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Tagesmütter: In Leichlingen fehlt ein Vertretungskonzept

Kinderbetreuung : Tagesmütter: In Leichlingen fehlt ein Vertretungskonzept

Wenn in der Kindertagespflege jemand krankheitsbedingt ausfällt, stehen die Eltern vor Problemen. Stadt und Mitarbeiterinnen in der Tagespflege kamen kürzlich zusammen. Ein schnelle Lösung ist aber nicht in Sicht. Zwei Tagesmütter schildern ihre Situation.

Bei Theresa Lorenz und Barbara Lieske geht es hoch her. Die beiden arbeiten als Tagesmütter in Leichlingen. Da sind Gewusel, die freudigen Rufe spielender Kinder und auch Tränen, wenn die Eltern nach dem Bringen zur Arbeit fahren oder den Heimweg antreten, an der Tagesordnung.

Gemeinsam mit einer weiteren Mitarbeiterin betreiben sie die „Musiktagespflege Leichlingen“. Bis zu neun Kinder dürfen sie dort zu dritt betreuen. Eine einzelne Person darf in der Kindertagespflege bis zu fünf Kinder betreuen. Die sind in der Regel ein Jahr alt, wenn sie in die Tagespflege kommen. Bestenfalls bleiben sie dort dann zwei Jahre, um dann, im Alter von drei Jahren, in den Kindergarten zu wechseln. Lorenz und Lieske lieben ihren Job. „Wir sind für die frühkindliche Entwicklung mitverantwortlich. Es ist toll zu sehen, die Kleinen auf ihrem Weg zu begleiten, sie auf die nächsten Schritte in ihrem Leben vorzubereiten“, schwärmt Lieske über ihre Arbeit. Besonders die kleinen Kinder unter drei Jahren bräuchten viel Nähe und körperliche Zuwendung, ergänzt Lorenz. Das könne in der Tagespflege viel intensiver geleistet werden als in einem Kindergarten, wo es auch ein paar Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gibt.

Bei all der Begeisterung für ihre tägliche Arbeit, so gibt es doch einige Missstände, die es den Tagesmüttern nicht immer einfach machen, ihren Job zu genießen. So kam es kürzlich zu der Situation, dass die Eltern eines zweijährigen Kindes, das in der Musiktagespflege betreut wurde, einen Platz in einem Kindergarten angeboten bekommen – trotz gültigen Vertrages mit der Tagespflege.

Um sich für einen Betreuungsplatz zu bewerben, müssen Eltern ihre Kinder auf der Plattform „Littlebird“ registrieren. Da können sie ihre Prioritäten angeben. „Daher kann so eine Situation durchaus mal vorkommen“, sagt Johanne Kristiansen, Leiterin des Amtes für Jugend und Schule. Lieske und Lorenz hingegen fühlen sich in solchen Momenten um den Lohn ihrer Arbeit betrogen. „Schlimmer ist es aber für die Kinder, die haben sich gerade hier eingewöhnt, werden dann hier rausgerissen und müssen sich im Kindergarten wieder neu eingewöhnen“, sagt Lieske. Was dabei noch hinzukommt: Wie in vielen anderen Städten auch gibt es in Leichlingen mehr Bewerber für Betreuungsplätze als Plätze selbst. So war es für Lieske und Lorenz immerhin nicht schwer, den vakanten Platz wieder neu zu vergeben.

Ein großes Problem sei auch das Vertretungssystem im Krankheitsfall. „Die Stadt ist verpflichtet, eine Vertretung zu stellen, wenn jemand von uns krankheitsbedingt ausfällt“, sagt Lieske. Doch dieses System sei derzeit nicht existent. „Wenn wir krank sind, sind die Eltern die Leidtragenden, wenn wir die Betreuung nicht gewährleisten können“, ergänzt Lieske. Dass es dort seitens der Stadt Nachholbedarf gibt, bestätigt auch Kristiansen. „Wir arbeiten an daran, bald ein Vertretungskonzept zu installieren“, sagt sie. Im kommenden Jugendhilfeausschuss im November soll das Konzept vorgestellt werden. Es soll an der Tagespflege ausgerichtet werden.

Kürzlich gab es auch ein Treffen zwischen Vertretern der Stadt und einigen Menschen, die in der Kindertagespflege arbeiten. „Dort wurde uns eine neue Satzung präsentiert, eine Lösung des Vertretungsproblems ist da noch nicht in Sicht“, resümiert Lieske die Zusammenkunft. „Möglicherweise könnte es Ende des Jahres noch was werden, aber auch das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Trotz der Kritik sei aber nicht alles schlecht, sagen die Tagesmütter. Das Treffen sei auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. „Viele Fachberater haben immer ein offenes Ohr für uns, da funktioniert die Zusammenarbeit auch ganz gut“, sagt Lieske. Doch Potenzial für Verbesserungen sieht sie allemal.