitglied trägt ein entsprechendes Ärmelabzeichen auf seiner Tracht.

Zusätzlich zum Jubiläumsjahr erhält das Fest durch das Bezirksbundesfest des Bezirksverbands Rhein-Wupper-Leverkusen im Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften einen besonderen Glanz, es wird alle drei Jahre ausgerichtet. Ohnehin ist die Geschichte der aktuell 120 Mitglieder zählenden Bruderschaft untrennbar mit der des Bezirksverbandes verbunden. Denn Schlebusch gehörte zu den Bruderschaften, die 1925 den Bezirksverband gründeten. Wilhelm Marx war erster Bezirksbundesmeister, der auch bei Gründung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften eine wichtige Rolle spielte.

Freud und Leid kennzeichnen stets eine solch lange Geschichte. Freude herrschte besonders, als 2000 der erste Spatenstich zur Errichtung eines eigenen Vereinheims in der Opladener Straße 112b erfolgte. Aber Trauer war angebracht, als sich nach dem Festzug 2012 ein nicht geplanter Böllerschuss löste und ein Schütze schwere Verletzungen erlitt. Seit diesem Unfall ist das Böllern in der Bruderschaft abgeschafft. Nachzulesen ist das alles und mehr über 600 Jahre Schützengeschichte entweder im Festheft oder in einer Schau, die am 13./14. Oktober im Vereinshaus geöffnet ist.

(gkf)