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20.000 Jecken beim Karnevalszug in Hitdorf

Karnevalszug in Hitdorf : Von Löwen, Ozeanen und Jecken

Etwas Kritik und ganz viel Farbe brachte der Zoch nach Hitdorf. Die Polizei schätzt die Besucherzahl auf 20.000.

Nee, war das wieder schön, als sich ganz Hitdorf am Nelkenfreitag in eine einzige Festmeile verwandelte und zugleich den Reigen der Leverkusener Karnevalszüge eröffnete. Fast alle 1500 Teilnehmer boten ein farbenprächtiges Bild beim 27. Hetdörper Schull- und Veedelszoch, der sich rund zwei Kilometer über die Hitdorfer Straße erstreckte. So feierte der Kegelclub „Voll dropp“ seine 20-jährige Teilnahme in Kostümen, die sie passend zum Musical „König der Löwen“ ausgewählt hatten.

Der Kegelclub „Voll drupp“ und die „Pänz voll Drupp“ verzückten in Kostümen von „Der König der Löwen“ und priesen den Dschungel direkt hinter Hitdorf an. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Wörtlich genommen hatte die „Jecke Hitdorfer Königsallee“ den Slogan „An jeder Eck ne Hetdörper Jeck“. Insgesamt blieb der Zug weitgehend unkritisch. Unzufriedenheit wegen der aktuellen Verkehrssituation kam lediglich vom Fußballclub Rio, der meinte: „Baustelle aan jeder Eck, do wirste jeck“. Mit dem Slogan „Hetdörp für Lev“ griffen die „Lohrer Lück“ die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl auf. Doch anstelle möglicher Kandidaten hatten sie Vereine wie „Leben in Hitdorf“, „Hetdörper Mädche un Jonge HMJ“ oder „Hitdorfer Geselligkeitsverein HMJ“ auf die Liste geschrieben und ihr Kreuzchen ganz oben bei „Lohrer Lück“ gesetzt. Unter dem Slogan „Fischers Fritze fischt nicht mehr“ bemängelten Kinder und Eltern der Hitdorfer Grundschulen die Verschmutzung der Meere.

Insgesamt neun Fest- und Mottowagen hatten sich eingereiht. Darunter war auch ein spezieller Lkw, der vom Club der ehemaligen Dreigestirne zur Bereicherung des Zuges gestiftet worden war. Ex-Prinz Jupp Krämer: „Ideal wäre, wenn er von jungen Leuten oder Neubürgern genutzt würde, die sonst nichts mit Karneval zu tun haben.“ Weil sich in diesem Jahr aber niemand aus diesem Personenkreis fand, erhielt das „Team Sexy“ den Zuschlag. Diese Gruppe führte Boxen mit sich, aus denen laute Musik die gesamte Umgebung beschallte. Andreas Beljan, Chef der Wagenengel und zuständiger Zugleiter für Schlebusch: „Das ist ein immer größer werdendes Problem für uns Zugleiter. Wir müssen speziell darauf achten, keine Musikgruppen in deren Nähe zu platzieren.“ Vertreter des Ordnungsamtes räumten ein, über entsprechende Vorschriften nicht informiert zu sein.

Zuschauer am Wegesrand hatten unterdessen ihre eigene Meinung. Stefan Schäfer aus Hitdorf – der sich vor allem auf Tanz- und Musikgruppen wie die „Glungge Phoniker“ aus der Schweiz gefreut hatte  – sagte, solch laute Beschallung sei eine Zumutung für Kinder, wenn ein Wagen ausgerechnet vor ihnen stehen bleiben müsste. In diesem Fall würde er ihnen die Ohren zuhalten. Holger Höhn aus Monheim, der mit Ehefrau Diana seit 18 Jahren nach Hitdorf kommt, „weil der Zug so toll ist“, kommentierte: „Karneval ist nur einmal im Jahr. Wenn Kinder dabei wären, würde ich Ohrenstöpsel besorgen. Aber ich kann und will nicht verlangen, dass ein Geisterzug an mir vorbeizieht. Dann dürfte ich auch auf kein Konzert gehen, denn dort dröhnen mir anschließend auch die Ohren.“