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Leverkusen: 2014 - für Rehm und Esser unvergesslich

Leverkusen : 2014 - für Rehm und Esser unvergesslich

Die besten Leverkusener Sportler wurden am Dienstag im Schloss Morsbroich für ihre Leistungen geehrt. Darunter auch Hammerwerfer Markus Esser und Weitspringer Markus Rehm. Für die beiden war es ein bewegendes Jahr.

Für Markus Rehm musste es am Dienstagnachmittag mal wieder schnell gehen. Praktisch von der Tartanbahn der Trainingshalle kam der Weitspringer ins Schloss Morsbroich, wo er mit anderen Leverkusener Sportlern für die Leistungen in diesem Jahr ausgezeichnet wurde. Auf ihn hätten die Gäste aus Sport, Wirtschaft und Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn aber wohl auch einige Minuten länger gewartet. Doch Rehm hat sich längst daran gewöhnt, nicht nur beim Anlauf vor dem Weitsprung Tempo zu machen.

Seitdem der Behindertensportler im Juli Deutscher Meister im Weitsprung der nichtbehinderten Athleten wurde und damit Sportgeschichte geschrieben hat, ist der TSV-Athlet der bekannteste deutsche Sportler mit Handicap und somit auch abseits der Trainingshalle ein gefragter Mann. "Das war ein sehr aufregendes, spannendes, aber auch sehr anstrengendes Jahr", blickt Rehm auf die vergangenen Monate zurück. Nachdem er den ehemaligen Europameister Christian Reif bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm geschlagen hat und den Titel holte, sei einiges auf ihn eingeprasselt, von dem er überrascht war. "Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob ich da kritisiert werde oder ob die Kritik politischen Hintergrund hat", sagte der 26-Jährige. Natürlich habe er sich auch die Frage gestellt, "ob ein paralympischer Athlet bei Nichtbehinderten an den Start gehen soll". "Ich hoffe, dass ich da einen guten Weg gefunden habe", betont er.

Gemeinsam mit dem Hammerwerfer Markus Esser trug er sich am Dienstag ins Goldene Buch der Stadt ein. Auch der 34-jährige Esser hat ein bewegendes Jahr hinter sich - eins, in dem das sportliche Glück ausnahmsweise mal auf seiner Seite war. Nachdem er zuvor nur vierte Plätze bei internationalen Wettkämpfen erreicht hatte, wurde ihm für die WM 2005 nachträglich die Silbermedaille zugesprochen, weil der vorherige Gewinner gedopt hatte. Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn lobte die beiden Vorzeigesportler und unterstrich den Stellenwert der Leistungen für die Stadt. "Spitzensport ist ein weiteres besonderes Merkmal der vergleichsweise kleinen Großstadt Leverkusen, mit dem wir uns gegen wesentlich größere Nachbarn, wie etwa Köln, behaupten können", sagte Buchhorn.

41 internationale Medaillen gehen am Ende des Jahres auf das Konto der Spitzensportler. Über 120 Nachwuchsathleten des TSV haben in diesem Jahr bei nationalen oder internationalen Wettkämpfen mit dem fünften Platz oder besser abgeschnitten, in Erfolgen gemessen bedeutet das 55 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften, davon 19 Goldmedaillen und neun Medaillen auf internationaler Bühne. Auf der konnten sich Rebecca Knaak, Theresa Panfil und Anna Klink in diesem Jahr beweisen - mit großem Erfolg. Die drei Fußballerinnen von Bayer 04 holten mit der deutschen U20-Auswahl den Weltmeistertitel. Mit den Fußballprofis Julian Brandt und Levin Öztunali hat Bayer 04 Leverkusen zudem zwei U19-Europameister im Kader. Auch im Behindertensport wird es in den nächsten Jahren wohl weitere Erfolge geben. Der 17-jährige Nachwuchsathlet Leon Schäfer sorgt derzeit für Aufsehen.

Etwas unter dem Radar ist hingegen das integrative Sportfest gelaufen, wie Buchhorn kritisierte. "Ich würde mir sehr wünschen, dass diese tolle Veranstaltung in Zukunft das Interesse viel mehr Leverkusener Sportfans findet", sagte er.

(RP)