Leverkusen: 100 Tagesmütter für 330 Kinder

Leverkusen : 100 Tagesmütter für 330 Kinder

Beruf, Ausbildung, Studium – viele Eltern haben nicht die Zeit, sich ganztags um ihre Kinder zu kümmern. Wer keinen Platz in der Kindertagesstätte findet, kann sich auch an eine Tagesmutter wenden. 330 Leverkusener Kinder unter drei Jahren sind mittlerweile in einer Kindertagespflege.

Es ist laut und bunt. Die eineinhalb jährigen Zwillinge, Margaux und Antonie und der zweijährige Marcel spielen fröhlich mit Bauklötzen, Bällen und allem, was Krach macht. Die Wände sind in Grün und Rot gestrichen, der Boden ist voller Spielzeug. Kleine Stühle, Tische und drei Betten stehen im Raum. Mittendrin hat Tagesmutter Nicole Krämer ein Auge auf ihre drei Pflegekinder.

Hundert vom Jugendamt qualifizierte Tagesmütter arbeiten bereits in Leverkusen und betreuen insgesamt 330 Kinder. Das macht mehr als fünf Prozent der Betreuungsplätze der Stadt aus, doch die Nachfrage übersteigt das Angebot. Bis August 2013 hat jedes Kind einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Das Jugendamt rechnet damit, dass jedes dritte Kind einen solchen Platz auch braucht. Deshalb sucht die Stadt weitere 100 Tagespflegepersonen.

Ausbildung dauert 160 Stunden

Nicole Krämer absolvierte vor drei Jahren eine Qualifizierung zur Tagesmutter. "Erst habe ich sechs Wochen lang zwei Geschwister betreut, um zu entscheiden, ob ich es mir zutraue. Man wächst aber mit seinen Aufgaben", erinnert sie sich. Die Ausbildung zur Tagesmutter umfasst 160 Stunden. Anhand von Fallbeispielen, pädagogischen Ansätzen, einer Hygienebelehrung und einem Erste-Hilfe-Kurs werden angehende Tagesmütter auf ihren Kinder-Alltag vorbereitet.

"Eine Zertifizierung beinhaltet aber noch keine Pflegeerlaubnis", erklärt Ulla Nonn vom Jugendamt Leverkusen. Auch die Betreuungsräume müssen kindgerecht sein. Zudem muss die Tagespflegeperson Erfahrung im Umgang mit Kindern haben, gesund und nicht vorbestraft sein und fließend Deutsch sprechen. Es sei daher ratsam, sich vor dem Kurs beim Jugendamt zu erkundigen, betont Nonn. Tagesmütter- und väter werden bei ihrer Arbeit mit fünf Euro pro Kind und Stunde vom Jugendamt unterstützt. Außerdem übernimmt das Jugendamt auf Antrag die Hälfte der Sozialbeiträge, wie Renten-, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung.

Das Jugendamt kümmert sich jedoch nicht nur um die Tagespflegepersonen. Es berät und unterstützt Eltern bei der Vermittlung des Kindes und ist Anlaufstelle für Förderanträge, die alle Eltern dort stellen können.

Krämer hat sich mit zwei weiteren Tagesmüttern zusammengeschlossen. "Wenn ich mal krank bin, können meine Pflegekinder so auf die anderen Mütter verteilt werden. Die kennen sich auch schon, da wir öfters zusammen auf den Spielplatz gehen."

Für die gelernte Bankkauffrau sei ihre Arbeit optimal: "So kann ich von zu Hause arbeiten und habe nachmittags Zeit für meine drei eigenen Kinder."

(RP)
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