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Wupperufer: 120 Jahre alte Pappel vor Bauarbeiten sicher

Schutz von höchstem Baum der Umgebung : Wupperufer: 120 Jahre alte Pappel vor Bauarbeiten sicher

Ein Experte verlegt Teile des Wurzelwerks des rund 25 bis 30 Meter hohen Baums, um ihn im Neubaugebiet an der Neukirchener Straße zu erhalten.

Wie viel Wahrheit steckt in einer Redensart? Wenn es nach Gerrit Hochmuth und seinem aktuellen Arbeitsauftrag geht: sehr viel. Denn der Chef des Baumwerks Leichlingen „kümmert“ sich seit Montagmorgen um eine rund 120 Jahre alte Pappel. Diese wächst am Wupperufer in der Neukirchener Straße, also in unmittelbarer Nähe zu den Bauarbeiten des ehemaligen Kaufpark-Geländes, das sich bis Sommer 2023 in ein Areal mit Geschäfts- und Wohnhäusern verwandelt. Was nicht heißt, dass der Baum weichen soll, im Gegenteil: Er soll an Ort und Stelle weiter wachsen, frei nach dem Motto „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“.

Hochmuth, der die Blütenstadt sonst unter anderem regelmäßig von Eichenprozessionsspinner-Gewebe befreit, überprüfte dafür zunächst das Wurzelwerk der rund 30 Meter hohen Pappel, „das es unbedingt zu schützen gilt“. Um zu kontrollieren, bis wohin die Wurzeln reichen, entfernte der Baumpfleger von Hand zunächst mehrere Kubikmeter Erde. Von ihm eingesetzte Holzpflöcke (Foto) weisen künftige Bauarbeiter darauf hin, bis wohin sie graben können, ohne die Bodenverankerungen der Pappel zu beschädigen. „Was sich als Vorteil erwiesen hat, ist, dass wir relativ weit weg vom Stamm arbeiten, also nur noch im Feinwurzelbereich ‚unterwegs’ sind“, erklärt Hochmuth. Das bedeutet, dass sich die wenige Zentimeter dicken Wurzeln leicht umlenken lassen. Um ihr weiteres Wachstum zu fördern, gibt Hochmuth Baumsubstrat in die betroffenen Stellen des Erdreichs, das etwa das Wiederverankern des Geflechts fördert.

Am Mittwoch „begibt“ sich der Experte an die Baumkrone, die er zurück schneidet, um die Äste vor großen Baustellenfahrzeugen zu schützen. „Der Pappel soll schließlich kein Kran in die Quere kommen“, sagt er. Hochmuth setzt dafür auf Seilklettertechnik, auf die er sich spezialisiert hat. Bei der Technik pflegt er den Baum ohne schweres Gerät, das heißt, dass es den Einsatz von Hubsteigern oder ähnlichem schweren Gerät nicht bedarf.

(afri)