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Unwetter in Leichlingen: Ein Vermisster nach Hausbrand

Unwetter erschwert Rettung : 86-Jähriger nach Hausbrand in Leichlingen vermisst

Bei dem Brand eines Wohnhauses in Leichlingen wurde eine 84-jährige Frau verletzt, ihr Ehemann wird noch vermisst. Die Brücken sind wegen Einsturzgefahr gesperrt. Bürgermeister Steffes spricht angesichts der Überflutung von einer Katastrophe.

Der stundenlange Einsatz der Feuerwehr mit Spezialfahrzeugen und Hubschrauber konnten das Haus an der Neukirchener Straße nicht retten. Laut Polizeisprecher Christian Tholl ist es ausgebrannt. Die Feuerwehrleute hätten aber eine 84-Jährige und zwei weitere Bewohner in Sicherheit bringen können. Es wird befürchtet, dass der 86-jährige Ehemann der Seniorin in dem Haus umgekommen ist. Da es noch bis zum Erdgeschoss unter Wasser stehe, könne das Gebäude jedoch nicht betreten werden.

Das Haus hatte gegen drei Uhr nachts angefangen zu brennen. Da die Zufahrtsstraßen durch Flutwasser nicht passierbar waren, konnten reguläre Löschzüge nicht zum Brandort vorrücken. Daraufhin wurden zwei Spezialfahrzege mit hohem Radstand angefordert. Auch ein Löschhubschrauber kam zum Einsatz. Der Brand ging Tholl zufolge möglicherweise von der überfluteten Ölheizung im Keller aus.

Die komplette Leichlinger Innenstadt steht unter Wasser. Die Brücken sind bis auf die an der Opladener Straße wegen Einsturzgefahr gesperrt und werden von Fachleuten beobachtet. Laut Stadtverwaltung kommt es weiterhin zu großräumigen Stromausfällen und -abschaltungen. Auch der Mobilfunkempfang in der Stadtmitte sei stark eingeschränkt.

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Die DLRG hat vier Personen aus Gewässern gerettet. Die Wupper-Brücken in der Innenstadt bleiben bis auf die auf der Opladener Straße weiterhin vorsorglich gesperrt und werden konstant von Fachleuten beobachtet. Gegen 17.30 Uhr standen am Donnerstag rund 400 Einsätze aus, während weiterhin neue Hilferufe eingehen. Ein Lautsprecherwagen fährt durch die Stadt und informiert die Anwohner über die aktuelle Lage.

In Balken, Wietsche und Büscherhöfen konnten die Anwohner ab 16 Uhr in ihr Zuhause zurückkehren. Auch viele der 84 in den Grundschulen Kirchstraße und Uferstraße notuntergebrachten Personen konnten zurück oder sind anderweitig untergekommen: bei Freunden und Verwandten, aber auch in Leichlinger Ferienwohnungen oder in Zimmern der beiden Altenheime. „Die Leichlinger zeigen eine ungeheure Solidarität“, lobt die Stadtverwaltung. „Glücklicherweise sind die beiden Altenheime am Hasensprung und Weltersbach weiterhin betriebsfähig und knapp einer größeren Krise entkommen.“

Die Stadtverwaltung ist immer noch ohne Strom, Telefon und Internet. Am Freitag bleibt das Rathaus daher geschlossen. Die vier geplanten Hochzeiten am Freitag und Samstag auf Schloss Eicherhof können laut Stadt aber wohl stattfinden. Ebenso die im Sinneswald, die jedoch wegen der Hochwasserschäden an einen anderen Ort verlegt werden muss.

Der Krisenstab tagt in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr am Wallgraben. In enger Zusammenarbeit werde von hier aus daran gearbeitet, „möglichst schnell die kritische Infrastruktur wiederherzustellen“. Dabei unterstützen Stadt und Feuerwehr vor Ort Tag und Nacht die Polizei sowie die Hilfsorganisationen Technisches Hilfswerk (THW), Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und Deutsches Rotes Kreuz (DRK).

