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Leichlingen: Staatsanwalt lässt Falschfahrerin laufen

Leichlingen : Staatsanwalt lässt Falschfahrerin laufen

In Leichlingen verstärkt sich ein gefährlicher Trend: das Umfahren von Mittelinseln auf der Gegenfahrbahn. Die Fahrer werden selten erwischt. Eine "Mittelinsel-Falschfahrerin" aus Leverkusen legte jetzt ein "Geständnis" ab. Der Staatsanwalt sieht aber kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung.

Wenn Horst Otting am Donnerstag von dem Vorfall mit der rücksichtslosen Falschfahrerin erzählt, hört man immer noch die Empörung in der Stimme. "Es hätte krachen können. Im schlimmsten Fall wäre ein Fußgänger verletzt oder getötet worden." Besonders schlimm findet der Leichlinger, dass die Kölner Staatsanwaltschaft die Frau einfach so laufen lässt.

Was ist geschehen? Am 13. Juni fährt der Leichlinger über die Straße Am Wallgraben in Richtung Kreuzung Bahnhofstraße/Brückenstraße. Kurz vor der Kreuzung kommt es zu einem Rückstau beziehungsweise zum Fahren im Schritttempo, weil ein Autofahrer in die Straße "An der Wupper" Richtung Marktplatz einbiegt.

Dabei passiert es: Von hinten überholt eine Limousinenfahrerin die Autoschlange, fährt dabei auf die Gegenfahrbahn und umrundet die Mittelinsel der Fußgängerüberquerungshilfe auf der linken Straßenseite. Dies widerspricht der Straßenverkehrsvorschrift.

Ingenieur Otting und sein Beifahrer trauen ihren Augen nicht. Nach dem regelwidrigen Überholmanöver schert die Leverkusener Fahrerin knapp vor einem Pkw ein und stellt sich an der Kreuzung auf die Linksabbiegerspur. Ein gefährliches Manöver, sagen die Zeugen später aus. Die Falschfahrerin habe zudem den Einmündungsbereich nicht einsehen können, weil ein Lkw die Sicht versperrt habe.

Otting und sein Freund folgen der Fahrerin bis in die Moltkestraße, stellen sie dort zur Rede. Da die Leverkusenerin nicht reagiert, drohen sie mit Anzeige. "Da war ein Stau, ich bin eilig", sagt die Fahrerin, zuckt mit den Schultern und verschwindet. So steht es später in der Zeugenaussage.

Die Uneinsichtigkeit und das aggressive Verhalten bewegt die Leichlinger zur Anzeige. Immerhin habe die Frau "einen tödlichen Verkehrsunfall billigend in Kauf genommen", schreibt Otting der Polizei. Der Fall geht an die Staatsanwaltschaft Köln. Die "Raserin" ist laut Staatsanwalt geständig. Der verantwortliche Staatsanwalt stellt Anfang August das Ermittlungsverfahren gegen die Leverkusenerin ein. Begründung: Die "Beschuldigte" sei strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten und habe keine Punkte in Flensburg. Weiter schreibt der Staatsanwalt über die Fahrerin: "Sie bedauert ihr Fehlverhalten offensichtlich." Es könne erwartet werden, dass sie durch das Verfahren "hinreichend beeindruckt und gewarnt ist". Deshalb "wäre das Verschulden als gering anzusehen". "Ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht in diesem Fall nicht", so der Staatsanwalt. Otting kritisiert: "So etwas wird eingestellt? Fahre ich bei Rot über die Ampel, muss ich zahlen und ich bekomme Punkte..."

(RP/ac)