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Witzhelden: Witzhelden - die charmante Festmeile

Witzhelden : Witzhelden - die charmante Festmeile

Die Berliner waren da, auch die Ostfriesen und andere "Ausländer". Vor allem aber die Eingeborenen und Aufgenommenen feierten am Sonntag sich und das Höhendorf. Das Witzheldener Erntedankfest war eine ganz besondere Feier.

"Das ist unser Nationalfeiertag, bei dem jeder Bewohner des Höhendorfes endgültig zum echten Witzheldener wird". Ulrich Braun schwärmte beim Erntedank-Umzug am Sonntag in höchsten Tönen vom Fest, das am Wochenende tausende Einheimische und Besucher auf Witzheldens Straßen gelockt hat.

Für den Vorsitzenden des örtlichen Verkehrs- und Verschönerungsvereins bedeutet die Erntedankfeier deshalb vor allem eines: Integration. "Zugezogene, egal, woher sie kommen, werden einfach eingeladen mitzumachen. Und wenn man einmal auf dem Wagen ist, gehört man für immer dazu".

Dabei beobachtete Ulrich Braun, dass die Tradition vielen Menschen offenbar immer mehr bedeutet. "Unser ökumenischer Gottesdienst am Samstag war proppenvoll, und ich habe den Eindruck, es wird jedes Jahr voller". Vielen sei der christliche Ursprung des Erntedankfestes wichtig und auch das Bedürfnis zu zeigen, dass sie hier kein importiertes Oktoberfest feierten.

Der ganz besondere Charme des Festes lockte bei seiner 65. Auflage indes auch zahlreiche Auswärtige an. Klaus-Peter Ziehlke und seine Frau Carola aus Berlin etwa waren schon zum fünften Mal beim Erntedank-Festzug am Sonntag als ehrenamtliche Helfer dabei. "Wir haben wahnsinnigen Respekt davor, was hier auf die Beine gestellt wird", sagte Ziehlke. Diesen Zusammenhalt wolle er einfach unterstützen.

Im Zug gleich dahinter gab es derweil Ostfriesentreffen. Während Heidi Buss aus Esens ihre Leichlinger Tante Hermine Graver besuchte, schallten ihr aus dem Umzugstrubel vertraute norddeutsche Töne entgegen: Acki Claassen und seine Wagenbesatzung, allesamt in blauen Fischerhemden ebenfalls aus Ostfriesland angereist, fuhren bereits zum zweiten Mal im Zug mit. "Die Witzheldener haben schon Wetten abgeschlossen, ob die Friesen wiederkommen", erzählte Claassen lachend.

Das diesjährige Motto "Ob Trecker, Pferd oder zu Fuß - Erntefest ist ein Muss" war für die norddeutsche Truppe aber Aufforderung genug, wieder die mehr als 360 Kilometer ins Höhendorf zu reisen. Zufrieden und glücklich präsentierte sich beim Umzug auch Erntekönigin Evelyn Benzkirch. "Es läuft alles super. Die Gruppen haben sich wieder so viel Mühe mit ihren Wagen und Kostümen gegeben. Hätte ich gewusst, dass es gar nicht weh tut, Erntekönigin zu sein, hätte ich mich schon vor zehn Jahren wählen lassen", sagte Benzkirch, die erkennbar große Freude an ihrem Amt fand.

Großen Hunger hatten offenbar sowohl die Witzheldener als auch die zahlreichen Besucher zum Fest mitgebracht: Von den 900 Kilo Ochsenfleisch, das Metzgermeister Rolf Kuhn seit 42 Jahren alljährlich beim Erntedankfest auf dem Marktplatz zubereitet, waren am frühen Sonntagnachmittag gerade noch knapp 100 Kilo übrig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bunte Wagen beim Erntedankumzug