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Weggeschwemmt: Wer hat diese Frau gesehen?

Aus Garten von Leichlinger Künstlerin : Weggeschwemmt: Wer hat diese Frau gesehen?

Beim Unwetter wurde auch der berühmte Garten der Leichlinger Künstlerin Heiderose Birkenstock-Kotalla in Mitleidenschaft gezogen. Besonders bitter: Eine wertvolle Skulptur ist seitdem verschwunden.

 Ein Lebenswerk, bedeckt von braunem Schlamm: Hortensienbüsche, die trostlos und zerfleddert herunterhängen, meterhohe Tomatenstauden, fahl und mager, die grüne Wiese matschig und weich. Große weiße Bettlaken, nass gesogen und mit braunen Schuhabdrücken darauf, führen durch das einst so grüne Idyll und geben zumindest ein wenig Halt auf dem sumpfig gewordenen Untergrund. Ein mehrere Kilogramm schwerer Blumenkübel aus Stein, der vor dem Unwetter Mitte Juli noch ein schattiges Plätzchen auf einem kleinen Hügel hatte, treibt jetzt seelenruhig im großen Teich. Häufchenweise sammelt sich am Rande der Hochbeete der in den vergangenen Tagen mühsam abgetragene Schlamm an.

Heiderose Birkenstock-Kotalla, 1943 in Oberschlesien geboren, seufzt beim Anblick ihrer einstigen Natur-Oase am Leichlinger Wupperufer. Im Schatten der hochgewachsenen Bäume, flankiert vom Strom des Flusses, der noch immer dunkelbraunes Wasser führt, ist auch drei Wochen nach der Katastrophe kein Ende der Aufräumarbeiten in Sicht. „Es ist das erste Mal in 37 Jahren, dass so etwas hier passiert ist“, berichtet die Malerin, die an der staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf Kunstgeschichte, Philosophie und Kunstpädagogik studierte, ungläubig. „Und dann passiert es genau am Jahrestag unseres Einzugs.“

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Auch der Keller des Hauses, in dem Birkenstock-Kotalla ihr Atelier hat, lief mit Wasser voll. Eigene Kunstwerke – Skizzen und Arbeiten aus rund 50 Jahren – wurden dabei durchnässt; sie trocknen nun im Erdgeschoss. „Vielleicht ist das ein Zeichen, dass ich doch mal endlich ausmisten sollte“, sagt die Künstlerin mit einem Schulterzucken. Was ihr dieser Tage allerdings weitaus mehr zu schaffen macht als ihre eigenen Malereien, ist die Skulptur „Sitzende“ von Künstlerkollege Peter Nettersheim. Denn sie verschwand in der Nacht des Unwetters aus dem Garten. Und bis heute fehlt jede Spur von der Frau aus Holz.

Seit fast vier Jahrzehnten hegt und pflegt Heiderose Birkenstock-Kotalla ihren rund 2000 Quadratmeter großen, parkähnlichen Garten samt Teich und Brücke; über die Jahre stellte sie immer wieder Arbeiten befreundeter Künstler aus. Ein inspirierender Ort, war Birkenstock-Kotallas Garten schon häufig Kulisse von gefeierten Kunstausstellungen – nicht nur ihrer eigenen. Die meisten der mehr als 20 hochwertigen Holz-, Stein- und Metallarbeiten, die sich auf dem Gelände verteilen, haben die Starkregen-Katastrophe nahezu unbeschadet überstanden.

Nur diese eine Holzskulptur von Peter Nettersheim hat Birkenstock-Kotalla am Tag nach dem Unwetter nicht mehr an ihrem Platz vorgefunden. Eine sitzende Frau, die seit mehr als 20 Jahren in Teichnähe ihren Platz gefunden und Besucher des Gartens mit ihrem lieblichen Antlitz erfreut hatte. „Ich weiß nicht, wo sie hin ist“, sagt die Gartenbesitzerin traurig. „Sie muss in den Fluten der Wupper weggetrieben sein.“Birkenstock-Kotalla gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Skulptur wieder auftauchen könnte, obwohl auch der Gedanke nicht fern ist, dass sie „irgendwo zerschellt und kaputt gegangen ist.“ Aber vielleicht, sagt sie, „hat sie doch einer im Wasser treiben sehen und kann mir sagen, wo ich sie wiederfinde“.