Vandalismus am Bahnhof Leichlingen

Vandalismus in Leichlingen : Bahnhof gibt ein schlechtes Bild ab

Graffiti, zersplitterte Glasscheiben und defekte Automaten – trotz der Mängelliste gilt Leichlingen als „nicht auffällig“.

Graffiti-Schmierereien an fast sämtlichen Scheiben der Fahrgasthäuschen auf dem Bahnsteig, auf dem Kassenautomaten und an den Stahlträgern über dem Treppenaufgang. Scheiben der Fahrplan-Schaukästen gesplittert, mittendrin ein großes Loch notdürftig mit Klebeband gesichert. Zerstörtes Bedienfeld am Fahrscheinautomaten, erst repariert, nach wenigen Tagen wieder kaputt: Ein attraktiver Bahnhof sieht vermeintlich anders aus als der in Leichlingen.

Doch eine Nachfrage bei der Deutschen Bahn ergibt: Der Bahnhof Leichlingen gilt als „nicht auffällig“, ist nach Einschätzung des Unternehmens „nicht schlimm“. Dennoch sei man bemüht, die Spuren des Vandalismus so schnell wie möglich zu beseitigen. „Graffiti-Schmierereien können in einer Datenbank gemeldet werden. Wir reagieren innerhalb von 72 Stunden oder umgehend, wenn es sich um verfassungsfeindliche Inhalte handelt“, sagte ein Bahnsprecher auf RP-Anfrage.

Zuständig für Sicherheit und Ordnung in den Bahnhöfen und in den Zügen ist die Bahn-Tochtergesellschaft DB Sicherheit GmbH. In Leichlingen sind die Mitarbeiter in unregelmäßigen Abständen vor Ort. Das gibt offenbar Spielraum für den Vandalismus: „Es stimmt, die soziale Kontrolle fehlt, seit es auf Bahnhöfen wie in Leichlingen kein Präsenzpersonal mehr wie früher den Bahnhofvorsteher gibt“, bestätigte der Sprecher. So sehe der Bahnhof eben so aus, wie sich die Menschen dort verhielten.

Eine Lösung seien an größeren Zughaltestellen sogenannte Ordnungspartnerschaften mit der Bundespolizei. 2014 hatte der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière sie mit der Bahn vereinbart, um den „gegenseitigen Informationsaustausch bei Gefährdungslagen, die gemeinsame Videoüberwachung in den Bahnhöfen, die Zusammenarbeit bei der Kriminalitätsbekämpfung oder auch die gemeinsame Präventionsarbeit“ zu ermöglichen.

Für Leichlingen aber gibt es diese Kooperation nicht, die Deutsche Bahn hat Hausrecht bis zur Straßenkante. Für die Beseitigung der Vandalismus-Schäden und der Graffitis hat das Unternehmen allein in Nordrhein-Westfalen zuletzt rund 2,8 Millionen Euro ausgegeben.

Für kleinere Bahnhöfe wie Leichlingen, in denen DB Sicherheit oder die Bundespolizei nicht regelmäßig präsent sind, hat der Bahnsprecher dennoch einen Vorschlag, zwar nicht gegen zerstörte Scheiben, aber zumindest gegen die Schmierereien: „Man könnte die freien Flächen von professionellen Künstlern gestalten lassen. Das haben wir in den Bahnhöfen am Hansaring und in Ehrenfeld in Köln und in Recklinghausen schon gemacht. Es gilt das ungeschriebene Szene-Gesetz, dass diese Graffitis nicht mit eigenen Zeichen überschmiert werden“, sagte der Bahnsprecher.

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