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Leichlingen: Wenn Autorin und Kinder gemeinsame Sache machen

Leichlingen : Wenn Autorin und Kinder gemeinsame Sache machen

Es herrscht nahezu vollkommene Stille im Untergeschoss der Buchhandlung Gilljohann, während Marie Fenske mit warmer, voller Stimme aus ihrem neuesten Kinderbuch "Auf der Suche nach Nima" vorliest. "Nima war anders als andere, sie tat nichts, und genau das war das Besondere.

Sie hatte die aufrechte, lässige Haltung einer Königin, zumindest stellte sich Leon so eine Königin vor...."

Die rund 20 Viertklässler der Grundschule Büscherhof lauschen gespannt, teils mit offenen Mündern. Sie sitzen im Schneidersitz, haben die Arme um die angewinkelten Beine gezogen, das Gesicht auf die Arme gestützt. Nima, das afrikanische Mädchen, verschwindet plötzlich - und vermutlich ist Leon daran schuld, der Mitschüler, der sie immer gehänselt hat. Vielleicht aber möchte sie auch nicht zurück zu ihrem Vater nach Afrika, sondern lieber in Deutschland bleiben. Wird sie schließlich gefunden? Und von wem? Wie endet das Drama um Nima? Nur auszugsweise liest Marie Fenske aus einzelnen Kapiteln vor. Ihre Art, ihre Lesegeschwindigkeit, ihr sprachlicher Aufbau des Spannungsbodens fasziniert - die Kinder "kleben" an den Lippen der Autorin und Künstlerin.

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Zwei etwas ältere Schüler hören ganz besonders gut zu: Toana und Joel. Mittlerweile sind beide in der 7. Klasse, waren aber vor drei Jahren in der Grundschulklasse, die gemeinsam mit Marie Fenske den 131 Seiten-Kinderroman entwickelt hat. Die Idee für das Gemeinschaftsprojekt sei bei einem Essen in einem griechischen Restaurant entstanden, erzählt Lehrerin Ina Block. "Wir haben immer viel im Unterricht gelesen, und ich wusste von meinen Schülern, dass sie sich oft mit dem Inhalt nicht identifizieren konnten. Das habe ich dann meiner Freundin Marie (Fenske) erzählt. Sie war sofort Feuer und Flamme, zusammen etwas auf die Beine zu stellen." Joel erinnert sich noch gut an die Projektzeit. "Wir haben erstmal Themen erarbeitet, die für uns wichtig sind: Mobbing, Stress mit den Eltern, Schüler aus fremden Ländern, Angst, aber auch Freude und Abenteuer." Die Buchautorin schrieb dazu einen Handlungsstrang, immer wieder in Rücksprache mit den Schülern. "Diese sehr spezielle Arbeit mit den Kindern hat meinen eigenen Horizont enorm erweitert, Kindern sind in ihren Kompetenzen hoch qualifiziert, hinterfragen sehr kritisch, wir müssen lernen, ihnen einfach wieder richtig zuzuhören. Daher war es mir auch ganz wichtig, dass das Kinderlektorat letztlich die Schlussabnahme übernommen hat."

Herausgekommen ist ein Kinderbuch, dass sich nicht nur als spannender Lesestoff, sondern vor allem als pädagogische Schulliteratur bestens eignet. "Diese Themen in dem Buch, damit beschäftigen sich ja alle Kinder, nicht nur wir in Leichlingen", erklärt Toana. Aus diesem Grund hat Ina Block begleitendes Lernmaterial rund um Nimas Geschichte herausgebracht.

Übrigens - wer beim Lesen denkt: Mensch, diesen Ort kenne ich doch. Oder: Dieser Mann, der da beschrieben wird, der kommt mir irgendwie vertraut vor, der sollte wissen, dass das kein Zufall ist. Alle Personen,Gebäude und Wege gibt es tatsächlich in Leichlingen, das übrigens in der Erzählung Blütenbach heißt.

Gesponsert wird das Projekt vom Rotaryclub mit dem Förderprogramm "Lesen lernen - Leben lernen" (LLLL). "Wir stiften die Bücher an interessierte Grundschulklassen", erklärt Gereon Thomas, Präsident der Rotarier Leverkusen-Opladen. "Lesen ist so wichtig für die Entwicklung, wir helfen gerne dabei."

(RP)