Wolfgang Große Entrup aus Leichlingen führt den Verband der Chemischen Industrie

Wolfgang Große Entrup : Vertreter von 462.000 Mitarbeitern

Der promovierte Agraringenieur Wolfgang Große Entrup aus Leichlingen ist seit 1. Oktober Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). Wie sich sein neuer Arbeitsalltag zwischen Frankfurt, Berlin, Brüssel und Blütenstadt bislang anlässt, erzählt er im Interview.

Was macht der VCI?

Wolfgang Große Entrup Der VCI vertritt rund 1700 Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche in Deutschland mit 462.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 203 Milliarden Euro im Jahr 2018. Aktuell gehören zu unseren wichtigsten Themen die Energie- und Klimapolitik, der Brexit und die Zukunft der Industrie in Deutschland. Darüber sprechen wir vor allem mit Vertretern der Politik, Behörden, Ministerien, aber auch anderen Branchen und Interessenverbänden wie Umweltorganisationen oder Transparency International. Außerdem sind wir immer stärker in den sozialen Medien präsent.

Sie sind also ein klassischer Lobbyist?

Große Entrup Wir vertreten Unternehmen mit berechtigten Interessen in dieser Gesellschaft. Denn Chemie ist in ganz vielen Lebensbereichen relevant – zum Beispiel bei Themen der Mobilität, der Energieversorgung bis hin zu Gesundheit, Mobilfunk und darüber hinaus. Immerhin 45 Prozent der europäischen Chemie- und Pharmaunternehmen kommen aus Deutschland und Nordrhein-Westfalen ist die dichteste Chemieregion in ganz Europa. Dadurch sind wir ein wichtiger Player in der Industrie, aber auch ein gesuchter Gesprächspartner. Ich bin stolz darauf, in dieser Branche zu arbeiten.
Wichtig ist aber, dass wir die Interessen unserer Branche im gesellschaftlichen Kontext vertreten. Gerade vergangene Woche haben wir in Berlin eine Studie vorgestellt, wie die Chemie-Industrie ihren Treibhausgasausstoß mithilfe neuer Produktionstechnologien bis 2050 fast vollständig reduzieren und dennoch wettbewerbsfähig bleiben kann. Jetzt steigen wir in die gesellschaftlichen Diskussionen um die Umsetzung dieses Zieles ein.

Wie sieht eine „normale“ Woche als VCI-Hauptgeschäftsführer aus?

Große Entrup Wenn andere Menschen am Sonntagabend Tatort gucken, sitze ich im Zug von Leichlingen nach Frankfurt. Montagmorgen bespreche ich mit den VCI-Geschäftsführern die Woche mit Veranstaltungen, Pressekonferenzen, Besuchen in Unternehmen und vielem mehr. Wir sind ja nicht ausschließlich Interessenvertreter, sondern bieten unseren Mitgliedsunternehmen auch zahlreiche Services zum Beispiel in Netzwerken und Einkaufskooperationen, machen Öffentlichkeitsarbeit unter anderem in der „Initiative Chemie im Dialog“ und unterstützen die Wissenschafts- und Nachwuchsförderung. Meist bin ich einmal in der Woche in Berlin, einmal in Brüssel. Denn viele industriepolitische Themen sind heute auf europäischer Ebene geregelt. Den Freitag nutze ich gerne für Termine in NRW, zum Beispiel beim VCI-Präsidenten Hans van Bylen, Vorstandsvorsitzender bei Henkel in Düsseldorf.

Wie bringen Sie Privat- und Berufsleben unter einen Hut?

Große Entrup Vier bis fünf Tage in der Woche bin ich unterwegs, finde es hochspannend und interessant. Die Kunst besteht aber darin, die Zeit zu Hause zu genießen. Ich bin ein absoluter Anhänger von „FFF“: Familie, Freunde, frische Luft – und zwar genau in dieser Reihenfolge. Als Naturmensch bin ich viel mit unserem Hund an der frischen Luft und ein großer Fan der Gartenarbeit: Da habe ich sozusagen Prokura.

Können Sie sich vorstellen, einmal ganz nach Frankfurt umzuziehen?

Große Entrup Ich habe in meiner Wohnung direkt am Main mitten in Frankfurt genug Platz, dass die ganze Familie zu Besuch kommen kann. Aber langfristig ist und bleibt mein Lebensmittelpunkt in Leichlingen.