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Wunsch seit der Flut in Leichlingen: Endlich wieder heim

Hochwasserbetroffenes Haus für Menschen mit Behinderung in Leichlingen : Wunsch seit der Flut: Endlich wieder heim

Die Bewohner des „Hephata“-Hauses für Menschen mit Behinderung wohnen vorübergehend in beengten Verhältnissen in Mettmann. Ihr geflutetes Zuhause wird saniert. Dass sie nach Leichlingen zurückkehren werden, wünchen sich alle. Manche aber fürchten, es könnte anders kommen.

Sascha Rouvrat wohnt eigentlich seit neun Jahren in einem Leichlinger Wohnhaus für Menschen mit Behinderung. Sein Zuhause musste er nach dem Juli-Hochwasser aber auf unbestimmte  Zeit verlassen. Denn: Das Haus des Unternehmens „Hephata Wohnen“, das an der Straße An der Wupper liegt, stand in der Nacht auf den 15. Juli unter Wasser. Das Erdgeschoss ist seitdem hin, die Bewohner leben übergangsweise in einer Corona-Quarantänestation in Mettmann.

In dieser Situation „hatten wir das Bedürfnis, etwas für die Menschen hier tun zu wollen.“, berichtet die Leiterin des Kölner Blutplasmazentrums, Carola Lipps. 5000 Euro hat „Plasma Service Europe“ an den Leichlinger Standort von „Hephata Wohnen“ gespendet. Lipps hat die Einrichtung dafür besucht, nahm die Schäden in Augenschein.

Insgesamt wurde eine Spendensumme von 15.000 Euro an drei soziale, von der Flut betroffene Einrichtungen gespendet. Das Geld soll genutzt werden, um Ausflüge oder neue persönliche Gegenstände zu bezahlen und auch, um in Leichlingen zu schauen, ob das Haus noch steht. Denn das ist die größte Sorge der Bewohner, dass ihr Zuhause wegsein könnte.

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Drei Monate nach dem Wupper-Hochwasser befindet sich der Wiederaufbau noch im Anfang. Die Bautrockner entfeuchten die klammen Wände im Erdgeschoss, Laminat stapelt sich auf dem Boden, Schläuche liegen dort. Ein mikrobiologisches Ergebnis, das darüber entscheidet, ob der Estrich entfernt werden muss, steht immer noch aus, sagt Nadia Pauschert von „Hephata“.

In Sascha Rouvrats Zimmer hängen nur noch seine Plakate, rote Lampen und Raumschiffe an der Decke. Das Wasser stand hier bis zu den Steckdosen, die Möbel haben das nicht überlebt. Manche Erinnerungen sind weg. „Das, was wir retten konnten, haben wir gewaschen und verstaut, aber es ging eben nicht alles.“, berichtet Regionalleiterin Pauschert.

Weil die Juli-Geschehnisse schwer greifbar sind, hätten die Bewohner heute Angst, wenn es stärker regnet. In der Flut-Nacht konnte ein Mitarbeiter Sascha Rouvrat und seine drei Mitbewohner in Sicherheit bringen. Erstmal kamen sie in den oberen Etagen unter – auf einem Matratzenlager. Rouvrat sagt, er ist traurig, über das was passiert ist, aber man müsse sein Zuhause reparieren. Pauschert betont, die Bewohner könnten sich nicht vorstellen, ob sie wieder zurückkommen werden. „Es geht nicht um die Frage, wie viel viel es kostet. Es ist ihr Zuhause.“

In ihrer Unterkunft in Mettmann, in der wenig Platz sei, „fühlen sie sich nicht sonderlich wohl“, berichtet Pauschert. In Leichlingen hatte jeder sein Reich mit persönlichen Dingen. In Mettmann gebe es keine Teilhabemöglichkeit am gesellschaftlichen Leben. „Wir waren hier ja mitten drin“, betont Pauschert. Ihre Nachbarn fragten schon, wann sie denn wiederkämen.

Anfang 2022 könnte es soweit sein, hofft die Regionalleiterin. Dann kann Sascha Rouvrat sein Zimmer neu einrichten und mit den Mitbewohnern endlich wieder zu Hause sein.