Unternehmer bereitet Schadenersatzklage gegen die Stadt Leichlingen vor

Unternehmer bereitet Schadenersatzklage vor : Mahnbrief über 400.000 Euro für Stadt

Unternehmer Reinhold Marseille wirft dem Stadtrat vor, Entwicklungspläne am Stockberg wissentlich zu torpedieren.

Post von der unangenehmen Sorte haben die Ratsmitglieder zum Jahresbeginn von Reinhold Marseille, Firmenchef der Firma Marseille  Kunststoffe am Stockberg, erhalten. In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, informiert er sie, „dass die vergangenen zwei Jahre für mich als auch mein Unternehmen ob der von Ihnen in 2016 […] beschlossenen Veränderungssperre für das Gewerbegebiet Stockberg mit der Vorgabe zukünftiger Kleinteiligkeit hinsichtlich der enormen Folgen ausgesprochen schmerzhaft waren.“ Da ihm dieser Ratsentscheid großen wirtschaftlichen Schaden zugefügt habe, sehe er sich gezwungen, der Stadt Leichlingen einen gerichtlichen Mahnbescheid über zunächst 400.000 Euro zustellen zu lassen. Eine Schadenersatzklage bereite er vor.

Marseille will damit offenbar einen Vorgang vor Gericht bringen, dessen Ursprung drei Jahren zurückliegt: Damals wollte er etwa 60.000 Quadratmeter seines Gewerbegrundstückes an den Naturstein-Großhändler Seltra verkaufen. Der Kaufvertrag war bereits unterschrieben, die Ansiedlung für Anfang 2017 geplant, der Antrag auf eine Nutzungsänderung für das Gelände am Stockberg gestellt. Der Stadtrat aber beschloss im August 2016 eine Veränderungssperre, mit der die Ansiedlung Seltras unmöglich gemacht wurde. Ziel des Votums: Schaffung eines kleinteiligen Gewerbegebietes, für das zeitgleich der Beschluss über die Aufstellung eines Bebauungsplans gefasst wurde.

Der Unternehmer bedauert nun in seinem Brief, dass es soweit kommen musste, „zumal Sie als Rats- bzw. Ausschussmitglieder zur Entscheidungshilfe […] lange vor Beschlussfassung  ,umfänglichst’  informiert wurden“. Gemeint sind offenbar unter anderem die Lage in den Sandbergen und die dortigen „außergewöhnlichen strukturellen, bautechnischen sowie ökologischen Gegebenheiten“. Den Ratsmitgliedern sei detailliert dargelegt worden, dass jenes damals stark bewaldete Gelände unterhalb der „Sandberge“ von Reinhold Marseille vor mehr als 35 Jahren auf Empfehlung der Stadt erworben und in enger Abstimmung mit ihr auf der Grundlage eines B-Planentwurfes explizit für ein von ihr gewolltes großflächiges Gewerbe entwickelt worden sei.

Die Ratsmitglieder seien zudem informiert worden, dass ein unter ökologischen Gesichtspunkten damals absolut zukunftsweisendes, weitläufiges, vom öffentlichen Netz völlig autarkes Entwässerungssystem mit großem Regenwasser-Rückhaltebecken und angrenzender weit dimensionierter Verrieselungsfläche unter Begleitung des zuständigen Dezernates gebaut worden sei. Es habe die besondere Kessellage des Objektes als auch das Bodendenkmal berücksichtigt und dennoch Raum für notwendige zweckorientierte Aufbauten und Infrastruktur gelassen.

Ungeachtet dessen habe sich die Mehrheit des Rates entschieden, „die einst von Ihren Vorgängern maßgeblich mitgetragene und Ihnen über Jahrzehnte angenehme Entwicklung am Stockberg zu torpedieren und damit ohne Rücksichtnahme auf Schaden und Verluste in fremdes Eigentum einzugreifen“, beklagt Marseille und fragt: „Wer bitte frage ich Sie, gab Ihnen dazu das Recht?“

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