Theater Mittendrin spielt „Zwei Fäuste für Mephisto“

Theater Mittendrin spielt „Mephisto“ : Wenn Gott und Teufel übers TV-Programm streiten

Das Theater Mittendrin präsentierte jetzt im Jugendzentrum „Zwei Fäuste für Mephisto“, eine Version von Goethes Klassiker Faust.

Wer hat es nicht im Deutschunterricht lesen müssen? Die Geschichte vom verzweifelten Wissenschaftler Faust, der sich vom teuflischen Mephisto dazu verleiten lässt, seinen Gelüsten nachzugehen und schließlich ein Auge auf das junge Gretchen wirft. Unter der Leitung von Nicola Glück, die nebenbei auch als Opern-, Operetten-, Musical- und Theaterregisseurin tätig ist, führte die inklusive Theatergruppe das Stück „Zwei Fäuste für Mephisto“, gespickt mit aktuellen Anspielungen und künstlerischen Modernisierungen, am Wochenende im Jugendzentrum Leichlingen auf.

So blickte Gott, gespielt von Leander Glück, zu Anfang beispielsweise durch einen Fernseher auf die Menschheit herab und stritt sich aus Langweile mit dem Teufel, verkörpert durch Marion Jurican, über die Wahl des Programms, bis Mephisto dann die ausschlaggebende Wette um Faust ins Spiel brachte. Dieser und Gretchen waren gleich in mehrfacher Besetzung zu sehen: er einerseits als „der Wissenschaftler“, andererseits als „der, der Versuchung erliegt“, sie in Form der „Unschuldigen“, der „Verliebten“ und schließlich der „Mörderin“.

Sylvaine Ilchmann, die Darstellerin des tragischen Gretchens, wirkte zum ersten Mal auf der Bühne mit und hat auch die Musik für das Stück komponiert. Zuvor fungierte sie als Assistentin für Erik Körmann, der aufgrund seiner autistischen Beeinträchtigung nicht fähig ist zu sprechen, jedoch trotzdem in der Rolle des teuflischen Adjutanten mit Hilfe beschriebener Schilder zur Aufführung beitragen konnte.

„Wir haben ein gutes Gruppenklima“, lobt Ilchman die Zusammenarbeit unter ihren Schauspielkollegen. Seit 2010 bringt das inklusive Theater Mittendrin, bestehend aus Menschen mit und ohne Behinderung, jährlich neue Inszenierungen auf die Bühne. Die Gruppe, deren Mitglieder allgemein zwischen 15 und 72 Jahre alt sind, ist Teil der Initiative der Mebus Körmann Stiftung, die sich für die Förderung der Integration von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung einsetzt.

„Das ist mein Herzensprojekt.“, sagt Glück zu ihrer Arbeit an der bereits siebten Aufführung. Das inklusive Theater sei ihr erster Zugang zu Menschen mit Behinderung. Dabei sei ihr die Entwicklung jedes einzelnen besonders wichtig. Vom Spielen kleiner Alltagsszenen bis hin zur Verkörperung einer Rolle, die sich durch das gesamte Stück zieht. Das Repertoire wechselt regelmäßig von Klassikern wie „Romeo und Julia“ auf freiere Handlungen, die den Mitgliedern die Möglichkeit geben, sich bei der Rollengestaltung einzubringen.

Für die Regisseurin ist das Erarbeiten der Inszenierungen sehr reizvoll: „Die Menschen mit Behinderung reißen die Schubladen auf, räumen alles aus und sortieren alles anders wieder rein“, beschreibt sie den gemeinschaftlichen Schaffensprozess. Bei den Proben, die jeden Mittwoch von 19 bis 20 Uhr stattfinden, gäbe es stets eine gute Mischung aus Tiefgang und Heiterkeit.

Letzte Vorstellung von „Mephisto“: Kulturausbesserungswerk, Kolberger Straße 95a, Leverkusen; Sonntag, 8. Dezember, Beginn 20 Uhr, Einlass 19 Uhr, Eintritt 10 Euro, für Schüler 8 Euro. Vorverkauf: Buchhandlung Gottschalk (Schlebusch) oder per E-Mail an kabarett@kulturausbesserungswerk.de.

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