Leverkusen: 30 Gläubige "pilgern" für Gezelinus

Leverkusen: 30 Gläubige "pilgern" für Gezelinus

Der Selige wird in Schlebusch und Umgebung seit 500 Jahren verehrt. Die Prozession war so nicht geplant.

Kirchenmusik musste am Freitagabend gegen Techno standhalten. Als die Prozession mit rund 30 Leuten am Brunnenplatz in Schlebusch ankam, saßen dort lärmende und trinkende Jugendliche. Doch die Mitwirkenden der dritten Vigilfeier für Jugendliche und Erwachsene ließen sich nicht beirren. Sie beteten, angeleitet von Pastoralreferent Alexander Linke, und lasen ihre Texte aus dem Evangelium, während Chöre aus St. Andreas und St. Johannes unter Leitung von Brigitte und Martin Sanders die Zeremonie musikalisch gestalteten.

Die Vigil (Latein: Nachtwache) bildete den Abschluss der Gezelinoktav. "Sonst ist das Angebot immer gut besucht", sagte Diakon Hans-Jörg Ganslmeier. "Aber die Konkurrenz in der Stadt ist diesmal zu groß." Eigentlich war dieser Umzug so auch gar nicht geplant. Bislang wurde der Schrein mit den Gebeinen des Seligen Gezelinus in einer Lichterprozession auf direktem Weg von der Gezelinkapelle zur Pfarrkirche St. Andreas zurückgebracht. In der Vorwoche war er zum Waldaltar getragen und den Gläubigen zum Gebet aufgestellt worden. Wegen des Wetters fiel dieser Rückweg nun aber aus. Also versammelten sich die Gläubigen erst um das Weihwasserbecken in der Taufkapelle. Dort ging es, angelehnt an die bekannteste Gnadengabe, die Gezelinus von Gott erflehte, um das Thema Wasser. Die Legende besagt, Gezelinus der Mönch sprach ein Gebet und stieß kräftig seinen Hirtenstab in den Boden. Sofort brach eine Quelle auf und frisches Wasser sprudelte als Labsal für durstende Menschen und Tiere.

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Nach dem Gebet entzündeten die Gottesdienstbesucher zuvor verteilte Pilgerkerzen an der Osterkerze. Von dort aus ging es zu weiteren Stationen am Brunnenplatz und am Altenheim St. Elisabeth, ehe in der Kirche die letzte Station war. Alle Stopps waren im Andenken an den Seligen Gezelinus, der in Schlebusch und Umgebung seit mehr als 500 Jahren verehrt wird, mit Bedacht gewählt worden. Weil er als Pilger galt, "pilgerten" die Teilnehmer durch die Fußgängerzone. Weil Gezelinus obendrein auch als guter Hirte dargestellt wird, besuchte man das Altenheim. Anstelle des schweren Schreins wurde aber lediglich ein Gefäß mit den Reliquien getragen. Ohnehin war der Schrein statt mit feierlicher Prozession schon am Nachmittag und ganz unspektakulär mit dem Auto zurück in die Kirche und dort an seinen angestammten Platz links vom Altar gestellt worden.

(gkf)
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