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Leichlingen: Wie sicher ist die Gasleitung an der Kirchstraße?

Leichlingen : Wie sicher ist die Gasleitung an der Kirchstraße?

An der oberen Kirchstraße verläuft eine oberirdische Gasleitung neben der Fahrbahn. Der Betreiber sieht kein Problem.

Sie war schon da, als Leichlingens Revierförster Karl Zimmermann in den 70er Jahren in der Blütenstadt zur Schule ging. "Und ich kann nicht sagen, dass jemals etwas damit nicht in Ordnung gewesen wäre", betont er. Doch die Gaspipeline mit dem optimistischen Namen "Glückauf", die im oberen Teil der Kirchstraße direkt neben der Fahrbahn verläuft — oberirdisch — ist von keinerlei Vorrichtungen geschützt. Ein Lkw beispielsweise, der die Leitplanke bei einem Unfall durchbricht, würde unweigerlich direkt auf dem Rohr landen, das auch einen benachbarten Waldweg kreuzt.

Die Diskussion der vergangenen Wochen um mögliche Gefahren einer geplanten Gas-Hochdruckleitung, die der Betreiber Open Grid auch übers Leichlinger Stadtgebiet (unterirdisch) führen möchte, hat beinahe in Vergessenheit geraten lassen, dass das Unternehmen ja bereits andere Gasleitungen fährt — wie eben jene "Glückauf" in Leichlingen.

Ein Sprecher von Open Grid bemühte sich im Gespräch mit unserer Zeitung gestern, in Sicherheitsfragen zu beruhigen. Was passieren könnte, wenn ein Fahrzeug auf die Leitung fallen würde, sei "nicht trivial zu beantworten", sagte er: "Hier sind viele Parameter abzufragen und miteinander ins Verhältnis zu setzen. Daraus würde man dann eine Gefährdungsabschätzung ableiten können." Geprüft werden müsse unter anderem, "wie die Straße verläuft, ob dort Leitplanken sind, ob es eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, ob die Kurve als Unfallschwerpunkt gilt, welcher Aufprallwinkel des Fahrzeugs auf die Leitung angenommen wird" und einiges mehr. "Grundsätzlich gilt, dass Leitungsstähle sehr viel Energie aufnehmen können und sehr elastisch sind, bis es zu einem Leitungsbruch mit Gasaustritt kommt. Gasaustritt bedeutet aber nicht gleich, dass sich das Gas entzündet", führt der Sprecher weiter aus. Und was, wenn ein Baum auf die Leitung fällt? "In diesem Fall", sagt Förster Zimmermann, "kommt es darauf an, ob der Baum abgesägt wird und versehentlich das Rohr trifft, oder ob er im Sturm entwurzelt wird. Letzteres Ereignis richte in der Regel weniger Schaden an, weil der Stamm schon weit geneigt sei, bevor der letzte Wurzelstrang abreiße: "Die Fallhöhe ist also deutlichgeringer."

Wie sicher eine Leitung gewertet wird, hängt nach Auskunft des TÜV Rheinland aber immer auch davon ab, wann und wie die Genehmigung erteilt worden ist. Bei einer alten Leitung wie der "Glückauf" habe die zuständige Bezirksregierung seinerzeit vermutlich andere Maßstäbe angelegt, als sie es heute tun würde. Das bedeute aber nicht automatisch, dass die alte Leitung heute ein Sicherheitsrisiko sei.

Diesen Eindruck will auch Open Grid unbedingt vermeiden. "Grundsätzlich gilt, dass Erdgasleitungen in sich sicher sind", sagt der Unternehmenssprecher und fügt hinzu: "Wir tun alles, um sie vor äußeren Einflüssen zu schützen. Alle unsere Leitungen unterliegen einer regelmäßigen Wartung und einer Überwachung durch eine Netzsteuerungszentrale an 365 Tagen rund um die Uhr."

(RP)