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Leverkusen: 25 Tonnen Brücke schwebten an ihren Platz

Leverkusen : 25 Tonnen Brücke schwebten an ihren Platz

Um 7.42 Uhr war es am Montag geschafft: Das erste Teil der "Campusbrücke" lag sicher auf den beiden "Lasttürmen". 25 Tonnen Corten-Stahl überspannen jetzt auf 25 Metern die Opladener Gütergleisstrecke. Ab Mai sollen Fußgänger und Radfahrer die Brücke zwischen Bahnallee (ab Hochhaus) und Werkstättenstraße (Höhe alter Pförtner Bahnstadt) benutzen können. Rund 1,4 Millionen Euro kostet die gesamte Verbindung zwischen Opladen-Mitte und den ehemaligen Bahn-Werkstätten, auf dessen Gelände bald die Filiale der Fachhochschule Köln gebaut wird.

In den nächsten Wochen folgt auf dem Parkplatz Bahnallee die Installation der Treppen und Rampenanlage. Die acht Meter Höhenunterschied werden zunächst mit einer Gerüstanlage überwunden. Für Radfahrer, Kinderwagen schiebende Väter oder Mütter und Rollstuhlfahrer gibt es eine fast 50 Meter lange, spindelförmige Rampe, wer will kann aber auch die kürzere Treppe in der Mitte der Rampenanlage benutzen.

Warum gibt es nur eine Gerüstkonstruktion? Der gestern montierte Teil der Brücke soll nur drei bis vier Jahre an dieser Stelle stehen. Ist die Gütergleisstrecke erst einmal an die Personenzugstrecke verlegt, wird die Brücke rund zehn Meter zur Seite versetzt und auf fünf Meter abgesenkt. Dann ist auch die letzte Betonstütze (Widerlager) fertig, die im Bereich der heutigen Güterstrecke stehen wird. Um den Bau dieses Widerlagers nicht zu behindern, wurde die provisorische Brückenkonstruktion gewählt. Für die Bewohner der Neuen Bahnstadt und die Studenten soll es eben schnell einen kurzen Weg ins Opladener Zentrum geben. Auch die Quettinger werden die neue Verbindung zu schätzen wissen, die Besucher des Sängerheimes ebenso.

Das gestrige Einschweben der Stahlbrücke wurde von Bahnstadt-Geschäftsführerin Vera Rottes genau beobachtet, bei eisiger Kälte und blauem Himmel. Vom Hochhaus besahen sich einige wenige Hausbewohner den Brückenschlag, ansonsten waren die Profis unter sich.

Pünktlich um sieben Uhr war der Strom der Bahn-Oberleitungen abgeschaltet. Wenig später zog der Kranführer den Stahlkoloss vom Spezial-Lastwagen und senkte ihn millimetergenau auf die blauen Lasttürme ab. Alles verlief in großer Ruhe und ohne Zwischenfälle. Für den städtischen Brückenexperten Ulrich van Aken gingen gestern anstrengende Tage zu Ende. Der Brückenhersteller war leicht in Zeitnot geraten und hatte das Teil nicht komplett produzieren können. Der Belag und die Handläufe müssen jetzt vor Ort angebracht werden. Länger warten auf die Brückenlieferung konnte van Aken nicht, er musste den fürs Wochenende angesetzten Montagetermin einhalten. Sperrungen von Bahnstrecken müssen rund ein Jahr vorher beantragt werden. Mal eben eine Woche verschieben ist nicht drin.

Zwei Überraschungen galt es am Wochenende noch zu managen. Aus Sicherheitsgründen musste die Brückenmontage von Sonntag auf Montag verschoben werden. Das Setzen eines Tragturmes hatte sich wegen Bahnauflagen verzögert. Und dann steckte der Teufel im Detail: Es fehlten an der neuen Brücke die Warnhinweise auf die Hochspannungsleitungen, hatte ein Prüfingenieur bemängelt. Das hatten die Planer glatt vergessen. Am Sonntag organisierte van Aken deshalb noch einen Schlosser, der die nötigen Metallgrundplatten schnitt. Gestern half die EVL dann schnell mit einem Satz Warnaufklebern aus. "Ohne diese Schilder hätte nach Anschalten der Oberleitungen niemand mehr auf die Brücke gedurft, auch die Monteure nicht", sagte van Aken. Nur für das Anbringen von Warnschildern die Oberleitungen abschalten zu lassen — das hätte gedauert und wäre sehr teuer geworden, da sich die Bahn diese Aktionen bezahlen lässt.

Die nächste Brücken-Aktion steht für die Nacht des 17. März an: Dann erfolgt ab ca. 1 Uhr der Brückenschlag über die ICE-Bahnstrecke.

(RP)