1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

1000 Stunden die Wurzeln der Schützen ergründet

Historisches Buch der Schützenbruderschaft Hitdorf : 1000 Stunden die Wurzeln der Schützen ergründet

Hans-Rudolf Rittinghaus hat Kopien eines alten Protokollbuchs entdeckt und in moderne Schrift übertragen. Das „einmalige Erlebnis“ hat ihn viel Zeit gekostet – ihm aber auch viel Freude bereitet.

Zur 575-Jahr-Feier vor 17 Jahren suchte die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Hitdorf nach Beweisen für das Gründungsjahr 1428. Das Original ist zwar noch immer verschollen. Doch Kopien aus den 1970er Jahren untermauern das genannte Datum. Hans-Rudolf Rittinghaus wertet deren Inhalte als kleine Sensation und als „Zeitzeugnis für heutige und kommende Generationen“.

Seit mehr als 50 Jahren ist der 64-Jährige, der in Monheim lebt, aber in Hitdorf aufgewachsen ist, Mitglied, war außerdem Präsident und Brudermeister der Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Hitdorf von 2001 bis 2019. Als er sich aus dem Amt verabschiedete, versprach er den Vereinskameraden, er werde sich um das Archiv kümmern und die Geschichte der Bruderschaft dokumentieren. Das tat er seither gründlich. Und entdeckte vor kurzem bei seiner Arbeit einen Ordner mit Kopien alter Niederschriften. Es stellte sich heraus, dass es sich um Abschriften der lange als verschollen geltenden Einträge der Sankt Sebastianus Bruderschaft Rheindorf aus den Jahren 1751 bis 1879 handelte.

Das so genannte Lagerbuch - heute würde man es als Protokollbuch bezeichnen – beinhaltet Informationen aus 128 Jahren, beschreibt die Entwicklung der Bruderschaft und führt zurück zu den Wurzeln der Schützenbruderschaft Rheindorf. Durch diesen Fund, so Rittinghaus, lasse sich das für 2028 bevorstehende Jubiläum, bei dem „600 Jahre Schützen in Hitdorf, 150 Jahre Schützenbruderschaft Hitdorf und 100 Jahre Jungschützen in Hitdorf“ gefeiert werden sollen, mit besserer Substanz unterlegen.

Rittinghaus, unter anderem ehemaliger Revisor und Investmentbanker, der zum Schluss seiner Berufstätigkeit als Geschäftsführer einer Kapitalverwaltungsgesellschaft beschäftigt war, ermittelte, dass in der einstigen Rheindorfer Bruderschaft auch Mitglieder aus Hitdorf und Reusrath vertreten waren. Wohl auch deshalb, weil alle drei Gemeinden zur damaligen Zeit unter dem Kirchspiel Sankt Aldegundis vereint waren. Im Jahr 1830 spaltete sich erst Reusrath ab, ehe Hitdorf 1878 folgte, um fortan eigene Verbindungen vor Ort aufzubauen.

Anhand der Unterlagen lasse sich sehr gut nachvollziehen, sagt Rittinghaus, auf welch starkem Fundament die Traditionen der Bruderschaften bis heute fußen. So würden sämtliche Schützen- und Patronatsfeste – damals noch als „Sebastianusfest“ oder „Bruderschaftsfest“ bezeichnet – und nicht zuletzt das Leben nach christlichen Grundsätzen mit enger Bindung zur Pfarrgemeinde seit Jahrhunderten noch immer bewahrt und gepflegt.

In mühsamer Kleinarbeit übertrug Rittinghaus die 287 Seiten umfassenden Aufzeichnungen aus deutscher Kurrentschrift – der Vorgängerschrift von Sütterlin – ins lateinische Schriftsystem. „Da es sich teilweise um individuell sehr ausgeprägte Handschriften handelte, habe ich an einzelnen Seiten mehrere Stunden gearbeitet“, berichtet Rittinghaus über sein Tun, bei dem ihn Ehefrau Andrea unterstützte. Ein halbes Jahr und weit mehr als 1000 Stunden hat Rittinghaus für das Werk benötigt. Erschwert wurde die Arbeit vor allem durch veraltete und mit unseren Regeln nicht vergleichbare Rechtschreibung, Satzbau und Interpunktion. Insgesamt habe ihm die selbst gestellte „Corona-Aufgabe“ sehr viel Freude bereitet. Eine solche Primärquelle, die zu den historischen Quellen des Schützenwesens leite, bekomme man als Laie sicherlich nur einmal im Leben in die Hände.

Auf diese Weise kamen zwei Bände zu jeweils 320 Seiten, ergänzt durch diverse Darstellungen und Bilder der Bruderschaften zusammen. Die 1. Auflage, die am 10. Dezember erschien, ist bereits ausverkauft, ein Nachdruck ist laut Rittinghaus aber möglich.