100 Jahre RTHC-Hockey in Leverkusen

Jubiläumsfest am Samstag : 100 Jahre RTHC-Hockey

Ein Neuseeländer ist wegen seines Sports nach Leverkusen gezogen. Er ist nicht der Einzige Weitgereiste im Club. Auch der lokale Nachwuchs wird gefördert.

Hockey ist nicht nur die erfolgreichste deutsche olympische Ballsportart. Sondern auch eine attraktive Mannschaftssportart, die sogar bis ins hohe Alter betrieben werden kann.

Dass dieser Sport aber auch so manchen Lebensplan durchei-
nanderwirbeln kann, beweist Matthew Orr. Er verließ vor neun Jahren seine  neuseeländische Heimat. Damals hatte der Hockey-Club im Ruder-Tennis-Hockey-Club (RTHC) Bayer Leverkusen den Torjäger aus Hamilton umworben. Er ist gekommen und geblieben, hat in Bergisch Neukirchen eine neue Heimat gefunden. Zwar kommen nicht allzu viele Sportler eigens wegen Hockey von der anderen Seite der Erde nach Leverkusen. Aber unter mehr als 500 RTHC-Mitgliedern ist Matthew bei weitem nicht der einzig Weitgereiste, der dem Ruf des schnellen Ballspiels auf dem Rasen folgte.

Auch Spieler aus Kanada, Russland und Finnland zählen zu den erfolgreichen Größen des Vereins, der 1951 durch den Zusammenschluss dreier ehemals selbstständiger Vereine entstand: des 1910 gegründeten Rudervereins, des Tennis-Clubs Leverkusen von 1913 und des Hockey-Clubs Leverkusen von 1919. Mit mehr als 2000 Mitgliedern gehört der RTHC zu den Großvereinen in Stadt und Region.

Wer an Hockey und bedeutende internationale Erfolge denkt, kommt um Namen wie Christian Schliemann, Florian Kunz, Markku Slawyk oder Volker Fried nicht herum: Der Leverkusener Christian Schliemann gewann etwa mit der Deutschen Hockey-Nationalmannschaft die olympische Silbermedaille 1988. Zuvor errang der RTHC-Torwart bereits 1981 die Junioreneuropameisterschaft und 1982 die Juniorenweltmeisterschaft in Kuala Lumpur.

Der 1972 in Leverkusen geborene Florian Kunz war Kapitän der Herren-Nationalmannschaft, als diese 2002 erstmals den Weltmeistertitel aus Malaysia nach Deutschland brachte. Kunz war fünfmal Europameister, bestritt 247 Spiele mit der Nationalmannschaft und trat 2004 nach dem Gewinn der olympischen Bronzemedaille zurück.

Markku Slawyk kam 1966 mit seinen Eltern aus Finnland nach Deutschland, gewann 1984 mit der Hockeynationalmannschaft die olympische Silbermedaille und spielte anschließend zwei weitere Jahre für den RTHC Bayer Leverkusen.

Volker Fried ist bis heute Trainer der RTHC-Damenmannschaft. Der ehemalige Olympiasieger, Ex- Kapitän der Nationalmannschaft und Länderspiel-Rekordhalter sei, sagt Peter Rak, Hockey-Koordinator und Trainer sowie Lehrer der Leverkusener Grundschule Fontanestraße, eine „echte Koryphäe“ auf seinem Gebiet. Überhaupt leiste der Club sehr gute Kinder- und Jugendarbeit, wurde deshalb unter anderem 2003 mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung“ und 2016 vom Westdeutschen Hockey-Verband für vorbildliches Kindertraining ausgezeichnet. Das vereinseigene Areal am Kurtekotten mit zwei Kunstrasenplätzen und zwei Hallen wurde schon als „eine der schönsten Sportanlagen der gesamten Bundesrepublik“ bezeichnet.

Bedauerlich sei alleine die Tatsache, so Peter Rak, dass der Verein wegen seiner Insellage zwischen Köln und Düsseldorf viele und gut ausgebildete Spieler verliere. „Talente kommen nicht aus umliegenden Vereinen zu uns, sondern wir geben eher ab. Manchmal bricht sogar die komplette Mannschaft weg.“

Action auf dem Platz: Feldhockey erfordert viel Reaktionsvermögen. Foto: RTHC
◀ Mini-Clubhaus – die Anfänge am Kurtekotten 1967 im Bauwagen. Foto: RTHC
Diese Damen-Hockeymannschaft aus früheren Jahren wusste nicht nur, wie man spielt, sondern auch, wie man fürs Foto posiert. Foto: RTHC
Im CD-Park luden einst die großen Spielfelder zum Hockeygucken und natürlich zum Spielen ein. Mittlerweile ist die Anlage am Kurtekotten angesiedelt. Foto: RTHC
▶ Bis 1985 war das Clubhaus an der Kaiser-Wilhelm-Allee untergebracht. Foto: RTHC
◀ Bis 1975 lag das schicke Clubhaus im CD-Park. Foto: RTHC

Und er schiebt hinterher: Nachwuchsarbeit könne viel optimaler gelingen, wenn die Kinder per Fahrrad oder Bus zum Training kommen könnten. Noch gebe es aber keine Einigung über ein entsprechendes Busangebot mit der Stadt, bedauert Peter Rak.

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