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Leichlingen: Theaterreife Possen am Amtsgericht

Leichlingen : Theaterreife Possen am Amtsgericht

Richter erleben manchmal die tollsten Auftritte im Gerichtssaal. In dieser Woche hinterließ ein Leichlinger nachhaltigen Eindruck, der seine Freundin, seinen Nachbarn und unfreundliche Gerichtsmitarbeiter als Entschuldigungen vorgab.

Ohne Ansehen der Person urteilt die gerechte Justitia, dargestellt mit Augenbinde. Doch ihre Pappenheimer kennen die Richter im Amtsgericht Opladen. Denn allzu oft tauchen dort alte Bekannte auf. Wobei alt, auch jung bedeuten kann, wie im Falle eines jungen Leichlingers, der sich und das Gericht jetzt mit einer Kleinigkeit von 50 Euro zu einer großen Wirkung herausforderte.

Eigentlich hatte der Leichlinger, der wegen eines Verstoßes gegen das Haftplichtversicherungsgesetz angeklagt war, weil er einen Anhänger nicht angemeldet hatte, Gnade vor Recht erfahren. Bei Zahlung von 50 Euro wollte der Richter das Verfahren einstellen. Doch bei der vereinbarten Zahlung des halben Hunderters lag die Tücke im Detail. So fand sich der Leichlinger jetzt zum zweiten Mal auf der Anklagebank wieder. Nun drohte ihm gar eine Verurteilung mit einem Bußgeld von 600 Euro. Mit einem wahren Wortschwall versuchte der Blütenstädter dem Richter begreiflich zu machen, weshalb er die 50 Euro noch nicht bei der Gerichtskasse eingezahlt oder den Betrag einfach mal kurz überwiesen hatte.

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Zuerst habe er die Zahlungsaufforderung nicht erhalten, weil er im Ausland gewesen sei. Seine Freundin habe das Geld für ihn einzahlen sollen: "Die hat das aber nicht getan", sagte der junge Mann und erntete dadurch das Missfallen der Staatsanwältin: "Das hab' ich gerne. Jetzt ist auch noch die Freundin schuld", grollte die Vertreterin der Anklage. Doch die Entschuldigungen gingen noch weiter. Er habe auch gar keine Ladung zum Termin bekommen, die sei an einen Nachbarn geschickt worden. Und deshalb wisse er bislang auch überhaupt nicht unter welchem Aktenzeichen er die 50 Euro denn einzahlen solle. Da riss dem Richter der allerletzte Geduldsfaden, als der junge Mann auch noch auf Nachfragen bekundete, dass er "heute leider seine Geldkarte nicht dabei habe". Und Ausrede Nummer vier folgte auf dem Fuße: Er habe sich beim Gericht telefonisch nach dem Aktenzeichen erkundigen wollen, sei aber unfreundlich abgewiesen worden, sagte der Leichlinger. Der Richter hatte aber eine Notiz vorliegen, wonach der Leichlinger "eine langjährige und sehr verdiente Mitarbeiterin des Amtsgerichtes" alles andere als freundlich behandelt haben soll. Den Schwall von weiteren Entschuldigungen unterbrach der Richter schließlich mit der neuen Gnadenregelung: "Das Verfahren wird erneut und für einen Tag eingestellt", verkündete er. Nun sollte der Leichlinger aber 75 Euro innerhalb von 24 Stunden an die Gerichtskasse zahlen.

Mittlerweile warteten draußen schon längere Zeit Angeklagter und Zeugen in einer anderen Sache, die dann auch eilends eröffnet wurde, um alsbald wieder unterbrochen zu werden: "Tack, tack, tack", klopfte es an der Türe, und schon stürmte der Leichlinger noch einmal in den Gerichtssaal: "Mein Freund hatte noch 60 Euro dabei. Genügt das, wenn ich die schon mal einzahle?" "Ja!"

Alsbald nahm der Richter wieder den Faden der neuen Verhandlung auf, doch nicht für lange Zeit: Tack, tack, tack, die Türe flog ein zweites Mal auf. "Ich brauche noch eine Entschuldigung für die Schule, dass ich heute hier war!", forderte ein Angeklagter aus einem noch früheren Verfahren an diesem Tage. Und dem Richter fiel dazu nur noch ein: "Das geht ja hier wie im Theater zu."

(RP)