15. Kunstnacht in Leverkusen an rekordverdächtigen 53 Orten.

15. Kunstnacht : Staunenswertes an 53 Kultur-Orten

Die 15. Leverkusener Kunstnacht zog nicht nur ihre regelmäßigen Gäste an. Jeden Herbst gehen mehr Bürger auf die abendliche Entdeckungsreise. Rekordverdächtig diesmal: die Zahl der Orte.

Angebot und Nachfrage scheinen in der Geschichte der Leverkusener Kunstnacht Hand in Hand zu gehen. Die Kulturlandschaft erstreckte sich bei dieser 15. Auflage mit rekordverdächtigen 53 Ausstellungsorten über das gesamte Stadtgebiet.

Lutz Diese öffnete die Türen seines Ateliers im Künstlerbunker. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Längst gibt es neben der klassischen Malerei weitere Kunstformen zu bestaunen. Seien es die Eis-Skulpturen in den Schaufenstern der Schlebuscher Fußgängerzone oder die Treibholzkunst in der alten Witzheller Brennerei. Auch die Opladener Tanzstelle hat nach einer kurzen Pause wieder einen Platz in der Kunstnacht gefunden. Zwischen den Werken des Düsseldorfer Künstlers Hinrich JW Schüler schienen die Tänzerinnen am Freitagabend wortwörtlich zu schweben. Die Mitglieder der Tanzschule nahmen das andächtig staunende Publikum mit auf ihre ganz eigene emotionale Reise.

Präsentation der Künstler AG im Forum. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Auch die regelmäßige Besucherin der Kunstnacht, Petra Neu, ist von der Verzahnung der beiden Kunstformen angetan und erzählt: „Nach dem Auftritt habe ich die Bilder noch einmal ganz anders und intensiver wahrgenommen als zuvor.“ Schüler selbst war begeistert, wie gut die Tanzpräsentation die Stimmung seiner Acrylmalereien zum Thema Unterwasserwelt auffing. „Als die Tänzer während der Aufführung Regenschirme als Requisiten in die Choreographie einbauten, war ich ganz hingerissen“, sagte Schüler.

Peter Lorenz mit seiner Fotografiereihe „Kacheln 2019“. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Das Thema Wasser beschäftigt den Künstler schon seit Anfang der 90er Jahre. Mit einer ausgefeilten Technik schafft er es, die Tiefe des Ozeans auf quadratische Leinwände zu transportieren. „Dafür benutze ich bevorzugt Schminkpinsel“, verriet er schmunzelnd. Die seien um einiges weicher als herkömmliche Pinsel und erzeugen so einen „Airbrush“-Effekt. In über 100 Schichten pro Bild erzeugt der Düsseldorfer Künstler so die Werke seiner Ausstellungsreihe „Aquasphere“.

Die Petruskirche im benachbarten  Bürrig bot ihren Besuchern ebenfalls Raum zum Staunen. Der aus Leverkusen stammende Künstler Peter Lorenz stellte zum ersten Mal seine Fotografiereihe „Kacheln 2019“ aus. Die großformatigen Arbeiten zeigen einzelne Kachelfliesen aus zwei Berliner Kneipen. „Es geht bei Kunst nicht immer um die Frage, ob das Bild in das eigene Wohnzimmer passen würde, denn das würden diese Werke sicherlich nicht“, erläutert Lorenz. Er möchte mit der Ausstellung unscheinbaren Details einen Schauplatz geben und sieht in den Kacheln, welche mit Aufklebern und Krizzeleien versehen sind,  Geschichten.

Die Idee, alltäglichen Dingen eine Bühne zu geben, findet auch Besucher Achim Zager interessant. Er war zum ersten Mal in der Kunstnacht unterwegs und findet: „Es müssen nunmal nicht immer die kommerziellen Motive sein. Nichtmalerische Werke wie die von Peter Lorenz haben etwas besonderes an sich.“

Wem das realistische Genre besser gefällt, der ist spätestens im Opladener Künstlerbunker fündig geworden. Dort öffnete unter anderem Lutz Diese die Pforten seines Ateliers. Wenn der Leverkusener Künstler mal keinen Karton zum Bemalen zur Hand hat, nutzt er oft Schrankrückwände, welche er auf dem Sperrmüll findet. Nicht nur in seinem eigenen Atelier waren die Werke von Diese zu bestaunen. Mitgewirkt hat der Maler auch an der Ausstellung im Forum. Dort setzte die Leverkusener Künstler AG 20 Künstlerfahnen zum 50-jährigen Forum-Bestehen. „Obwohl der 50. Geburtstag des Forums bisher groß gefeiert wurde, hat der Aspekt der Bildenden Kunst gefehlt“, erzählt Klaus Wolf, der selbst Teil der Künstler AG ist. Die 18 Mitglieder haben sich für dieses Projekt mit ihrer eigenen Forumsgeschichte auseinandergesetzt. Dabei herausgekommen ist eine bunte Festbeflaggung mit verschiedensten Ausdrücken der Erinnerung und der Danksagung an den oft unterschätzten Veranstaltungsort.

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