Leverkusen 120 Jahre Paffrath

Leverkusen · Am 12. Dezember 1896 meldete Friedrich Wilhelm Paffrath sein Schreibwarengeschäft an.

 Schreibwaren? Spielzeug? Gibt's in Opladen bei Paffrath an der Ecke Gerichtsstraße/An St. Remigius. Seit Generationen.

Schreibwaren? Spielzeug? Gibt's in Opladen bei Paffrath an der Ecke Gerichtsstraße/An St. Remigius. Seit Generationen.

Foto: Paffrath-Düster

Schreibwaren und Spielzeug gibt es in Opladen bei Paffrath. Das ist so seit Generationen. Das Haus an der Ecke Gerichtsstraße/An St. Remigius ist aber älter als die Geschichte des Familienunternehmens, das 120-jähriges Bestehen feiert. 1890 gab es dort ein Café - wegen der guten Aussicht von der ersten Etage im Volksmund liebevoll "Café Himmelreich" genannt. Bis sich der risikofreudige Unternehmer Friedrich Wilhelm Paffrath am 12. Dezember 1896 entschloss, seinen Gasthof aufzugeben und eine Buch-, Schreibwaren und Zeitschriftenhandlung bei der Gemeindeverwaltung anzumelden.

Er führte das Geschäft durch die Wirren des Ersten Weltkriegs und übergab den Betrieb 1921 an Sohn Curt, dessen Name der Laden noch immer trägt, obwohl die Inhaber längst nicht mehr Paffrath heißen. Heute führt Hildegard Düster das Geschäft. Curt Paffrath hatte das Sortiment um Spielwaren erweitert, erhielt die Konzession für die damalige Klassenlotterie. Als er kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in Kriegsgefangenschaft verstarb, übernahm Frau Minna.

Als erste Zeitungen nach dem Krieg waren die amtlichen Mitteilungen der Militärregierung erhältlich. Im Jahr 1952 übernahmen die Tochter Ursula und ihr Mann Karl-Heinz Düster das Familienunternehmen und führten es erfolgreich, erlangten etwa in Opladen als erster die Lizenz zum Angebot des Lotto-Spielens bei der Westdeutschen Klassenlotterie. Zeitweise gab es 15 Mitarbeiter und eine Zweigstelle in Lützenkirchen.

Nach seiner kaufmännischen Ausbildung arbeitete Sohn Curt Düster im Geschäft der Eltern mit. Noch bevor er 1990 mit seiner Frau Hildegard übernahm, baute er die Bereiche Modelleisenbahn und Modellbau aus. Das Paar stellte nach der Jahrtausendwende einen deutlichen Rückgang der Nachfrage fest und versuchte, mit neuen Partnern das Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen. So wurden Partnerschaften mit der Rheinischen Post und Bayer 04 geschlossen.

Seit dem Tod ihres Mannes führt die heute 62-jährige Hildegard Düster, unterstützt von ihren vier Kindern, das Unternehmen in Eigenregie. Modelleisenbahn und Modellbau werden nicht mehr angeboten - die Konkurrenz im Internet war zu stark. "Wir können uns halten, weil wir keine Massenware haben, sondern Spezialitäten, die unsere Kunden anderswo nicht so leicht bekommen. Blocks mit bestimmten Lineaturen, Kuverts in fast allen Formaten oder namhafte Spielwarenmarkenprodukte", sagt Düster. Die gelernte Kinderkrankenschwester hatte ihren Beruf aufgegeben, um mit ihrem Mann im Familienbetrieb zu arbeiten.

Sie werde in ihrer Familie wohl keinem Nachfolger finden, aber sie liebe die Vielfalt an ihrem Beruf. Sie freut sich besonders über Kunden, die Wert auf persönliche Beratung legen, Produkte anfassen oder ausprobieren wollen. Ihre Erfahrung: "Das ist nicht nur schöner als Onlineshopping, sondern für unser altes Opladen auch nachhaltiger."

(mkl)
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