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Frank Steffes: "Unsere Leute können fast nicht mehr"

Frank Steffes : "Unsere Leute können fast nicht mehr"

Leichlingens Bürgermeister will wegen des stetig ansteigenden Flüchtlingsstromes jetzt zusätzliches Personal einstellen.

Herr Steffes, Sie wollen in den politischen Gremien beantragen, dass Ihr Personal wegen des stetigen Zustroms an Flüchtlingen an mehreren Stellen aufgestockt wird. Wie groß sind die Belastungen für Ihre Mitarbeiter denn?

Steffes Extrem hoch. Unsere Leute sind wirklich bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit beansprucht. Und ich muss wirklich allen ein Riesen-Kompliment machen - von der Sachbearbeiterin bis zu den Hausmeistern. Das sind alles keine Leute, die den Griffel fallen lassen oder sich krank melden, wenn es mal eng wird - die machen ihren Job mit Herzblut. Trotzdem können sie fast nicht mehr. Da müssen wir dringend etwas tun.

Sie wollen unter anderem eine auf zwei Jahre befristete Stelle (50 Prozent) im Bereich Leistungsgewährung für Asylbewerber und Verwaltung der städtischen Unterkünfte ...

Steffes ... weil gerade in diesem Bereich enorme Belastungen anfallen. Das darf man nicht mit anderen Bereichen wie etwa Hartz-IV vergleichen. Die Flüchtlinge, die zu uns ins Rathaus kommen, haben ja kein Bankkonto. Die bekommen persönlich ihre Schecks in die Hand gedrückt, das bedeutet ganz andere Vorbereitung und Aufwand. Dann die Verständigungspsroblematik - und viele dieser Menschen haben ein bewegendes Schicksal hinter sich, das auch unsere Leute nicht kalt lässt. Das ist ein sehr schwieriger Job.

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Zurzeit erhalten rund 120 Personen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Wo haben Sie die Menschen eigentlich überall untergebracht?

Steffes In unseren Unterkünften an der Friedensstraße und in Bennert. Dazu in Wohnungen, wobei wir uns immer weiter bemühen, Wohnraum anzumieten, damit wir unser Ziel umsetzen können, möglichst kleine Gruppen so dezentral wie es geht unterzubringen.

Also keine Container-Dörfer in Leichlingen?

Steffes Das ist unserer Meinung nach die schlechteste Lösung. Zum einen ist sie sehr teuer, zum anderen lässt sie wenig Spielraum, auf die Besonderheiten der Flüchtlinge einzugehen. Wir haben es ja mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Bildung zu tun, meistens mit jüngeren Männern. Da ist es auch im Sinne einer Konflikt-Vermeidung wichtig, kleinteilig unterzubringen.

Warum ist das Konflikt-Potenzial so hoch?

Steffes Das hat noch nicht einmal in erster Linie mit den unterschiedlichen Nationalitäten zu tun. Bringen Sie mal 50 junge Männer aus Deutschland jeweils zu viert in einem Zimmer in einem einzigen Gebäude unter. Auch da würden Konflikte nicht ausbleiben - obwohl alle dieselbe Sprache sprechen. Wir haben Menschen aus aller Herren Länder, die wir unterbringen müssen -von Afghanistan über Eritrea bis Somalia. Ich finde es ganz wichtig, dass da auch soziale Betreuung erfolgt. Daher auch unser Ansatz, noch einen Sozialarbeiter einzustellen.

Zusammen mit der ebenfalls von Ihnen geforderten Hausmeister-Stelle kämen knapp 130 000 Euro Kosten zusammen. Belastung für die Stadt?

Steffes Das jetzige Geld stammt aus einer zusätzlichen Zuweisung des Landes, die wir gleich wieder ausgeben. Aber die Landeserstattungen fangen ja nur einen Teil der tatsächlichen Kosten auf. Mit der jetzigen Personal-Aufstockung würden wir im Rahmen der geplanten Ausgaben im Stadtetat bleiben. Immer vorausgesetzt, die Entwicklung der Zuweisungen an Menschen bleibt auch so, wie im Haushalt geplant.

Kann es sein, dass Sie am Ende doch Container-Dörfer bauen müssen?

Steffes Nicht auszuschließen, zurzeit haben wir aber noch genug Luft.

PETER KORN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)