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Leichlingen: Stilvoller Orgelsommer-Abend mit Bach und Barock-Oboe

Leichlingen : Stilvoller Orgelsommer-Abend mit Bach und Barock-Oboe

Dieser Orgelsommer hat viele Facetten. Nicht nur, dass die Programme der acht Freitags-Konzerte in der evangelischen Kirche an der Marktstraße Werke unterschiedliche Stile vereinen, sondern auch durch die Kombination der Orgel mit einem anderen Instrument.

Nachdem Kantorin Tanja Luthner schon mit dem Leichlinger Geiger Alexei Silbert einen solchen Duo-Abend vorgelegt hat, erlebte das Publikum in der letzten Woche zwei Musiker, die sich auf Alte Musik spezialisiert haben und unter anderem in einem Kölner Ensemble zusammenspielen. Karla Schröter ist Leiterin von "Concert Royal" und hat zunächst genauso wie ihr Duopartner Willi Kronenberg selbst Orgel und Cembalo studiert, bevor sie sich ganz auf historische Instrumente konzentrierte. Speziell auf die Barock-Oboe, die von weitem wie ein hübsch verziertes Tischbein aus poliertem Edelholz erscheint.

Weil das während des Spiels nur die Besucher auf der Empore sehen konnten, zeigte Karla Schröter ihr schönes altes Instrument zum Abschluss des Abends auch unten herum und erklärte ganz kurz die Entstehungsgeschichte der Oboen und Fagotte, die am Hofe Ludwig XIV. entwickelt wurden und sich aufgrund ihrer zarten Klangschönheit bald weit verbreiteten.

An den Sächsischen Höfen beispielsweise, wo auch Johann Sebastian Bach das Instrument schätzen lernte und in die Orchesterpartituren seiner Kompositionen aufnahm.

Bach, dessen 265. Todestages man in der vergangenen Woche gedachte, war Ausgangs- und Bezugspunkt an diesem Orgelsommer-Abend. Von ihm selbst war allerdings nur ein Werk für Orgel solo. Betont ruhig, die einzelnen Fugenstimmen deutlich machend, spielte der Kölner Organist Willi Kronenberg dieses Präludium mit Fuge g-moll BWV 535.

Ansonsten hatten die Interpreten Musik von Schülern und Enkel-Schülern des berühmten Thomaskantors ausgewählt. Kompositionen im so genannten empfindsamen Stil. Das Grundgerüst des Programms lieferte der wie Bach in Eisenach geborene Johann Wilhelm Hertel, dessen Partiten für Oboe und obligate Orgel die einzigen Originalkompositionen für diese Besetzung waren.

Die übrigen Duostücke aus dem 18. Und frühen 19. Jahrhundert waren Choralvorspiele, wobei der Oboe immer die gleiche Aufgabe zukam, nämlich den Cantus firmus, die Liedmelodie, deutlich und zumeist relativ langsam über ein figuriertes Orgelspiel zu setzen. Auch hier konzentrierte man sich auf geistliche Musik aus Sachsen mit Werken von Homilius, Sponholtz oder Tag.Deutlich konzertanter waren dagegen die drei Partiten Hertels, die im einheitlichen dreisätzigen Aufbau in denen ein introvertierter langsamer Teil die pulsierende, lebendige Eröffnung von einem virtuoseren, manchmal tänzelnden Abschluss trennt.

Für die Oboistin gab es drei Verschnaufpausen, während Willi Kronenberg solistisch einen Teil des Klangspektrums der Leichlinger Schuke-Orgel auslotete. Mit Stücken von Bach und zwei seiner Schüler, Johann Gottfried Müthel und Johann Ludwig Krebs.

(mkl)