Leverkusen: 200 Jahre alte Bratsche für Franziska Hügel

Leverkusen: 200 Jahre alte Bratsche für Franziska Hügel

Die 19-jährige Musikerin hat sich eine begehrte Meister-Viola vom Deutschen Musikinstrumentenfonds erspielt.

Seit einer Woche freundet sich Franziska Hügel mit einem neuen Instrument an. Sie hatte auch vorher schon eine recht gute Viola, aber jetzt spielt sie auf einer Meister-Viola, die 1820 von Bernhardt Simon Fendt in London gebaut wurde.

"Das Volumen ist sehr schön", schwärmt die 19-Jährige. "Der Korpus ist größer als bei meiner eigenen Bratsche." Dieses Instrument aus Stiftungsbesitz ist geliehen, und Franziska Hügel darf es zunächst ein Jahr behalten, mit Option auf Verlängerung bis zum 30. Lebensjahr. 2019 muss sie erneut beim Deutschen Musikinstrumentenfonds vorspielen. Wahrscheinlich will man dort sichergehen, dass die wertvollen Instrumente in guten Händen und regelmäßig in Gebrauch sind.

Um die Londoner Fendt-Viola zu bekommen, musste sich die Musikstudentin, die gerade ihr erstes Semester an der Kölner Musikhochschule abgeschlossen hat, einem Wettbewerb stellen, der bereits zum 26. Mal ausgeschrieben war. Für die junge Musikerin aus Leverkusen war es die erste Teilnahme. Vergangenes Jahr habe sie eine Freundin zum Entscheid begleitet, erzählt sie. Danach bewarb sie sich dann auch selbst. Insgesamt wurden unter den Kandidaten Ende Februar im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg 23 klangstarke Geigen, Bratschen und Celli von der Deutschen Stiftung Musikleben an herausragende Nachwuchsmusiker vergeben.

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55 junge Musiker im Alter von zwölf bis 28 Jahren bewarben sich um eines dieser Spitzeninstrumente aus dem Deutschen Musikinstrumentenfonds, beziehungsweise um die Fristverlängerung für ein bereits entliehenes Instrument. Zu den begehrten Instrumenten zählen zum Teil 300 Jahre alte klangstarke Meisterinstrumente von Storioni, Testore oder Guarneri - für junge Musiker unerschwinglich, aber notwendig, um auf internationalen Bühnen bestehen zu können. 200 Instrumente für den hochbegabten Nachwuchs umfasst der Fonds mittlerweile. Teilweise stammen sie aus dem Besitz der Stiftung und der Bundesrepublik Deutschland, der größte Teil wird jedoch von Privatpersonen treuhänderisch zur Verfügung gestellt.

Mit einer Wettbewerbssituation ist Franziska Hügel, die bereits als Fünfjährige ihren ersten Geigenunterricht an der Musikschule Leverkusen erhielt und 2007 zur Viola wechselte, vertraut. Sie gewann schon früh regelmäßig erste Preise bei "Jugend musiziert", zuletzt erspielte sie sich 2016 einen ersten Bundespreis in der Kategorie "Viola solo". 2014 debütierte sie als Solistin mit der Kammerphilharmonie Rhein-Erft. Außerdem spielt sie seit 2013 regelmäßig Recitals als Solistin oder in kammermusikalischen Besetzungen und sammelte bei zahlreichen Projekten des Landesjugendorchesters NRW und des Bundesjugendorchesters Orchestererfahrungen. Zum Sommersemester 2013 wurde Franziska Hügel am Pre-College Cologne der Musikhochschule Köln in die Klasse von Prof. Matthias Buchholz aufgenommen. 2015 begann ihr Jungstudium und im letzten Herbst nahm sie ihr Vollstudium auf.

Das Berufsziel der Leverkusenerin ist eine Festanstellung in einem Orchester und dazu parallel die solistische Weiterbildung. Und die 19-Jährige wünscht sich, Streicher kennenzulernen, mit denen sie regelmäßig Kammermusik spielen kann. Die besten Voraussetzungen dazu gibt es schon daheim, denn ein halbes Quartett gibt es in der Familie: Franziska Hügels ältere Schwester Kristina studiert Violine in Detmold.

(RP)