„Ein Unwetter-Ereignis solchen Ausmaßes hat es in meiner 50-jährigen Dienstzeit als Feuerwehrmann im Rheinisch-Bergischen Kreis noch nicht gegeben“, zeigt sich Kreisbrandmeister Wolfgang Weiden bestürzt. „Was unsere Kräfte von Feuerwehr und Katastrophenschutz in den vergangenen 24 Stunden mit höchstem Einsatz und ohne jeglichen Schlaf geleistet haben, verlangt mir allerhöchsten Respekt ab. Dass es dabei leider unmöglich war, jedem Hilfeersuchen schnell nachzukommen, ist völlig klar, tut uns jedoch sehr leid für die betroffenen Bürger.“

„Es ist eine absolute Katastrophe“, sagt Bürgermeister Frank Steffes. Eine solche Überflutung habe vermutlich noch kein heutiger Leichlinger erlebt. „Möglicherweise gab es so etwas Anfang des vergangenen Jahrhunderts, aber nicht die letzten Jahrzehnte. Es hat uns auch viel schlimmer getroffen als 2018.“

Das Rathaus stehe bis zur Kellerdecke unter Wasser. „Damit auch Teile des Archivs.“ Und der städtische Server, so dass die Verwaltung weder telefonisch noch online erreichbar ist.

„Und ob die Wupperbrücken nach Ablaufen der Flut noch nutzbar sind, steht auch noch nicht fest“, sagt der Stadtchef. Eine habe in der vergangenen Nacht bedenklich geschwungen. „Möglicherweise sind Risse in den Pfeilern entstanden. Das muss jetzt geprüft werden.“

Die Schäden in der ganzen Stadt seien immens. „Fast jeder hatte ja Wasser im Haus.“ Sein Haus sei ebenfalls betroffen, sagt Steffes. „Allerdings kein Vergleich zu den Schäden in der Innenstadt.“ Dort stehen neben Wohnhäusern, Geschäften und Sparkasse auch die Schulen unter Wasser - darunter die Paul-Klee-Schule, die gerade erst nach dem großen Flutschaden 2018 renoviert worden war.

Der Stadtchef weilt eigentlich im Urlaub am Titisee. „Aber wir packen jetzt alle zusammen und fahren nach Hause. So wie viele andere Leichlinger, die jetzt im Urlaub sind. Jeder hat ja Angst um Verwandte oder die Wohnung.“

Im Pilgerheim Weltersbach zeugt noch jede Menge Schlamm in der Dorfmitte von dem Unwetter. Dort hatte sich durch den über die Ufer getretenen Weltersbach ein regelrechter See gebildet. „Die DLRG musste kommen und die Menschen, die von der einen Dorfseite zur anderen wollten, mit dem Boot übersetzen“, berichtet Heimleiter Joachim Noß. In ein Haus sei Wasser gelaufen. „Und leider hat es unseren Bibelgarten erwischt. Das Wasser hat dort die Wege weggespült.“ Mittlerweile fließe der Weltersbach zwar noch hoch, aber normal in seinem Bett.

Grund für die relativ geringen Schäden seien getroffene Vorsichtsmaßnahmen. „Seit dem schlimmen Unwetter 2018 haben wir Hochwasservorkehrungen getroffen“, berichtet Noß. „Wir haben Mauern gebaut, Rückstauklappen eingebaut und Bordsteine erhöht.“ Der Wupperverband habe das Bachbett ausgebaggert.

Das Kundencenter der BELKAW in Leichlingen (Im Brückerfeld 15) bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Grund seien Schäden an Gebäude und Technik, so das Unternehmen. Kunden werden gebeten, in dringenden Fällen auf die Standorte in Bergisch Gladbach, Burscheid oder Lindlar auszuweichen (Telefon 02202 2855 800).