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Leichlingen: Warum ein Weihnachtsbaumverkäufer Ehen retten kann

Leichlingen : Warum ein Weihnachtsbaumverkäufer Ehen retten kann

Lutz Hoeppner bringt Mensch und Baum zusammen. Ein Gespräch über die Liebe – zwischen sauerländischen Tannen.

Lutz Hoeppner bringt Mensch und Baum zusammen. Ein Gespräch über die Liebe — zwischen sauerländischen Tannen.

Wenn Menschen sich verlieben, hängt das viel von Dingen ab, die der Verstand gar nicht fassen kann. Vom Geruch beispielsweise und der Bereitschaft, sich überhaupt verlieben zu wollen. So gesehen haben Weihnachtsbäume die allerbesten Voraussetzungen, von uns geliebt zu werden. Sie riechen gut — so gut sogar, dass wir ihre chemischen Ableger am Rückspiegel baumeln haben.

Und wir wollen sie lieben, unbedingt sogar, weil Weihnachten ohne Baum nicht geht. Warum also ist die Suche nach "Mr. Right" (es ist schließlich "der" Weihnachtsbaum) jedes Jahr so unfassbar schwer? Und warum ist nicht jeder Weihnachtsbaumverkäufer ein so hervorragender Kuppler wie Lutz Hoeppner auf dem Paulinenhof? Der Mann ist Pädagoge, besser geht es nicht.

Seit 30 Jahren verkauft Hoeppner Weihnachtsbäume — und ein kleines bisschen Glück. Der Mann hat sie alle schon gesehen: die Zauderer und Zweifler, Nörgler und Wüteriche. Und er hat gelernt, dass es trotzdem für jeden Kunden den perfekten Baum gibt. "Sie sind zum Beispiel eher ein Typ für schlanke Bäume", sagt Hoeppner und hat nach wenigen Minuten eine nicht gerade kerzengerade, dafür aber wunderbar stufenförmige und vor allem schlanke Tanne ausgesucht.

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Selbstverständlich weiß der Profi, dass er in diesem Moment bereits gewonnen hat, dass der Baum verkauft und der Kunde im Grunde seines Herzens zufrieden ist. Die obligatorische Runde durch den restlichen Bestand wartet er einfach geduldig ab. Was Hoeppner weiß und der Suchende erst nach einigen Enttäuschungen: Die erste Liebe ist etwas Besonderes — "alle kommen zurück zum ersten Baum".

Frauen — unabhängig vom Beziehungsstand oder Alter — bereiten Hoeppner, der mit knapp 20 als Verkäufer anfing und trotz Studium und Beruf nie davon loskam, das größte Kopfzerbrechen. "Frauen sind immer so ganz besonders kritisch." Doch auch sie macht Hoeppner glücklich — durch geschickte Baum-Schau und dem Kaschieren von Schwachstellen. Vor allem aber durch Erfahrung und viel Geduld.

Dennoch hat Hoeppner Ehekrisen erlebt: "Die haben sich angeschrien: Niemals wolle Sie mit Ihm unter diesem Baum feiern." Größenwahnsinnige waren bei ihm: "Einer wollte eine Zehn-Meter-Tanne im Ministänder — ich musste den Stamm auf sechs Zentimeter anspitzen." Glückliche Menschen traf Hoeppner aber auch: "Und deshalb mache ich den Job ja." Trotz der Schufterei bei Nässe und Kälte: "Ich habe hier meinen Glühwein und liebe Hunde. Und wenn's schneit und ein bisschen Musik läuft, ist es doch richtig romantisch."

Doch wo bleibt diese, für erfolgreiche Liebesbeziehungen angeblich so ungemein wichtige Romantik, wenn für einige Unverbesserliche die Balz erst heute, am Heiligen Abend — der Ü40-Party für Christbäume — beginnen soll? "Grundsätzlich ist das natürlich ein Fehler", sagt Hoeppner, hält kurz inne und bietet eine vielversprechende Perspektive: "Zur Not schneiden wir den perfekten Baum zurecht. Und wenn er dann immer noch nicht schön ist, gibt's Glühwein. "

Alkohol als Katalysator für die große Liebe? Mal ehrlich: Ohne das Prinzip Schöntrinken wären Ü40-Partys doch undenkbar.

(RP/rl)