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Wir für Leichlingen: Thomas Richter stoppt Hilfsaktion

Spenden für lokale Unternehmen : Parteistreit entbrannt: Richter stoppt Hilfsaktion

Die Initiative „Wir für Leichlingen“ nimmt ein jähes Ende. Der Vorwurf: Die Aktion würde zu Wahlkampfzwecken genutzt.

Die Idee war gut gemeint. Thomas Richter hatte mit der Initiative „Wir für Leichlingen“ eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die auf unbürokratischem Weg von der Corona-Krise betroffene Kleinunternehmer unterstützen sollte. Dabei kamen 11.500 Euro zusammen, die er in den vergangenen zwei Wochen mit Hilfe eines Komitees an lokale Unternehmer verteilte. „Ich bin wahnsinnig stolz, dass Leichlingen so zusammensteht“, sagt er, „umso mehr enttäuscht es mich, dass ich die Aktion beenden musste.“

Ab Dienstag, 21 Uhr, werden keine Gelder mehr angenommen. „Die Aktion lebt von Vertrauen. Aus Respekt vor den Spendern ziehe ich die Reißleine“, fügte Richter an. Anlass seien die „massiven Vorwürfe“ gewesen, die Aktion würde zu Wahlkampfzwecken missbraucht. „Das war nie der Fall“, versichert Richter. „Nie fiel je ein Parteiname. Es ging mir um die Sache, und sonst nichts.“

Insbesondere Lothar Esser, FDP-Ratsherr und Vorsitzender der Bürgerstiftung Leichlingen, sah sich massiven Anschuldigungen ausgesetzt. In einem Beitrag auf seinem privaten Blog wirft Linken-Kreissprecher Tomás M. Santillán Esser vor, in einer Videobotschaft zugunsten von „Wir für Leichlingen“ die Bürgerstiftung für seinen Wahlkampf zu instrumentalisieren und bei seinem Spendenaufruf für geschädigte Unternehmen notleidende Bürger wie Rentner, mittellose Familien und Obdachlose zu vergessen. „Das sehe ich ähnlich“, bestätigt Linken-Ratsherr Klaus Reuschel-Schwitalla. „Lothar Esser hat zu anderen Stiftungsaktionen, zum Beispiel für Flüchtlinge, auch nicht öffentlich aufgerufen“, moniert er.

Zwar bestätigt Reuschel-Schwitalla, dass Esser und Thomas Richter zu keinem Zeitpunkt erwähnt hätten, dass sie beide FDP-Mitglieder seien. „Aber man kommt ja schnell dahinter, dass das parteipolitisch geprägt ist“, mutmaßt er. Es sei auch „Quatsch“, dass die „gute Aktion“ nun wegen der Kritik eingestellt wird: „Damit will man sich wohl nur zum Märtyrer machen“, unterstellt er Richter und teilt gegen Esser aus: „Wegen Kritik nun gleich vom Vorsitz der Stiftung zurückzutreten, finde ich ein schwaches Standing. Dann hätte er nicht in die Politik gehen sollen.“

Das sieht Lothar Esser erwartungsgemäß anders: Gegenüber der RP berichtet er davon, dass er nicht nur in Santilláns Blog, sondern am Wochenende auch in WhatsApp-Nachrichten und durch Anrufe massiv kritisiert worden sei. Zu den Kritikern gehörte nach RP-Information auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Ebecke.

„Viele Vorwürfe von etlichen Seiten gingen deutlich unter die Gürtellinie“, sagt Esser. Er sei als Stiftungsvorsitzender ja nicht mit einer gelben Fahne herumgelaufen. Er betont, dass sein Engagement in der Stiftung nichts mit seiner FDP-Mitgliedschaft zu tun habe. Außerdem habe er auf Wunsch von Bürgermeister Frank Steffes für die Aktion geworben, zuvor extra mit dem Finanzamt diskutiert und einen Weg gefunden, dass die Stiftung überhaupt Geld für „Wir für Leichlingen“ annehmen darf. Nach der massiven Kritik sei ihm die Weiterarbeit in der Stiftung nicht möglich. „Ich habe mich wie bespuckt gefühlt“, sagt Esser.