Leverkusen: 5000 Lachse für die Wupper

Leverkusen: 5000 Lachse für die Wupper

Der Lachs wird auch im Bergischen allmählich wieder heimisch. Auch dank Hilfe der Angelsportvereine. An der Wupper im Grenzgebiet zwischen Leichlingen und Solingen wurden gestern 5000 Junglachse auf die Reise geschickt.

Leichlingen/Solingen In der unscheinbaren weißen Plastik-Wanne, die Helmut Wuttke in Händen hält, herrscht ein unaufhörliches Gewimmel. Immer wieder spritzt Wasser über den Rand, während der Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Wanderfischprogramm vorsichtig in die Wupper steigt. Langsam senkt Wuttke die Wanne ab, solange, bis der erste Junglachs über die Kante springt und in die Freiheit schwimmt. Im Nu folgen ihm die anderen nach.

Rund 5000 Lachse sind es, die an diesem Morgen in Höhe Wupperhof in den Fluss ausgesetzt werden – jüngstes Kapitel einer Erfolgsgeschichte: Denn die Auswilderung ist Teil eines großen Programms zur Ansiedlung des Lachses, das in den 80er Jahren begann und mittlerweile hervorragende Ergebnisse vorweisen kann.

Wichtigster Fang der Fischer

Jahrtausendelang schwammen im Rhein mehr Lachse als in jedem anderen Fluss Europas; auch in der Wupper waren sie in hoher Zahl vertreten. Für die Fischer waren sie der wichtigste Fang. Jetzt sorgen ausgerechnet Angler dafür, dass der im 20. Jahrhundert durch die Industrialisierung vertriebene Fisch im Bergischen wieder eine Heimat findet, nachdem die Gewässerqualität in den vergangenen Jahren wieder deutlich besser geworden ist.

Dr. Hermann Neumaier von der Fischereigenossenschaft Untere Wupper kann zwar keine genauen Zahlen nennen, verkündet aber stolz: "Der Lachs kommt wieder." Schon heute könnten Naturfreunde das alljährliche Schauspiel beobachten, wenn die als Jungtiere die europäischen Flüsse bis in den Nordatlantik hinunterwandernden Fische zum Laichen wieder in ihre Ursprungsgewässer zurückkehren – und dabei so manches Hindernis springend überwinden. Auch das Wehr am Wipperkotten in Leichlingen meistern die kräftigen Tiere.

Doch ein wenig weiter, in Höhe Auerkotten, war für die Lachse bisher stets Schluss. "Da gab es kein Durchkommen", sagt Neumaier. Aber auch das wird sich ändern. "In etwa drei Wochen sind wir hier mit den Arbeiten zu unserer Lachstreppe fertig", verkündet Peter Jacobs. Er ist für die Fischerei- und Gewässeraufsicht beim Sportanglerverein Bayer Leverkusen zuständig. Und er freut sich, dass er die laichwilligen Lachse künftig nicht mehr per Elektrofischfang eingesammelt und von Hand auf die höhere Flussebene befördert werden müssen. "Künftig können die Lachse wieder springen, wie es ihrem natürlichen Verhalten entspricht", sagt er.

Dank ehrgeiziger Projekte, wie der Lachstreppe, der stetigen Verbesserung von Wasserqualität und Laichplätzen und der so genannten Besatz-Maßnahmen (Ausbringen von Junglachsen), steigt die Zahl der erwachsenen Tiere, die aus dem Meer in Rhein und Wupper zurückkehren, seit Jahren kontinuierlich an. Stabil ist die Lachspopulation deshalb aber noch nicht. "Wir werden wohl noch einige Jahre lang den Besatz mit Jungtieren fortführen müssen", glaubt Dr. Hermann Neumaier.

Hohe Strafen für Lachs-Wilderer

Bis Angler Lachse wieder legal aus der Wupper fischen dürfen, wird es noch viel länger dauern. "Das werde ich wohl nicht mehr erleben", sagt Neumaier. Wilderer warnt er jedoch ausdrücklich: Wird ein Täter an der Angelrute erwischt, drohen ihm Bußgelder bis zu 5000 Euro. Eine besondere Schonzone richtet der Regierungspräsident Köln jetzt für die Wuppermündung in Leverkusen-Rheindorf ein. Dort darf gar nicht mehr geangelt werden. Alles zum Schutz der Lachse.

Die Aktion gestern an der Wupper war ein Erfolg. "Die Tiere sind sofort in die Strömung geschwommen, das heißt, sie fühlen sich wohl", erläutert Helmut Wuttke. Einen Nachzügler gab es dennoch: Als Wuttke und seine Mitstreiter den leeren Lachs-Bottich noch einmal kontrollierten, stellten sie fest, dass sie ein Jungtier vergessen hatten. Das wurde dann per Einzelbetreuung auf die Reise geschickt.

(RP)