Leichlingen: Unternehmensberater lädt ein zum "Farbenspiel"

Leichlingen: Unternehmensberater lädt ein zum "Farbenspiel"

Immer nur dasselbe zu machen, das würde ihn langweilen, behauptet Thomas Siefer. Jedenfalls erklärt sich so die Vielseitigkeit seiner künstlerischen Arbeit, die von kleinen Farbflächenbildern bis zu bemalten Barbiepuppen reicht. Hauptberuflich macht der Wirtschaftswissenschaftler und Ökonom etwas ganz anderes, da berät er Familienunternehmen und coacht Führungskräfte. Beim Malen bevorzugt er klare und kräftige Töne. Das "Farbenspiel" zeigt er an diesem Wochenende in einer Ausstellung, die sich über Wohnhaus, Garten und sein Atelier erstreckt, dessen Rückseite am Bahndamm liegt.

Aber das ist nicht der einzige Grund für seine Affinität zur Eisenbahn im H0-Format, die auf Schienen oben an der Atelierwand entlang, in die Schränke hinein und hinten wieder hinausfährt. Eine Landschaft mit alten Modellbauhäuschen und Bäumen hat er zu einer Siedlung zusammengefügt und an die Decke geklebt. Untergrund und Gebäude sind komplett weiß, eine Hommage an die Gruppe Zero, die in experimentellen Arbeiten komplett die Farbe entzog.

Thomas Siefer hat Kunstabitur gemacht, und sein Lehrer war ein Beuys-Schüler, der jedenfalls sein Interesse an Kunstgeschichte weckte. So beschäftigte ihn beispielsweise sehr stark die "Minimal Art" von Imi Knoebel, der mit bunten Linien und kontrastreichen Farbflächen arbeitet. Ähnlich ging Thomas Siefer vor, als er einen breiten Fries für die Holzwand im Garten schuf, die gerade jetzt in der tristen, Vegetationsperiode frische Akzente setzt. Oder er stapelte auf der Wand Bretter mit Farbstreifen zum Quadrat.

  • Fotos : Herbst-Nebel

Was ihn neben der Farbwirkung besonders reizt, ist die Grenze zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, die bereits Knoebel, Uecker, Graubner und Kollegen aufgebrochen haben. Für eine besonders plastische Wandarbeit strich Siefer 49 Stangen in 19 Unterschiedlichen Farben an und legte sie so zum Gitter aufeinander, dass nur von einem einzigen Standpunkt aus die klare quadratische Außenform zu erkennen ist. Mit jeder kleinen Bewegung verändert sich die Perspektive und damit das Bild - sowohl in der Form als auch im Farbklang. Ein faszinierendes Spiel, das wegen der dritten Dimension nur vor dem Original funktioniert und nicht im Foto, das nur eine von etlichen Möglichkeiten wiedergibt.

Thomas Siefer wirft so schnell nichts weg. "Was man nicht mehr gebrauchen kann, ist immer noch für die künstlerische Arbeit gut", sagt er und zeigt auf ausgediente Pinsel, die er komplett in Farbe tauchte, um sie anschließend mit tausend winzigen Farbpunkten zu überziehen. Ähnliches machte er in einer Serie mit Barbiepuppen oder mit einer Schlange aus Pappmaché. Für die Ausstellung hat er kleine Arbeiten in Tüten gepackt: "Kunst to go" für ein Taschengeld.

(RP)