Weihnachten im Altenzentrum Hasensprungmühle Sehnsucht nach Gemeinschaft

Nicht alle Menschen haben an Weihnachten frei. Im Altenzentrum Hasensprungmühle feiern Mitarbeiter und Bewohner gemeinsam.

 Teresa Wasik und Maria Natalia Da Silva (von links) gehören zu den Mitarbeitern, die mit den Bewohnern ein besonderes Weihnachtsfest feiern.

Teresa Wasik und Maria Natalia Da Silva (von links) gehören zu den Mitarbeitern, die mit den Bewohnern ein besonderes Weihnachtsfest feiern.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Lange bevor das Frühstück verteilt wird, haben die Mitarbeiter in der Großküche schon mit der Arbeit begonnen. Für das Küchenteam des Evangelischen Altenzentrums Hasensprungmühle geht es schon um vier Uhr morgens los – auch an den Feiertagen. Da ist sogar besonders viel vorzubereiten, denn an Weihnachten werden die Bewohner auch mit einem besonderen Gruß aus der Küche verwöhnt.

„Man sieht immer nur das Produkt und nicht die Menschen, die dahinter stehen“, sagt Leiter Stanislaus Stegemann. Er ist froh darüber, dass in seinem Haus die Einteilung der Dienste an den Feiertagen ziemlich reibungslos klappt. Wer im Dienstleistungssektor tätig sei, wisse natürlich, dass auch zu außergewöhnlichen Zeiten Arbeit anfalle. Es gilt die verkleinerte Wochenendbesetzung.

Im Grunde gebe es eine stille Übereinkunft: Wer Weihnachten frei hatte, ist an Silvester dran. Und er stellt fest, dass die Mitarbeiter dabei Rücksicht nehmen auf Bewohner, aber auch auf die Kollegen. Alleinerziehende, Beschäftigte mit kleinen Kindern oder Großeltern sollten an Heiligabend zu Hause sein. „Ein gutes Team trägt die Situation mit“, sagt Stegemann aus Erfahrung. Und das sei nicht zuletzt das Verdienst der Pflegedienst- und Wohnbereichsleiterinnen, die ganz besonders auf die Arbeitsbedingungen im Haus achten. Gesundheitsmanagement und die Beteiligung der Mitarbeiter an der Planung werde groß geschrieben. „Wir haben über Jahre viel investiert um Mitarbeiter zu bekommen und zu halten“, sagt er, und das zahle sich aus. Mit Blick auf den allgemeinen Pflegenotstand kann er sagen: „Wir leben hier auf der Insel der Glückseligkeit.“

An einem emotionalen Fest wie Weihnachten seien die Pflegekräfte ganz besonders gefordert. Weniger was die reine Pflege betreffe, als vielmehr die psychologische und seelische Betreuung. In den letzten Jahren habe sich die Zahl der demenziell veränderten Menschen stark erhöht. Für sie sind die weihnachtlichen Kindheitserinnerungen präsenter als die Gegenwart.

Das zeigt sich schon in der Adventszeit, wenn – wie in der vergangenen Woche – die vorgezogenen Weihnachtsfeiern für die ganze Hausgemeinschaft stattfinden. Da ist dann auch das komplette Personal dabei, erzählt Stegemann. Wer keinen Dienst habe, komme sozusagen ehrenamtlich aus Verbundenheit mit den Bewohnern. Und es sei ausdrücklich erwünscht, dass die Pflegekräfte dazu auch ihre Kinder mitbringen. Es erfreue die Senioren, wenn da so ein paar kleine „Engelchen“ herumspringen.

Das gilt auch für den Überraschungsbesuch, den 100 Erst- und Zweitklässler der Katholischen Grundschule Kirchstraße am Donnerstag machten. Sie haben im Foyer Lieder gesungen und die Spende überreicht, die die Schule beim Bratapfelfest erwirtschaftet hatte. Davon soll im Garten eine Seniorenschaukel installiert werden. Neben dem Gemeinschaftsgeschenk haben auch alle Bewohner bei der Weihnachtsfeier ein kleines Geschenk bekommen.

Damit konnten nicht unbedingt die Wünsche erfüllt werden, über die in den Wochen zuvor gesprochen wurden. „Die größten Wünsche sind nämlich nicht materieller Art“, berichtet Stegemann. Sondern eher die verstorbene Frau noch einmal zu sehen oder dass die Kinder öfter vorbeikommen. Dass die Familien weit verstreut leben und sich entsprechend selten sehen, beobachtet Stegemann zunehmend. Aus diesem Grund werden viele Bewohner nicht einmal zu Weihnachten abgeholt.

Umso wichtiger sei das Programm an Heiligabend, das am frühen Nachmittag mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnt und in ein gemeinsames Kaffeetrinken übergeht, an dem auch Mitarbeiter und einige Angehörige teilnehmen. Danach sitzt man in den einzelnen Wohnbereichen zusammen, spricht vielleicht über Weihnachtserlebnisse von früher und es wird ein besonderes Abendessen serviert.

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