1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

100 Jahre Finanzamt Leverkusen

100 Jahre Finanzamt Leverkusen : Als in Opladen die „Raubritter“ einzogen

Das Steuereintreiben begann in einer Lützenkirchner Scheune. Vor hundert Jahren öffnete dann das Finanzamt an der Kaiserstraße in Opladen. Heute befindet es sich in einem Neubau in Manfort.

„In dieser Welt gibt es nichts Sichereres als den Tod und die Steuern“, lautet ein Zitat von Benjamin Franklin, dem Gründungsvater der Vereinigten Staaten von Amerika. Tatsächlich existieren Steuern schon seit dem frühen Mittelalter. Im Vergleich dazu ist das Finanzamt Leverkusen noch recht jung, obwohl es vor bald 100 Jahren – Stichtag 1. August 1920 – gegründet wurde. Eigentlich ist es die Gründungsgeschichte des Finanzamtes Opladen. Denn erst wegen der kommunalen Gebietsreform 1975 wurde das Finanzamt Opladen zum Finanzamt Leverkusen, unterstand fortan der Oberfinanzdirektion Köln anstelle von Düsseldorf und war zuständig für Leverkusen und die Städte Burscheid, Leichlingen und Wermelskirchen.

Eine eigene Finanzverwaltung im Raum Opladen existierte schon sehr viel länger. Steuern und Abgaben in der Grafschaft Berg konnten schon für das 13. Jahrhundert nachgewiesen werden. Das damals zuständige Steuer- und Rentamt hatte seinen Sitz in Burg an der Wupper. Faktisch zu belegen sind die lokalen Aufzeichnungen, seit das erste „Finanzamt“ um 1750 in Lützenkirchen auf einem umfunktionierten Bauernhof zwischen Holzhausen und Bruchhausen einzog. Es trug die Bezeichnung „An der Zehntenscheune“. Heute erinnert der „Zehntenweg“ an die historische Stätte. Der erhobene „Schatz“  – das gesamte Steueraufkommen wurde einst als Schatz bezeichnet – des Jahres 1753 wird mit 1693 Mark und fünf Schillinge beziffert. Der Betrag war von 213 Steuerpflichtigen zu entrichten.

Sprung ins 20. Jahrhundert: Im Jahr 1919 verlangte die Reichsfinanzverwaltung eine zentralisierte Verwaltung, die für die Festsetzung und Erhebung von Steuern zuständig war. Mit dem Ergebnis, dass sich am 1. August 1920  ein Finanzamt an der Kaiserstraße 21, der heutigen Birkenbergstraße, ansiedelte. Mit dessen Führung war Obersteuerinspektor Korf betraut, ehe Gerichtsassessor Brunnenberg am 1. September 1920 übernahm, wie es in der Festschrift zum 75-jährigen Behörden-Jubiläum heißt. Die Räume reichten nur für kurze Zeit. Also wechselte die Finanzkasse an die Altstadtstraße 40 und belegte dort den großen Saal im einstigen Gasthof Stevens.

Zu dieser Zeit hatte der Fiskus Hochkonjunktur, so dass auch diese Lösung nur von kurzer Dauer war. Deshalb dachte man 1923 an ein eigenständiges Amtsgebäude, musste das Vorhaben aber wegen der Inflation aufschieben. Dem ersten Spatenstich im Mai 1927 für das neue, 250.000 Reichsmark teure Domizil an der Haus-Vorster Straße, folgte die Einweihung im September 1928. 41 Beamte und zwölf Angestellte schwärmten von den „praktischen Wandschränken, die bequeme Unterbringung von Aktenstücken“ ermögliche, dazu den praktischen „Haustelefonapparaten“ zur Kommunikation innerhalb des Gebäudes und einer „kleinen, elektrisch angetriebenen Uhr“ im Sitzungszimmer.

Die Expansion der „Raubritter“ – so bezeichnete sich die 1955 gegründete und 2017 aufgelöste Karnevalsgesellschaft des Finanzamtes  – war noch lange nicht abgeschlossen. Denn 1954 war ein Erweiterungsbau nötig. Weil die Zunahme von Steuer- und Abgabepflichtigen ungebrochen war, unterhielt das Amt zwischenzeitlich sechs Nebenstellen. Bei der Gebietsreform kam es zu einem regelrechten Tauziehen ums Finanzamt. Leverkusen hatte der Finanzverwaltung ein Grundstück für einen Neubau angeboten, so dass der Rhein-Wupper-Kreis reagierte und Platz für den zweiten, 12,2 Millionen Mark teuren Erweiterungsbau zur Verfügung stellte. Im Oktober 1974 war er bezugsfertig, so dass nach und nach alle Nebenstellen aufgelöst werden konnten.

Inzwischen trägt das „Finanzamt Leverkusen“ seinen Namen zu Recht. Denn 2008 erwarb die Finanzverwaltung ein Grundstück an der Marie-Curie-Straße in Manfort, 2011 wechselten rund 350 Mitarbeiter dorthin. Seit 2016 wird die Steuerverwaltung von Dienststellenleiter Ludger Ruthmann gelenkt. Das einstige Finanzamt an der Haus-Vorster-Straße ist einer Wohnbebauung gewichen.