1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

214 Tage – Ausstellung im Künstlerbunker in Leverkusen

Kultur in Leverkusen : 214 Tage – Ausstellung im Künstlerbunker

Trotz Absage der 16. Kunstnacht zeigt die Ateliergemeinschaft an der Karlstraße, was in der Corona-Phase entstanden ist. Besucht werden kann der Bunker zu festen Zeiten.

214 Tage war der Künstlerbunker geschlossen – so lang war der Zeitraum vom Tag der offenen Ateliers im März bis zur geplanten Kunstnacht am Freitag. Da sollte erstmals wieder Publikum im Galerieraum an der Karlstraße empfangen werden – mit Abstand, Registrierung, Maske und Einbahnstraßenverkehr und geschlossenen Ateliers. Daraus wird nun nichts, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen.

Aber die Ausstellung hängt, und so hat sich die Ateliergemeinschaft entschlossen, nächste Woche feste Öffnungszeiten anzubieten. „214 Tage“ lautet auch das Thema der Präsentation, in der nur Arbeiten zu sehen sind, die während der Corona-Schließphase entstanden sind oder abgeschlossen wurden. Eigentlich müsste es nun 214 plus fünf heißen, weil Besucher erst am Mittwoch eingelassen werden.

Rolf Wetter hat sich seine dreidimensionale Assemblage „Goyas Kutsche“ erneut vorgenommen, ergänzt und umgestaltet. Einen regelrechten Produktionsschub hat die verordnete Ruhe während des Lockdowns bei Harry Plein ausgelöst. Im Kabinett zeigt er besonders feingliedrige Radierungen von Händen. Britta Reinhardt hat zwei Sprayer eingeladen, an einem bunten abstrakten Werk mitzuarbeiten – nacheinander. Anna Matzek hat ihre Serie von Familienporträts fortgesetzt. Und Christine Kamps hat eine Art Tagebuch als drei Meter lange Zeitschiene in Gestalt eines Diagramms geführt und Schlagzeilen ohne Abstand abgetippt und „von der Rolle“ hängen lassen. Sinnlich und emotional dagegen ihre Malerei „Mai 2020“ in düsteren Farben aber mit Lichtblicken.

Das Kontaktverbot zwischen Oma und Enkeln hat Katharina Meierjohann in lebensgroßen Fadenbildern abgearbeitet. Auf transparenten Stores hat sie mit goßen Stichen ihre Umrisse und die der Großmutter gestickt und hintereinander gehängt, so dass es doch zu einer Begegnung kommt. Jo Seibt hat Schwarzweiß-Aufnahmen von französischen Schornsteinen auf grobem Papier abgezogen. Friedrich Engstenberg schichtete Gebäude aus rechteckigen Rostagen, Jutta Schmücking hat sich verflüchtigende Reise-Erinnerungen von der Nordsee gemalt. Dabei bezieht sie sich auf Siegfried Lenz, der von einer „Entstofflichung“ spricht.

Peter Kaczmarek hat in den 214 Tagen sein hintergründiger Humor nicht verlassen. Er hat weitere Postkarten an sich selbst geschrieben zu allem, was in dieser Zeit Thema war, von Wuhan bis US-Präsidentschaftswahl, und „Schöne Grüße von Zuhause“. Drei Atelier-Gäste zeigen weitere Aspekte. Michael Golz hinterfragt die Gültigkeit von Normen und Maßgaben mit dem Symbol Lineal. Anatol Schulz präsentiert seine Illustration eines Kinderbuches und Christof Lungwitz zeigt ästhetische Objekte aus edlen Hölzern.

Die Ausstellung in der Galerie Karlstraße 9 ist Mi, Fr, Sa (14., 16., 17. Oktober) je 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet – je nach aktueller Lage. www.kuenstlerbunker-lev.de.