Leverkusen: 4780 Leverkusener brauchen zwei Jobs zum Leben

Leverkusen : 4780 Leverkusener brauchen zwei Jobs zum Leben

Nach der Arbeit ist vor der nächsten Arbeit – für mehr als 4780 Leverkusener gehört dies offenbar zum Alltag. Dies berichten die Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Nach der Arbeit ist vor der nächsten Arbeit — für mehr als 4780 Leverkusener gehört dies offenbar zum Alltag. Dies berichten die Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Ihren Angaben zufolge waren so viele Personen in der Stadt 2012 auf mehr als eine Beschäftigung angewiesen, weil ihr Einkommen aus einem Job nicht ausgereicht habe für den Lebensunterhalt. Dies habe das Pestel-Institut in Hannover herausgefunden, das sich auf Geheiß der Gewerkschaften des Themas in einer Untersuchung angenommen hat. Dramatischer als die absolute Zahl dieser "Multi-Jobber" sei der stark ansteigende Trend. "Blickt man zehn Jahre zurück, so hat es eine Zunahme von rund 131 Prozent gegeben", sagt der Leiter der Studie Matthias Günther.

Im vorigen Jahr hätten sich zudem sieben Prozent aller Beschäftigten in Leverkusen per 400-Euro-Job etwas dazuverdient. Dass die Betroffenen einer Zweitbeschäftigung nachgehen, habe nicht damit zu tun, dass sie ein womöglich gutes Einkommen weiter aufstocken wollen, sondern ist für Verdi zwangsläufig wirtschaftlicher Not geschuldet. "Aus der puren Lust an einer 55- oder 60-Stunden-Woche macht das jedenfalls keiner", bekräftigt Jürgen Krause, Geschäftsführer des Bezirks Rhein-Wupper.

Neben verlässlich steigenden Kosten für die Lebensunterhaltung (insbesondere im Bereich Wohnen inklusive Heiz- und Nebenkosten) sehen beide Gewerkschaften in Niedriglöhnen die Ursache für den Anstieg der Multi-Jobber. Verdi und NGG fordern daher einen Mindestlohn von 8,50 Euro. Dies sei die absolute Untergrenze, da sie nur "haarscharf über dem Hartz-IV-Niveau" liege, sagt NGG-Vertreter Ernst Busch.

  • Meerbusch : NGG-Wettbewerb "Gelbe Hand"
  • Rhein-Kreis Neuss : NGG warnt vor Jobabbau durch Digitalisierung
  • Kreis Kleve : NGG empfiehlt Urlaubsgeld-Check

Er und Krause fordern daher knapp ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl von CDU/DSU und FDP eine rasche Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, der bundesweit verpflichtend ist, damit keine "Deutschlandkarte mit Dumpinglohn-Löchern" entstehe, in die hinein "von skrupellosen Unternehmen die Aufträge vergeben" würden. Die Gewerkschaften rufen darüber hinaus Beschäftigte auf, die in Leverkusen zu Niedriglöhnen arbeiten, diese auf der Internetseite www.dumpinglohnmelder.de zu melden.

Die Zahl der Multi-Jobber in Leverkusen liegt laut den Untersuchungen im übrigen auf ähnlichem Niveau wie in Krefeld. Dort hatte das Pestel-Institut 7000 Personen mit mehr als einer Beschäftigung ausgemacht. Gemessen an den Einwohnerzahlen ergibt sich daraus für beide Städte ein fast identischer Anteil an Multi-Jobbern.

(zill)
Mehr von RP ONLINE