40 Jahre Grüne in Leverkusen

40 Jahre Grüne in Leverkusen : Bissige Gratulation für die Grünen

Klaus Wolf hält den Grünen zum 40-jährigen Bestehen den Spiegel vor – und spart nicht an Seitenhieben.

Was haben sich die Grünen Leverkusen nur dabei gedacht, ausgerechnet Klaus Wolf als Festredner für ihre 40. Geburtstagsfeier einzuladen? Der erste grüne Bürgermeister hält die ultimative Lobhudelei auf die von ihm 1979 mitbegründete lokale (Umwelt-)Partei? Und dann noch am Halloween-Abend in den alten Gemäuern der Schlebuscher Sensenfabrik? Der alte weiße Mann Wolf (70) tritt vor eine sich ewig jung fühlende Partei, die gerade vom Hype um Greta auf Wolke sieben schwebt. Tatsächlich haben es das Grünen-Vorstandsduo Anja Boenke und Christoph Kühl samt Vorstandskollegen richtig getroffen: Der manchmal grantelnde, oftmals kritische, aber auch humorvolle, vor allem politisch sehr engagierte Kunstlehrer malte die 40 Jahre Leverkusener Grünen mit harten Konturen aufs Jubiläumsbild.

Ja, es gab zufriedenes Lob für das anfangs schwierige Aufmischen der alten Parteistrukturen von CDU, SPD und FDP im Leverkusener Stadtrat. Mit dabei waren vor 40 Jahren „der Lutz Diese, der Wilfried Schmickler, der Peter Ippolito, der Gerd Wölwer, der Michael Jansen, die Roswitha Arnold, die Marita Schmitz. Und dann noch, herzallerliebst, die Brigitte von Bonin“, erinnerte Wolf. An dieser Stelle wird der Vorstand dann doch angespannt zugehört haben. Der Festredner plauderte aus, dass es seine Rede eigentlich gar nicht geben sollte. Weil die Grünen-Spitze gar kein Fest zum 40-Jährigen vorgesehen hatte. Eine Rückschau auf Erreichtes? „Ohne uns!“war anfangs das Motto in der Parteizentrale „Treibhaus“. Unser Blick geht nach vorne, musste sich Wolf sagen lassen. „Hallo, so hatten wir uns das natürlich nicht gedacht. Was für eine geschichtsvergessene Bande“, mäkelte Wolf. Na, wie wir wissen, kam es anders.

Klaus Wolf bei einer Ratssitzung. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Der Politiker, der Verwaltungspläne meist sehr kritisch auf Vermeidbares durchleuchtete und auch schon mal mit einem Hammer die Standfestigkeit angeblich total verrosteter Ampelmasten testete, sparte in seiner Rede die Aneinanderreihung von historischen Fakten aus. Ein paar Anekdoten brachte er doch als Schmunzelfaktor für die Zuhörer. Nach dem ersten Einzug in den Stadtrat ließ, so Wolf, Brigitte von Bonin „vor laufenden Kameras vor dem Rathaus Zelte aufschlagen, weil die Stadtverwaltung der neuen Fraktion die Büroräume verweigerte. Dieser Performance war auch ein Oberstadtdirektor Bruno Krupp nicht gewachsen“, sagte Wolf.

Mit Vergnügen erzählte er auch, wie er „die Hasenbande“ von CDU, SPD und FDP das Fürchten lehrte, als es um den städtischen Jahresfinanzplan ging. Statt, wie üblich, nach zwei Stunden alles erledigt zu haben und zum Cognac und Buffet zu marschieren, dauerten wegen der Grünen die Beratungen über die Geldpläne zwei Tage – ohne Schnittchen, weil unzulässig.

Die Jahrzehnte meisterte Wolf im Zeitraffertempo. Führte die Stichworte „Sanierung Dhünnaue“, den emotionsgeladenen Streit um die Gesamtschule, um die Bebauung von Meckhofen und „Bullenwiese“ (nahe Willy-Brandt-Ring) an. Das – aus Wolfs Sicht - „Debakel“ um den Supermarkt in Bergisch Neukirchen und die schlechte Positionierung zum Projekt „Autobahn-Brückenneubau“ tauchten natürlich in der Rede auf.

Wolf markierte mit seinem Bericht selbstbewusst die positiven Erfolge, haute seinen Parteifreunden aber auch Fehler, etwa die jüngsten Beschlüsse, um die Ohren: die Aufregung um die Aufnahmeanträge von unbequemen Leverkusener Bürgern wie von Bonin oder Martina Frimmersdorf. „Mit … Demut auf allen Seiten, weniger Eitelkeit und Selbstdarstellung wäre es bei unserer Historie sicher möglich gewesen, diese fruchtlose Debatte der letzten 14 Tage zu vermeiden.“

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