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5000 Kinder in Leverkusen leben in Armut

Helfer-Netzwerk macht in Leverkusener City aufmerksam : 5000 Kinder in der Stadt leben in Armut

Das „Netzwerk Kinderarmut“ präsentiert seine Arbeit in der Rathaus-Galerie, um die Öffentlichkeit für das Thema verstärkt zu sensibilisieren. Ziel der Akteure: Vor allem Eltern betroffener Kinder besser zu erreichen.

Die Zahl ist gewaltig und beeindruckend im negativen Sinne: 5000 Leverkusener Kinder leben in Armut. Damit liegt die Stadt über dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Diese Kinder sind stark benachteiligt und haben deutlich schlechtere Chancen im Leben. Meist fehlt es ihnen an gesunder Ernährung, Sozialkontakten oder Teilhabe an Freizeit- und Ferienangeboten. Corona hat diese Situation weiter verschlimmert, sagt Projektleiter Reiner Hilken. „Zurückgelassene Kinder sind noch weiter in den Hintergrund gerückt“, beschrieb er jetzt. Sollte ein weiterer Lockdown beschlossen werden, entstehe ein Schaden, der nicht mehr zu bemessen wäre.

Mit einer Aktion in der Rathaus-Galerie hatte der Verein „Netzwerk Kinderarmut“ am Samstag die Problematik verdeutlicht, ehe das Thema in einer Diskussion mit Vertretern von Wirtschaft, Politik und Verwaltung tiefer beleuchtet wurde. Zum Glück, darin waren sich alle Akteure einig, habe Leverkusen, ein gut funktionierendes Netzwerk. Angela Hillen, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder und Jugend, sagte zum Beispiel: „Dass Akteure in Leverkusen gut vernetzt zusammenarbeiten, ist ein großes Pfund.“ Das alleine reiche aber nicht, es brauche mehr. Vor allem sei dringend mehr Akzeptanz und Sensibilisierung innerhalb der Öffentlichkeit nötig. Denn dort sei das Thema immer noch nicht angekommen.

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Aber auch politische Kräfte seien gefordert, die Ursachen von Armut zu bekämpfen. Schließlich liege die Ursache für Kinderarmut meistens bei den Eltern. „Es ist wichtig, wirtschaftlich stabile Lebensverhältnisse für Familien zu schaffen, die in Armut leben“, unterstrich Oberbürgermeister Uwe Richrath in seinem Statement. Eine schnelle Lösung könne es nicht geben, mahnte Thomas Schorn, Leiter des Jobservice Leverkusen, sondern es seien dicke Bretter zu bohren. Seiner Meinung nach sollten Eltern „über Beschäftigungsangebote eingebunden werden, um Einkommen zu erzielen“. Darüber hinaus bräuchten sie feste Strukturen. Schorn: „In vielen Familien wird nicht mehr gekocht. Auch das gemeinsame Essen ist längst nicht mehr üblich.“

Was Kinder außer Nahrung und einem Dach über dem Kopf noch bräuchten, seien Liebe, Wärme und jemand, der ihnen zuhöre, so Hilken. Das stehe in keinem Konzept, sei aber elementar. Für Ersatz sorge deshalb die Stadtgesellschaft. „Eine Stadt Leverkusen muss den Menschen diese Wertschätzung entgegenbringen“, meldete sich Richrath erneut zu Wort, ehe Rudolf Müller, ehemaliger Vorsitzender des Kinder- und Jugendhilfeausschusses, Sprachbarrieren als weitere Ursache bezeichnete. Kinder würden gezielt in einzelnen Kitas und Schulen gefördert, hielt Schuldezernent Marc Adomat entgegen. Aber Eltern müssten die entsprechenden Angebote auch annehmen. „Es geht nicht nur darum mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Sondern ein Schlüsselfaktor sind immer die Eltern“, verdeutlichte Hillen. Diese zu erreichen sei sehr schwierig. „Eltern kommen nicht von selbst, sondern wir müssen aktiv auf sie zu gehen.“

Der Oberbürgermeister sagte im Hinblick auf die Agenda 2030: „Wenn wir in dieser Diskussion mit starken Partnern weiter zusammenarbeiten, werden wir das schaffen.“